Lörrach „Integration geht durch den Magen“

Exotische Köstlichkeiten gab es beim öffentliche Picknick der Aktion „Kochen über den Tellerrand“ auf den Bahnhofsvorplatz am Mittwoch. Foto: Manfred Herbertz Foto: Die Oberbadische

Lörrach (mh). „Kochen über den Tellerrand” hieß es am Mittwochabend auf dem Bahnhofsvorplatz in Lörrach. Bei spätsommerlichen Temperaturen herrschte reges Treiben beim öffentlichen Picknick, und damit genau das, was die Initiatoren sich gewünscht hatten. Eine heitere Stimmung schwebte über dem Platz, auf dem sich viele Menschen unterschiedlichster Herkunft trafen.

Ob Fleischbällchen, Gemüsespieße, Fladenbrot oder „Badische Käsfüß“, höchstpersönlich von Oberbürgermeister Jörg Lutz gebacken. Die angebotenen Speisen waren vielfältig – so vielfältig, wie die Menschen unterschiedlichster Nationen, die sich zusammengefunden hatten, um gemeinsam zu picknicken, zu feiern und sich zu unterhalten. Hier brachte jemand eine Schüssel gefüllt mit einem leckeren Salat, dort kam ein Korb mit duftenden Backwaren auf den Tisch.

Lutz zeigte sich erfreut von dem fröhlichen Treiben. Das öffentliche Picknick fand zudem im Rahmen der Aktion „Wir machen Platz“ statt, die den Bahnhofsvorplatz beleben soll.

„Gemeinsam kochen und gemeinsam essen ist eine wunderschöne Tätigkeit“, sagte Lutz und wählte ein deutsches Sprichwort, um zu verdeutlichen, was hier passiert: „Liebe geht durch den Magen“, sagte der Oberbürgermeister und betonte: „Integration geht durch den Magen“, denn das, was hier stattfinde, sei Integration im besten Sinne. Viele Menschen, die als Flüchtlinge in die Stadt gekommen seien, seien inzwischen angekommen und Bürger dieser Stadt geworden.

Mit der Aktion wolle man zudem erreichen, dass der Platz mit Leben gefüllt werde, und dass sich die Menschen dort wohlfühlten.

Lutz hatte auch ein Präsent für die unermüdliche Antreiberin Elke Doerries dabei, die er als „dauerhaften aktiven Vulkan“ bezeichnete, und die mit Energie die Aktionen des Freundeskreises Asyl und „Kochen über den Tellerrand Lörrach“ voranbringe.

Ein Blick in die Runde zeigte, dass die Menschen beieinandersaßen, die ethnische Herkunft spielte keine Rolle. So kann Integration gelingen, war der allgemeine Tenor.

„Kochen über den Tellerrand“ findet normalerweise seit zwei Jahren in der Friedensgemeinde im Bächlinweg statt. An den monatlich stattfindenden Abenden kochen Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam traditionelle Gerichte. Dieses Mal suchten die Verantwortlichen den Weg zu einer breiteren Öffentlichkeit.

„Bereits vor zwei Jahren hatten wir mit ’Kitchen on the run’ ein tolles Projekt in der Innenstadt, das die Menschen durch gemeinsames Kochen und Essen an einen Tisch gebracht hat“, erinnerte sich Lutz.

Am Rande des Picknicks kam unsere Zeitung mit dem aus Syrien stammenden Delgsh Assaid ins Gespräch. Er lebt seit eineinhalb Jahren in Lörrach, aber er spricht inzwischen schon überraschend gut Deutsch. Assaid, der in Syrien Medizin studiert hatte, absolviert derzeit ein Praktikum am Lörracher Krankenhaus. „Wenn ich die zwei vor mir liegenden Prüfungen schaffe, darf ich als Arzt arbeiten“, sagte er stolz. Er ist froh, in Lörrach ein neues Zuhause gefunden zu haben, auch wenn er mit Wehmut an seine Heimat denkt, die in Trümmern liegt.

Der Songwriter und Sänger Ben Meech gab ein Konzert, das mit viel Applaus bedacht wurde.

„Kochen über den Tellerrand Lörrach“, ein Ableger des eingetragenen Vereins „Über den Tellerrand e.V.“ Berlin, sowie der Freundeskreis Asyl Lörrach, die die Kochabende organisieren, werden durch die Bürgerstiftung unterstützt.

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