Lörrach Interpretation, die hörbar Spaß macht

Von irdischer und himmlischer Liebe sang Miriam Feuersinger, begleitet von dem Lautenisten Julian Behr, bei „Stimmen“. Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Manche englischen Lautenlieder gehen einem nicht mehr aus dem Ohr. Henry Purcells „Sweeter than roses“ gehört dazu, aber auch Thomas Morleys hübsches Liebeslied „It was a lover and his lass“ mit dem Refrain: „...In the spring time, the only pretty ring time, When birds do sing, Hey ding a ding, ding: Sweet lovers love the spring“.

Das Loblied auf den Frühling und die Liebe trugen beim intimen Stimmen-Konzert am Dienstag in der vollbesetzten Ottilienkirche in Tüllingen die Sopranistin Miriam Feuersinger und der Lautenist Julian Behr äußerst charmant vor. Der Liederabend mit ganz frühen englischen und deutschen Liedern offerierte ein zweigeteiltes Programm über die Liebe in unterschiedlichen Ausprägungen: Teil eins die „Irdische Liebe“ mit schönen Lautenliedern von Purcell, dem Orpheus Britannicus und Meister der gesungenen englischen Sprache, von John Dowland und Thomas Morley, zwei berühmten elisabethanischen Komponisten.

In Teil zwei folgte die „Himmlische Liebe“ mit geistlichen Liedern von Schemelli, dem in Leipzig tätigen Kantor und Verfasser eines Gesangbuchs, an dem auch Bach mitwirkte, und von Martin Cöler, einem aus Danzig stammenden, heute eher unbekannten Komponisten, Kapellmeister und Mönch, der Leiter der Wolfenbüttler Hofkapelle war und den Rätsel umgeben, allein schon was die verschiedenen Schreibweisen seines Namens betrifft. Auch weiß man nicht ganz genau seine Lebensdaten.

Dass die aus Österreich stammende Echo-Klassik-Preisträgerin Miriam Feuersinger, die eine Zeitlang in Grenzach-Wyhlen lebte, wo ihr Begleiter Julian Behr wohnt, solche unbekannteren Werke ans Licht holt, zeigt nicht zuletzt auch die Breite ihres Repertoires. Die englischen Lieder aus Renaissance und Frühbarock haben natürlich etwas Magischeres als die Geistlichen Gesänge.

Das sieht man allein schon an den Titeln in John Dowlands melancholischen Kostbarkeiten wie dem bitter-süßen „Come away, some sweet love“ (Komm mein Lieb) oder „His Golden Locks“. Edle und pure Vokalsätze, klingende Edelsteine, die Feuersinger äußerst detailliert darbietet, in eleganter Formulierung und saftvoller Deklamation, mit Liebe zum Detail, einer Vitalität und Frische der Interpretation, die hörbar Spaß macht, allerdings gelegentlich nicht immer die Gefahrenzone des Manierierten umschifft.

Sehr direkt anspringend ist Feuersingers Sopranstimme. Sie singt mit vehementer Ausdrucksstärke und könnte leicht einen viel größeren Kirchenraum füllen als das kleine Ottilienkirchlein. Aber durch diesen sehr lebendigen Gesang verhindert sie blutarme oder konfektionierte Dowland-Melancholie. Glänzend in der Affektendarstellung war das allemal.

Auch die Kollektion von alten deutschen strophischen Liedern war eine interessante Ergänzung, vor allem dank der vortrefflichen Textgestaltung der Sängerin, ihrer klaren Stimme und gut verständlichen Diktion. Auch im geistlichen Liedteil gelingt es Miriam Feuersinger, jedem einzelnen Lied besondere Nuancen abzugewinnen und ihr helles durchdringendes Timbre passt sowohl zu den heiteren Stimmungen der englischen Literatur als auch zu den dramatischeren Stücken eines Martin Cöler, die sie affektreich auslotet.

So lernte man einiges aus dem Schatzkästlein vokaler Alter Meister kennen, in liebevoller Detailarbeit von Feuersinger und ihrem hervorragend zu ihr passenden Begleiter an Laute und Theorbe. Julian Behr wechselt von der kleinen Renaissancelaute zur kräftiger klingenden, größeren Theorbe und zeigt sein feinsinniges solistisches Können auch in Lautensolostücken, einigen Fantasien, Sonaten und Toccaten. Zwischen den beiden Programmblöcken gab es eine kleine Stimmpause für die Instrumente, die Behr so stilvoll und klangsensibel zu spielen weiß.

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