Lörrach Investitionen in die Zukunft

Lörrach - Neben der Diskussion über Optionen für die Fasnacht 2021 waren die Finanzen das zweite große Thema der Hauptversammlung der Narrengilde Lörrach in der vergangenen Woche (wir berichteten). Obergildenmeister Jörg Roßkopf präsentierte detailliert die Einnahmen und Ausgaben der Fasnacht 2020 – coronabedingt nicht bezahlte Sponsorengelder trüben diese Bilanz jedoch.

„Wir hatten 2019 und 2020 einen tollen Plakettenverkauf, aber durch den Ausfall einiger Sponsoren, die durch Corona in Schwierigkeiten geraten sind, sind wir auf den Kassenstand von 2012 zurückgefallen“, erklärte Roßkopf und verwies auf ein Vereinsvermögen von lediglich noch rund 12 000 Euro. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag dieses noch bei gut 21 400 Euro.

„Unqualifizierte Äußerungen“ zur Fasnacht

Ihm mache diese Situation zwar keine Angst, gleichwohl zeige sie, dass die Gilde „keine Millionen versteckt“ habe, wie manch einer angesichts jüngster Diskussionen über städtische Zuschüsse vielleicht geglaubt habe. Um so mehr dankte er den anwesenden Fraktionsvertretern von CDU und SPD dafür, dass sie „unqualifizierten Äußerungen“ zur Fasnacht im Gemeinderat entgegen getreten seien.

Sehr erfreut war Roßkopf auch über den außerplanmäßigen Zuschuss in Höhe von 11 000 Euro der Stadt, dem der Gemeinderat kürzlich – vorbehaltlich der Haushaltsberatungen – zugestimmt hat. Mit diesem kann die Narrengilde unter anderem die coronabedingt nicht bezahlten gut 9000 Euro von Sponsoren ausgleichen. Denn eigentlich wären in dieser Saison insgesamt mehr als 40 000 Euro im Bereich Sponsoring geflossen – der größte Posten bei den Netto-Erträgen noch vor Pins und Plaketten (20 318 Euro), die ebenfalls eine große Rolle spielen.

Die „Marke Lörracher Fasnacht“ etablieren

Roßkopf betonte aber, dass die Narren kämpfen müssten, um die Unterstützer zu halten. Durch die Corona-Krise werde sich diese Situation vermutlich noch verschärfen. Darum sei es wichtig, weitere Werbepartner zu finden und die „Marke Lörracher Fasnacht“ zu etablieren.

Insgesamt hat die Narrengilde für die Fasnacht 2020 237 674 Euro ausgegeben und 227 582 Euro eingenommen. Die Kosten sind in den vergangenen Jahren laut Roßkopf zwar immer weiter gestiegen, gleichzeitig gelang es, auch die Unterstützung durch Sponsoren sukzessive deutlich zu erhöhen. Bei den vom Obergildenmeister präsentierten Netto-Aufwänden (insgesamt 123 308 Euro) stachen vor allem die Gugge-Explosion (22 235 Euro), Ausgaben für die Sicherheit (26 746 Euro) und Infrastruktur (34 776 Euro) sowie der Sonntagsumzug (14 845 Euro) hervor.

 15 715 Euro für Social Media

Für Social Media gab die Gilde weitere 15 715 Euro aus. „Das ist ein großer Betrag, aber gut investiertes Geld in die Zukunft“, sagte Roßkopf. Das Geld wurde vor allem für einen Film über die Lörracher Fasnacht verwendet und um Eindrücke des Brauchtums via Internet in der ganzen Welt zugänglich zu machen. Für diesen Live-Stream entstanden zwar Ausgaben von knapp 10 800 Euro, gleichzeitig konnten auch Werbeeinnahmen von fast 4000 Euro generiert werden, weitere knapp 2000 Euro wurden durch Social-Media-Werbung eingenommen.

Auch Veranstaltungen im Burghof wie der Kinderball oder die Glunggi-Arena können laut Roßkopf nur durch entsprechende Sponsoren mit einer schwarzen Null durchgeführt werden. Saalveranstaltungen aus Spargründen abzusagen mache jedoch wenig Sinn, da dann die meist zweckgebundenen Spenden und Sponsorengelder ebenfalls wegfielen.

Fasnacht „kein Museum“

Mit Blick auf die Zukunft sagte Roßkopf: „Wir werden langfristig mehr Unterstützung brauchen, aber wir bieten auch nicht nur eine Party für junge Leute, die Fasnacht kommt vielen Menschen zu gute.“ Die Lörracher Fasnacht wolle zudem „niemanden ausschließen“ und offen für alle sein. Gleichwohl sei sie „kein Museum“, sondern die Inhalte entwickelten sich ständig weiter. Roßkopf: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

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