Lörrach Jeder kann sich gegen Diskriminierung stellen

Die Lörracher Delegation in Gurs Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Lörrach. 6504 Juden aus Baden und der Pfalz wurden am 22. Oktober 1940 ins französische Zwischenlager Gurs deportiert. An der jährlichen Gedenkfahrt Ende Oktober wurde die Erinnerung an die Deportation aufrechterhalten, Geschichtswissen vermittelt und der Opfer gedacht. Anlässlich des Jahrestages der Deportation fand an der Hellbergschule ein Zeitzeugengespräch für Schüler mit der Gurs-Überlebenden Margot Wicki-Schwarzschild statt.

In ihrem Vortrag zeigte die 88-Jährige Fotos ihrer Kindheit in Kaiserslautern, berichtete vom Rassismus, den sie und ihre Familie erleben mussten und von dem Morgen, als die Gestapo vor der Tür stand und die Familie ins Lager Gurs deportiert wurde.

Wicki-Schwarzschild schilderte das Leben im Lager, von den engen und schmutzigen Verhältnissen in den Baracken, vom Hunger und der ständigen Angst und Ungewissheit. Zudem berichtete sie, was sie als Kind erleben musste, und wie wichtig Lichtblicke für sie waren: mutige Menschen, die ihnen geholfen haben, die Zivilcourage gezeigt haben und sich engagiert dafür einsetzten, dass ihre Not gemildert und sie schließlich überleben konnten.

Aufgrund der katholischen Herkunft ihrer Mutter, dies bewies ein Foto ihrer Kommunion, wurde sie mit ihren beiden Töchtern durch den Einsatz einer Schwester des Schweizer Roten Kreuzes vom Lagerkommandanten freigelassen. Der jüdische Vater konnte nicht gerettet werden: Er wurde weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Wicki-Schwarzschild gab den jungen Menschen mit auf den Weg, dass jede und jeder sich einsetzen kann für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung, dass sie sich trauen sollen Zivilcourage zu zeigen, wenn Menschen angefeindet werden.

Die Lehrer hatten das Thema vorab mit den Schülern besprochen und werden das eindrückliche Erlebnis des Zeitzeugengesprächs im Unterricht nachbereiten.

Gedenkfahrt nach Gurs

Am 27. und 28. Oktober fand die jährliche Gedenkfahrt der badischen, rheinpfälzischen und saarländischen Städte und Gemeinden der AG Gurs statt. Dieses Jahr konnten aus Lörrach mit Jessica Schweizer und Magdalena Rogac zwei Schülerinnen der Hellbergschule daran teilnehmen, ebenso Stadtrat Günter Schlecht und Fachbereichsleiter Lars Frick. Das Programm umfasste eine gemeinsame französisch-deutsche Gedenkfeier, die Besichtigung des ehemaligen Lagergeländes mit Friedhof und ein Zeitzeugengespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Hans Flor. „Im direkten Gespräch mit dem Zeitzeugen Hans Flor wurden mir die Schrecken der Deportation sehr eindrücklich vermittelt. Die Dimension des Lagers war mir im Vorhinein gar nicht so bewusst. Es bleibt weiterhin wichtig, dass wir junge Menschen darin unterstützen, in Gurs vor Ort zu erleben, was mit den jüdischen Menschen aus Lörrach und anderswo geschehen ist“, fasst Günter Schlecht seine Eindrücke zusammen.

Die Arbeitsgemeinschaft Gurs, besteht aus 17 badischen Städten und dem Bezirksverband Pfalz. Sie organisiert die jährliche Gedenkfahrt für jugendliche und erwachsene Vertreter der Städte, des Oberrates der Israelitischen Religionsgemeinschaft und der Jüdischen Kultusgemeinden.

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