Lörrach Jeder kleine Verzicht hilft

 Foto: Die Oberbadische

Lörrach - Nicht nur bei Alkohol oder Süßigkeiten kann gefastet werden. Die katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland bieten die Aktion Klimafasten an. „Das Projekt hat das Ziel, dass die Menschen offener gegenüber dem Klimaschutz werden“, erzählt Gisela Klein vom Café Kirche, das die Lörracher Klimafasten-Gruppe ins Leben gerufen hat.

„Das Café Kirche ist ein Teil von ’fairNETZt’. Dort gibt es eine Radiosendung, an der wir teilnehmen, dadurch haben wir andere Organisationen kennengelernt, die sich für die Reduzierung des CO2–Fußabdrucks einsetzen“, erklärt Prädikantin Klein im Gespräch.

Diese Bekanntschaft habe dazu geführt, auch etwas zum Klimaschutz beitragen zu wollen. Somit hat sie gemeinsam mit Café Kirche das Projekt Klimafasten in Lörrach auf die Beine gestellt.

Die deutschlandweite Aktion greift die Fastenzeit von sieben Wochen auf und lädt die Teilnehmer dazu ein, sich mit dem Klima zu befassen. Jede Woche gibt es ein anderes Thema, in diesem Jahr sind es Wasserfußabdruck, sparsames Heizen, vegetarische Ernährung, bewusst „Digital-Sein“, einfaches Leben, anders unterwegs und Neues wachsen lassen. „Das Hauptthema lautet ’So viel du brauchst...’ Das ist ein Vers aus der Bibel (2. Mose 16, 11-18)“, erklärt Klein. Dieser solle den Teilnehmern vor Augen führen, dass man nur mit dem Nötigsten überleben und auf viele Sachen verzichten kann.

Klein hat eine Gruppe organisiert, die sich jede Woche trifft, um die wöchentlichen Themen zu besprechen und die dazu gemachten Erfahrungen zu teilen.

Sie selbst hatte bislang keine Erfahrung mit Klimafasten und verzichtet zum ersten Mal. Entsprechend groß war die Veränderung: „Die erste Woche befasst sich mit dem Wasserfußabdruck und hat mir gezeigt, wie viel Wasser ich verbrauche und für mich verbraucht wird.“ Das Ergebnis habe sie geschockt.

Jeder Deutsche konsumiert laut Klein etwa 120 Liter Trinkwasser pro Tag. Annette Bender von der Klimafasten-Gruppe verwendet daher das von ihr gesammelte Wasser wieder, zum Beispiel, um ihre Pflanzen zu gießen. Es gibt aber auch das virtuelle Wasser, dessen täglicher Fußabdruck 3900 Liter beträgt. Dies sei das Wasser, das verbraucht wird, um die Produktion von Tomaten, Fleisch, T-Shirts oder Kaffee zu ermöglichen. Beispielsweise werden für ein Kilo Tomaten 200 Liter verbraucht, für ein T-Shirt sogar 4100 Liter und für eine kleine Tasse Kaffee 130 Liter.

Klein ist entsetzt, wie stark wir auf Kosten anderer leben: „Nehmen wir als Beispiel Spanien, ein sehr trockenes Land. Die Tomaten dort werden extra für mich bewässert, und die Menschen und Flüsse bleiben dann ohne Wasser, weil es ihnen meinetwegen weggenommen wird.“ Sie findet es daher sehr wichtig, ihren Lebensstil zu ändern und zumindest ein wenig eingeschränkter zu leben: „Du kommst nicht zu kurz, wenn du auf etwas verzichtest.“

Bernd Rosin, ein weiterer Teilnehmer, findet es ebenfalls erschreckend, wie viel Wasser für Fleisch und Kaffee benötigt wird: „Das wird nicht nur verbraucht, es wird auch noch durch Schadstoffe verschmutzt, weshalb es dann kein reines Wasser mehr ist“, beklagt er beim Online-Treffen der Gruppe.

Trotz der erschreckenden Zahlen haben alle Teilnehmer verschiedene Lösungsansätze beim Einkauf entwickelt. Regine Ounas-Kräusel findet, dass der Wasserverbrauch kein Problem sei, solange man es sauber durch den Kauf von biologischen Lebensmitteln zurückgebe.

Dieser Ansicht ist auch Hannah Merz: „Biologisch ist gut, aber man sollte auch beachten, dass die Produkte lokal sind.“ Karin Neyenhuis ergänzt, dass es zudem wichtig sei, sich der Natur und den Jahreszeiten anzupassen, was wann gegessen werde – Stichwort „saisonal“.

Merz, die bei der Nähwerkstatt in Lörrach tätig ist, achtet beim Kleiderkauf auf die Herkunft und empfiehlt, sich grundsätzlich im Vorfeld über die Arbeitsbedingungen bei der Produktion zu erkundigen.

Am besten sei es, darauf zu achten, ob man das Produkt wirklich braucht. Ounas-Kräusel bestätigt: „Man kann den Wasserverbrauch reduzieren, indem man die gekaufte Kleidung länger behält, statt immer etwas Neues zu kaufen.“

Zusammengefasst lasse sich Wasser grundsätzlich durch verschiedenste Verhaltensweisen sparen, beispielsweise, indem man regional einkauft, das Wasser sammelt, Kleidung länger behält, das Wasser abstellt oder auch Plastik spart. „Ein kleiner Beitrag kann schon viel verändern“, finden die Teilnehmer der Klimafasten-Gruppe und sind sich sicher: „Der bewusste Konsum ist der richtige Weg.“   Mehr Informationen unter www.klimafasten.de

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