Lörrach Junge Unternehmen meistern Dauer-Corona-Modus

Marco Fraune

Lörrach. Den Start in die Selbstständigkeit hatten sich die jungen Unternehmerinnen und Unternehmer anders vorgestellt. Mit den Corona-Wellen ändern sich seit Beginn die Rahmenbedingungen. Zuversicht und Hoffnung sind in den Gesprächen mit unserer Zeitung aber spürbar.

Teilweise wurde bei Null angefangen, in anderen Fällen ein Unternehmen übernommen und in einem Fall ein Franchise-Modell gewählt. Diese jungen Verantwortlichen aus der Lörracher Innenstadt haben gemeinsam: Sie bieten der Pandemie die Stirn.

Koli Accessoires

Koli Accessoires
Koli Accessoires

Dajana Kovac und Franziska Link hatten sich im Frühjahr 2020 um die Übernahme von Kaltenbach Accessoires an der Teichstraße beworben, erhielten dann zum 1. Juli 2021 auch den Zuschlag. „Es war das, was wir immer machen wollten.“ Viel Handgemachtes, nachhaltige Sachen, etwas Außergewöhnliches bieten sie seitdem an. Da es viele Unikate sind, stelle das Internet auch keine Konkurrenz dar. Es wird als zusätzlicher Vertriebskanal genutzt, wobei dem Duo noch die Reichweite fehlt.

Im Sommer ging es mit dem Vor-Ort-Geschäft gut los, im Winter folgte die Corona-Welle. Es fehlt die Frequenz in der Stadt, bemerkt Kovac. In diesem Monat hält sie sich mit Corona-Hilfen über Wasser, das Weihnachtsgeschäft war „so la la“. „Es ist schwer.“ Dennoch gibt sie sich optimistisch. „Irgendwann müssen die Leute wieder anfangen zu leben. Und wichtig ist, dass die Innenstadt nicht ausstirbt.“

Das Damenmodengeschäft

Das Damenmodengeschäft

Im Spätsommer 2019 hatte Zuzanna Szutenberg für das Schuhgeschäft Sohle Mio Lörrach schon Gespräche hinsichtlich der Übernahme geführt – deutlich vor der Corona-Krise. Am 7. März 2020 ging es los, am 16. März folgte der erste Lockdown. Kurzfristig musste die Jung-Unternehmerin einen Online-Store selbst aufbauen. Auch Facebook wird bespielt. Doch: „Online ist ein wichtiges Vorstöber-Fenster.“ Vielmehr setzt sie auf Vor-Ort-Beratung und -Verkauf, auch für die Mode aus ihrem eigenen Label.

Nachdem Szutenberg während des Lockdowns immer wieder das Schaufenster umdekoriert hatte, mit staatlicher Hilfe und Kurzarbeitsgeld gerade die Kosten deckte, folgte in den Sommermonaten ein entspannter Geschäftsbetrieb. Nun ist wieder deutlich mehr Ruhe. „Man muss sich viel einfallen lassen, um die Kundschaft ins Geschäft zu bekommen.“ Doch dafür müsse die Stadt frequentiert sein. „Je länger es sich mit Corona zieht, desto schwieriger wird es.“ Die Zukunft sei ungewiss, doch man müsse kreativ sein.

Der Unverpacktladen

Das „Schüttwerk“ haben Alexandra Thiel und Evelyne Liebert am 8. Oktober 2020 eröffnet. „Damals fand noch Bummeln statt.“ Mit der Zunahme der Corona-Verschärfungen nahm die Frequenz an der Tumringer Straße auch für den Unverpackt-Laden ab. Da sich dieser auf trocken zu lagernde Lebensmittel fokussiert hat, muss lediglich bei der Milch und den Eiern zwei Mal in der Woche die Warenbestellung entsprechend justiert werden. „So hangeln wir uns durch“, erzählt Liebert.

Wirtschaftlich wurde mit dem Gründer-Zuschuss gestartet, nun wird darauf gehofft, weiter Fahrt aufzunehmen. „Man muss einen längeren Atem haben – und durchhalten bis sich das Konzept durchsetzt“, hofft sie zugleich auf ein erfolgreiches Pionier-Dasein. Es sei einfach ein anderes Einkaufen, ein geplanteres. „Wir sind nicht nur ein Geschäft für junge hippe Menschen, sondern haben ein breites Spektrum von Jung bis Alt, die bedarfsgerecht einkaufen.“

Das Juweliergeschäft

Samantha Fazio ist seit Januar 2020 Inhaberin des Juweliergeschäfts Stefan Müller. Sie sieht ein insgesamt positives Fazit. Zwar hätte sich die Jung-Unternehmerin andere Rahmenbedingungen in der und durch die Stadt gewünscht, doch: „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir tolle Stammkunden haben und einen nicht so großen Laufkundschaft-Anteil.“ Bei Trauringen und hochwertigen Geschenken würden sich die Leute auch gut vorbereiten.

Die zurückliegende Zeit sei genutzt worden, um eine junge Produkt-Linie einzubeziehen, Neukunden zu akquirieren. Schmuck sei auch als Wertanlage gekauft worden. Mit dem Weihnachtsgeschäft sei man zudem nicht unzufrieden gewesen. Angesichts von Hochzeitsterminen wie der 2.2.22 oder der 22.2.22 blickt Fazio optimistisch voraus. „Die Ringe bilden einen höheren Invest und die Feier wird etwas kleiner.“

Der Franchise-Nehmer

Kelly Hupfer und Jonas Kutzborski haben am 14. Mai ihr Fachgeschäft „Vom Fass“ eröffnet. Beim Blick auf den Alten Markt wird deutlich: Auch hier fehlt es aktuell an Frequenz. Zwar handele es sich um ein Lebensmittelgeschäft, doch viele wüssten nicht, dass sie ohne Kontrolle rein dürfen, berichtet Kutzborski. Mit dem Franchise-Konzept sei es einfacher, da man von anderen Partnern profitiere und sich im Austausch befinde.

Wie sich die Pandemie auf das Geschäft auswirkt? Das wisse man nicht, es herrsche ja ein Dauer-Corona-Modus. „Wir sind aber für die aktuelle Zeit zufrieden, wie es gestartet ist.“ Man habe ja gewusst, dass Corona ist. Bisher sei es gut angelaufen. „Wir können positiv nach vorne blicken.“

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