Das Gelände der Textilfirma KBC ist an zwei Schweizer Investoren verkauft. Zudem verdichten sich die Anzeichen, dass KBC weite Teile der Produktion spätestens zum Jahresende in Lörrach aufgibt und nur noch ein kleiner Teil der Arbeitsplätze erhalten bleibt.

Von   Guido   Neidinger           und   Bernhard Konrad

Lörrach. Fakt ist: Nach dem Verkauf der Firma KBC an den italienischen Konzern „Imprima Spa“, der zur „Wise sgr“ gehört (wir berichteten), hat der frühere Eigentümer Claas E. Daun jetzt auch die Immobilie mit rund 80 000 Quadratmetern Fläche verkauft. Diese Information bestätigte Oberbürgermeister Jörg Lutz gestern auf Anfrage. Bei den Käufern soll es sich um zwei finanziell sehr potente Schweizer Investoren handeln. Die KBC ist weiterhin Mieterin.

Keine Angaben zum Verkauf des innenstadtnahen Geländes machte die Immobilienfirma Dauns, die „CD Immobilien und Beteiligungs GmbH“. Schriftlich teilte das Rasteder Unternehmen unserer Zeitung mit: „Grundsätzlich möchten wir uns hierzu nicht äußern.“ Auf die Frage, ob die Immobilien-Pachtverträge mit der Firma KBC zum Jahresende 2018 auslaufen, hieß es lediglich: „Der Mietvertrag hat eine längere Laufzeit, als die von Ihnen angegebene.“

KBC gibt wohl große Teile der Produktion auf

Gerüchte, dass die KBC-Stoff-Produktion oder große Teile davon nach Italien verlagert werden könnte, gibt es seit Langem. KBC-Geschäftsführer Henri Rowienski hat das im Gespräch mit unserer Zeitung bereits im Juli vergangenen Jahres nicht ausgeschlossen. Er bestätigte, dass die Konzernmutter Imprima zwischen Como und dem Flughafen Mailand-Malpensa den Aufbau einer großen Plattform für Textildruck plane. Offenbar will Imprima nach dem Kauf des Stoffdruckunternehmens Guarisco und weiterer Zukäufe hier eine zentrale Produktionsstätte des Konzerns aufbauen.

Diese Anzeichen verdichten sich immer mehr – auch in der KBC-Belegschaft. Nach Aussagen von Mitarbeitern sollen bereits mehrere Aufträge von Lörrach nach Italien umgeleitet worden sein. Bestätigt ist das allerdings nicht.

Außerdem, so heißt es aus Belegschaftskreisen, werde nicht mehr in die Neuanschaffung defekter Maschinen investiert. Auch dafür gibt es keine Bestätigung von der KBC-Geschäftsführung. Ebenso wenig für die Behauptung, dass der Rotationsdruck bei der KBC weitgehend oder vollumfänglich stillgelegt werde – einst das Rückgrat des Unternehmens.

Diesbezügliche Anfragen unserer Zeitung an die KBC-Geschäftsführung blieben bislang unbeantwortet. Vom Sekretariat Rowienskis wurde nur knapp mitgeteilt: „Auf Ihre Anfrage hin möchte ich Ihnen ausrichten lassen, dass Sie sicherlich dafür Verständnis aufbringen müssen, dass wir unseren Mitarbeitern Informationen direkt, und nicht über die Presse zukommen lassen.“ Inzwischen wurden die Mitarbeiter offenbar zumindest ansatzweise über die negativen Entwicklungen informiert.

Gewinnmaximierung steht im Vordergrund

Dass die Produktion von KBC in Lörrach auf wackligen Füßen steht, das deutete Rowienski schon im vergangenen Jahr an. Während Claas E. Daun „stets sehr zufrieden“ mit den Geschäftsergebnissen gewesen sei, stehe in der heutigen Situation die Gewinnmaximierung im Vordergrund. Diese Worte können auch so zu verstehen sein: Die KBC arbeitet zwar profitabel, doch die Gewinnmargen reichen der italienischen Konzernmutter Imprima nicht.

Ein Beleg dafür könnten die im KBC-Geschäftsbericht für 2016 ausgewiesenen Zahlen sein. Danach erwirtschaftete die KBC einen Gewinn in Höhe von 3,9 Millionen Euro bei einem eher schwachen Umsatz in Höhe von 56 Millionen Euro. Ob das für 2017 erhoffte bessere Geschäftsergebnis jetzt tatsächlich in den Büchern steht, ist nicht bekannt. Mitarbeiter bezweifeln dies.

Denkbar ist, dass Verkauf, Kreativität, Musterung und die Segeltuchherstellung in Lörrach verbleiben. Kenner des Unternehmens sprechen von 80 der derzeit 380 Arbeitsplätze, die in Lörrach erhalten werden könnten. Zum Vergleich: Das im Jahr 1752 gegründete Unternehmen beschäftigte 1994 noch gut 4000 Mitarbeiter. Verschwindet das Traditionsunternehmen vielleicht noch in diesem Jahr weitgehend aus Lörrach, stellt sich die Frage: Wie geht es weiter auf dem Firmengelände?

Als die KBC um die Jahrtausendwende in einer existenzbedrohenden Krise steckte und von der Daun-Gruppe übernommen wurde, kaufte die Stadt Lörrach ein Drittel des Geländes und siedelte im sogenannten Innocel-Quartier zahlreiche Firmen an.

Stadt konnte das Areal nicht kaufen – zu teuer

Das wird jetzt so nicht möglich sein. Die Stadt hätte das Gelände zwar erwerben können, konnte die enorme Kaufsumme aber nicht stemmen.

Im Raum steht ein Betrag von 28 Millionen Euro. „Nach reiflicher Überlegung haben wir uns aus wirtschaftlichen Gründen entschlossen, davon Abstand zu nehmen“, betonte Lutz auf Anfrage. Was die privaten Investoren mit dem Gelände vorhaben, ist auch Lutz nicht bekannt. Allerdings sieht er die Gefahr einer für die Stadt fatalen Fehlentwicklung nicht.

Auf dem Areal gilt ein qualifizierter Bebauungsplan. Das bedeutet laut Lutz, „dass genau festgelegt ist, was möglich ist“. So könnte sich beispielsweise kein Logistikunternehmen ansiedeln. Hinter eine wirtschaftliche Vermarktung des Geländes setzt Lutz „viele Fragezeichen“. In Gesprächen mit den Investoren hat Lutz den Eindruck gewonnen, „dass sie seriöse Absichten haben und das Gelände nicht zum Spekulationsobjekt werden soll“.