Lörrach Kein Schüler darf verloren gehen

Wollen Schulschwänzern eine neue Chance bieten (v.l.): Beatrice Kaltenbach-Holzmann, Sylvia Pausch, Jan Funke, Bernd Schandera (Geschäftsführung Kaltenbach-Stiftung), Rudolf Schick, Tilmann Rieder, seine Nachfolgerin als Leiterin des EDF-Arbeitskreises Gerlinde Gunnemann, Hans-Joachim Friedemann und Renate Peter. Foto: Gabriele Hauger

Lörrach - Schulabstinenz ist keine Krankheit, sondern hat viele Ursachen, sagt Schulamtsleiter Hans-Joachim Friedemann. Diese sollten möglichst früh angegangen werden, um auch Schulverweigerern Chancen auf Zukunft und Beruf zu ermöglichen. Darum haben sich Schulamt, der Europäische Sozialfonds ESF, der Landkreis und die Kaltenbach-Stiftung für das Projekt „Fit für Schule“ zusammengetan.

Dieses ist Anfang des Jahres in den Räumen der Kaltenbach-Stiftung gestartet und will Kinder mit extremen Fehlzeiten in den geregelten Schulablauf reintegrieren.

Beim Pressegespräch stellten die Beteiligten das neue Projekt vor, dessen Laufzeit zunächst auf ein Jahr begrenzt ist – Verlängerung wahrscheinlich. Maximal zehn Kinder der Klassenstufen 7 bis 10 werden innerhalb eines Jahres von drei Lehrern und drei Sozialpädagogen mit unterschiedlichen Deputaten über zwölf bis 18 Wochen begleitet mit dem Ziel, dass sie anschließend in ihrer Stammschule wieder Fuß fassen und so später nicht für den Arbeitsmarkt verloren gehen.

Dazu müsse man möglichst früh ansetzen, und schon ab der Grundschule Lehrer, Schulleiter sowie Schulpsychologen für solche Fälle sensibilisieren, so Friedemann. Wenn Kinder häufig in der Schule fehlen, habe das viele Ursachen, beispielsweise soziale oder Freundeskreis- und Familienkonstellationen. „Wir wollen diese Kinder auffangen“, sagt er und ist von den Örtlichkeiten in der Kaltenbach-Stiftung begeistert. Hier können die Schüler im Ganztagsbetrieb lernen, an Coachinggesprächen teilnehmen, werken, mit Tieren arbeiten, selbst kochen und wieder Zutrauen zu sich selbst und ihren Fähigkeiten fassen.

„Kein Schüler darf verloren gehen“, ergänzt Rudolf Schick vom Schulamt, der das Projekt federführend begleitet. „Wir haben diese Verpflichtung gegenüber den Schülern und gegenüber der Gesellschaft.“

Schulverweigerer unterteilt er in die klassischen Schulschwänzer, in Schüler mit Schul- und Trennungsphobie von den Eltern sowie in Schüler, die von ihren Familien oder Freunden aktiv am Schulbesuch ferngehalten werden. „Und diese Fälle nehmen leider zu“, ergänzt er.

Die Rückschulung bleibt Ziel des Projekts. Die pädagogische Leitung haben Sylvia Pausch, Tamara Schweiger und Renate Peter. Nach der Meldung des Bedarfs von der Stammschule oder der Jugendhilfe gibt es zunächst ein Aufnahmegespräch mit Lehrern, Eltern und Schülern. Dann wird sofort begonnen. Es gelte herauszufinden, wo das Kind im Verhältnis zum Stoff seiner Klassenstufe stehe. „Zudem muss ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Sonst geht gar nichts“, weiß Renate Peter. „Wir suchen nach Angeboten, um das Selbstwertgefühl der betroffenen Schüler wieder zu steigern“, ergänzt Jan Funke, Leiter der Sozialarbeit. „Im Team werden mit dem Schüler Ziele entwickelt, neben Wissen auch lebenspraktische Inhalte vermittelt, Stärken herausgearbeitet, motiviert“, erklärt Funke. Durch die kleinen Klassen kann zudem intensive Einzelarbeit geleistet werden. Sollte die auf maximal 18 Wochen anvisierte Kurszeit nicht reichen, kann flexibel verlängert werden. Außerdem gibt es eine intensive Nachbetreuung, ergänzt Sylvia Pausch. Als positives Beispiel zitiert sie eine Schülerin, die die Rückkehr in ihre Regelklasse geschafft hat: „Ich habe mich sehr positiv verändert.“

„Wir möchten den Kindern rechtzeitig helfen“, erklärt Beatrice Kaltenbach-Holzmann von der Stiftung. Mit den Möglichkeiten auf dem Gelände bestünden tolle Möglichkeiten. „Die werden hier wieder geerdet und fühlen sich wohl. Das ist ein tolles Projekt, das bestens zu unserem Profil passt.“

Mit 100 000 Euro wurde die Anschubfinanzierung für das Projekt vom Europäischen Sozialfonds ermöglicht. Das Schulamt ist über die Bereitstellung des Lehrpersonals mit 120 000 Euro und der Landkreis mit einer Summe von 22 000 Euro beteiligt.

Aufgeregte Zeiten erfordern seriöse und umfassende Informationen und deren Einordnung! Jetzt HIER anfordern.

Umfrage

npwi_wb_arbeitsplatz_161113.jpg

Die Diskussion um ein Ausstiegsszenario aus dem Lockdown wird immer lauter. Insbesondere die Wirtschaft will bald wieder zur Normalität zurückkehren. Rechnen Sie mit mit einer baldigen Besserung der wirtschaftlichen Lage nach der Pandemie?

Ergebnis anzeigen
loading