Lörrach Klangfülle in der Stadtkirche

Die Oberbadische
Brillantes Trio: Susanne Hagen, Herbert Deininger und Brigitte Schnabel (v.l.) Foto: Tonio Paßlick

„Die Kirche ist 200 Jahre alt, der Turm schon 500 Jahre“, begrüßte Pfarrerin Gudrun Mauvais die zahlreichen Besucher der beiden Konzerte am Sonntag in der Stadtkirche Lörrach. Um weitere Mittel für Sanierungen zu „erspielen“, haben die Matthäus-Gemeinde und Bezirkskantor Herbert Deininger Musiker gefunden, die am Wochenende eine Reihe anspruchsvoller Benefizkonzerte eingeleitet haben.

Tonio Paßlick

Lörrach. Den Anfang dieser Reihe unter dem Titel „Klangraum Kirche“ gestalteten neben dem versierten Organisten Herbert Deininger die Solistinnen Brigitte Schnabel (Violine) und Susanne Hagen (Sopran).

Mit Johann Sebastian Bachs „Präludium und Fuge C-Dur (BWV 547) “ ließ Herbert Deininger die Klangfülle der Königin der Instrumente erstrahlen. Prächtige Spannungsbögen über wiederkehrenden und sich spiegelnden Motiven, meisterlich komponiert in dichtverschlungener Tonarten-Architektur, dazu raffinierte Kontrapunkte und Kadenzen: für diesen Gipfel der klassischen Orgel-Kunst erfordert es einen virtuosen Interpreten wie den Lörracher Bezirkskantor.

Im Programm folgte eine geschickte Umarmung: die beiden Arien von Georg Friedrich Händel aus den „Neun deutschen Arien für Sopran, Violine und Basso Continuo“ umrahmten die „Pastorale op 48B“ des Spätromantikers Sigfrid Karg-Elert für Orgel und Violine. Alle drei Werke sind Kompositionen des stilistischen Übergangs.

In „Singe, Seele, Gott zum Preise“ (HWV 206) mit den Worten „wenn er Bäum’ und Feld beblümet“ beschreibt der Text eine ländliche Szene. Sowohl die Texte als auch Händels Vertonung stehen dabei an der Wende vom Geist des Barocks zur Aufklärung. Mal heiter-fröhlich, mal innig-kontemplativ wird das Gotteslob aus der Erkenntnis der Schönheit der Natur gezogen. Wie gemalt für das weiche Timbre der Sopranistin Susanne Hagen, die auch bis in die höchsten Töne hinein deutlich und verständlich artikulierte, während auch Brigitte Schnabel mit ihrer Violine wie eine gesangliche Partnerin Melodien aufnahm, um dann wieder im leisen Echo zurückzustehen. So wird die Wellenbewegung in „Das zitternde Glänzen“ (HWV 203) durch die lebhafte, hin und her „perlende“ Sechzehntelbewegung in beiden Oberstimmen nachgeahmt: eine hinreißend schöne Händel-Interpretation.

Unwillkürlich denkt man bei Karg-Elerts Duett für Violine und Orgel wiederum an impressionistische Gemälde. Brigitte Schnabel tupfte die Klänge über einem profunden, aber nicht aufdringlichen Bass, wechselte in spätromantischer Manier in melodische und wieder auflösende Klanglinien. Wie in der Kunst waren die Komponisten um 1900 unabhängig voneinander in vielen Ländern auf der Suche nach einer neuen Tonsprache durch impressionistische und später expressionistisch gefärbte Klang-Gestaltungen: durch die Überwindung der Tonalität einem klanglich verwobenen Nachzeichnen seelischer Empfindungen.

Der schwedische Komponist Otto Olsson experimentierte zum Beispiel mit einer profunden Polytonalität, dessen Romance op 24 für Orgel und Violine durchaus spätromantische Züge aufwies. Elegisch formulierte mystische Klängen drehen sich in Schlaufen und Kreisen um ein Grundmotiv und werden in zarten lyrischen Phrasen wieder aufgelöst. Brigitte Schnabel bewies eine souveräne Meisterschaft, dunkle und helle Farben mit einem sehr variablen Bogenstrich zu gestalten.

Zeitgenössische Orgel-Komponisten wie der Leverkusener Hans-André Stamm nutzen die vielen neuen Strömungen und beziehen gleichzeitig klassische Muster ein. Stamm lockert das grundsätzlich statische Klangbild der Orgel durch tänzerische Rhythmen auf und bezieht Elemente aus verschiedenen Kulturen ein. So in seiner „Berceuse Le Jardin d’Esclarmonde“ und noch deutlicher in der abschließenden „Toccata alla celtica“. Hier konnten Violine und Orgel ihrer Spielfreude nachkommen, die gleichzeitig einen einprägsamen erzählenden Charakter in immer neuen Variationen ermöglichte.

Wie eine musikalische Klammer erklang Mozarts „Laudate Dominum KV 339“ für Sopran, Violine und Orgel und als Zugabe die bezaubernd eingängige Melodie von César Francks „Panis angelicus“ in der längeren Konzertversion am Nachmittag.

Als Matinee hatten die drei Ton-Künstler bereits am Morgen eine verkürzte Fassung des Konzertes gegeben. Beide Konzerte waren gerade in ihrer dramatischen Abfolge mit den spannenden spätromantischen Werken ein Hochgenuss für das dankbar applaudierende Publikum.

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