Lörrach Kleine Stadt, große Dynamik

Lörrach - Unter dem Motto „Wo Neues entsteht...“ führte eine Stadtrundfahrt mit Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic am Montag im Rahmen des städtischen Seniorensommers zu aktuellen und anstehenden Großbauprojekten.

„Lörrach ist eine verhältnismäßig kleine Stadt mit einer enormen Dynamik, wie sie bundesweit nicht oft zu finden ist“, betonte Monika Neuhöfer-Avdic gleich zu Beginn der knapp zweistündigen, ausgebuchten Bustour mit 50 Senioren und der städtischen Seniorenbeauftragten Ute Hammler.

Teichmatten-Quartier

Vom „Stiefkind“ zum „Vorzeigequartier“: So lässt sich laut Neuhöfer-Avdic die Entwicklung des Tumringer Quartiers Teichmatten seit Ende der 90er Jahre am besten beschreiben. Denn die Wohnbau Lörrach hat seither viele Millionen in die Sanierung und Aufstockung des Wohnraums (statt 180 wird es bald 270 Wohnungen geben) sowie die Nahversorgung investiert, wie Geschäftsführer Thomas Nostadt vor Ort skizzierte.

So entstand allein im zweiten Bauabschnitt für 14 Millionen Euro ein neuer Gebäudekomplex mit 50 Wohnungen – Kaltmiete ab sechs Euro pro Quadratmeter. Im Erdgeschoss zogen ein Bio-Supermarkt und eine Bäckerei mit Café ein. „Das war wie ein Sechser im Lotto“, sagte Nostadt. Das Café habe sich zu einem wichtigen Treffpunkt entwickelt und sorge für Leben im Quartier. Der Wohnbau-Geschäftsführer betonte außerdem: „Wir können es uns schon längst nicht mehr leisten, nur einen Einkaufsmarkt mit Parkplatz in solch einer Lage zu bauen, da gehören immer auch Wohnungen oben drauf.“

Nun steht mit der Reaktivierung der Traditionsgastronomie „Mättle“ und zweier Neubauten mit 15 Wohnungen sowie einer Zahnarztpraxis mit Klinkerfassade der Abschluss der Quartiersanierung an. „Nächstes Jahr ist alles fertig“, versprach Nostadt.

Das “LÖ“

Dieser Zeitplan gilt auch fast für das „LÖ“. Während die Geschäfte in den unteren beiden Stockwerken des künftigen Wohn- und Geschäftshauses auf dem Postareal zum Weihnachtsgeschäft 2020 eröffnen sollen, werden die 60 Wohnungen in den drei Stockwerken darüber, die von der Wohnbau als Generalmieter betrieben werden, laut Neuhöfer-Avdic im Frühjahr 2021 bezugsfertig. Diese seien gerade für ältere Menschen interessant, die es verstärkt in die Innenstadt ziehe.

Areal Conrad und Parken

Aktuell stehen auf der Fläche neben der Agentur für Arbeit noch knapp 400 Parkplätze zur Verfügung, Ende September werden diese laut Neuhöfer-Avdic wegfallen. Dann entstehen hier 120 Wohnungen der Wohnbau, zwei Wohngruppen für Demenzkranke und der Erweiterungsbau des Landratsamtes. Für die vor allem von Pendlern genutzten Parkflächen werden zwar einige Ersatzplätze – unter anderem am Bahnhof Haagen – entstehen, klar sei aber: „So zentrumsnah und gleichzeitig günstig parken, wird nicht mehr möglich sein.“

Insgesamt werde die Zahl der günstigen Stellplätze in der Stadt „kontinuierlich verringert“, das Verhältnis für Kunden der Einkaufsstadt sei aber mit rund 1800 Parkplätzen – überwiegend in Tiefgaragen und damit teurer – jedoch noch immer so gut wie bei Einkaufsmärkten auf der grünen Wiese.

Angesichts der immer knapperen und damit wertvolleren, oberirdischen Flächen müsse bei der Mobilität jedoch nach Alternativen gesucht werden, betonte Neuhöfer-Avdic und verwies auf das zum Monatsbeginn eingeführten „Ein-Euro-Ticket“, für das die Tour-Teilnehmer lautstark Applaus spendeten.

Brombach

Als „sehr dynamischen Ortsteil“ bezeichnete die Bürgermeisterin Brombach, wo noch in diesem Jahr die neue Sporthalle eingeweiht werden soll und sich nebenan das Schöpflin Areal im Umbruch befindet. Zudem steht mit „Bühl III“ ein weiteres Neubaugebiet in den Startlöchern. Hier starte bald der Planungswettbewerb, um die bislang sehr heterogene Bebauung im gleichen Stil zu erweitern.

Zentralklinikum

Das „Riesenprojekt“ Zentralklinikum schlummere derzeit noch, sagte Neuhöfer-Avdic, aber im kommenden Winter werde die Landstraße Richtung Steinen verlegt, damit im Sommer 2020 mit dem eigentlichen Bau begonnen werden kann. „Im kommenden Jahr geht’s hier richtig ab“, sagte Neuhöfer-Avdic. Bis zur geplanten Fertigstellung im Jahr 2025 soll für das Klinikum mit rund 2000 Mitarbeitern und 800 Betten ein neuer Anschluss an die B 317 und ein eigener S-Bahn-Halt entstehen.

Aichelepark

Aus Zeitgründen wurde der Aichelepark zwar nicht angefahren, doch auch dort wird aktuell an der eingerüsteten Villa gearbeitet, damit im kommenden Jahr unter anderem ein neues Café die Bürger in den Park lockt. Neuhöfer-Avdic hofft, dass „ein neuer Hotspot“ als südlicher Abschluss der Innenstadt entsteht und durch den neuen Betrieb automatisch auch eine „soziale Kontrolle“ erfolge.

Aktive Flächenpolitik

Im Zusammenhang mit dem Quelleareal in Haagen forderte die Bürgermeisterin eine aktivere Flächenpolitik: „Die Stadt kann zwar nicht jedes Gelände kaufen, aber wir müssen offensiver und bei wichtigen Flächen Eigentümer werden.“

Man dürfe die Stadtentwicklung nicht passiv verfolgen und diese privaten Investoren überlassen, sondern nach Möglichkeit als Verwaltung gute Ideen entwickeln und die Projekte mit dem Gemeinderat und den Bürgern aktiv in die Hand nehmen.

Grundstücke zum Höchstgebot

Bei der Fahrt durch das Neubaugebiet „Belist“, wo derzeit die ersten Gebäude entstehen, legte die Bürgermeisterin ihre Meinung zum Thema Verkauf nach Höchstgebot dar: „Wir haben lange überlegt, wie wir die Grundstücke anbieten und die Entscheidung des Gemeinderats war nicht unumstritten“, sagte Neuhöfer-Avdic. Indes sei eine Förderung für junge, kinderreiche Familien oder für Menschen mit geringerem Einkommen nur schwer gerecht zu gestalten. Einige wenige profitierten, viele andere gingen leer aus.

„Wenn, dann muss die Förderung an das Grundstück geknüpft sein, sonst kommt es schnell zu Ungerechtigkeiten, spätestens wenn das Haus verkauft und der Mehrwert abgeschöpft wird.“ Die Stadt arbeite hier aktuell an „gerechten Modellen für die Zukunft“.

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