Lörrach Klima-Frust im Umwelt-Ausschuss

SB-Import-Eidos
 Foto: Kristoff Meller

In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik (AUT) ist am Donnerstagabend der Energiebericht 2020 vorgestellt worden. Die Zahlen sind ernüchternd, die Stadträte frustriert.

Lörrach (bk). „Der Energieverbrauch stand 2020 unter dem Einfluss von Corona“, erklärten Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und Fachbereichsleiterin Britta Staub-Abt unisono mit Blick auf den jährlichen Bericht, der den aktuellen Energieverbrauch und die CO2-Emissionen für die städtischen Gebäude darstellt.

Diese Verzerrung der Bilanzen werde in den kommenden Jahren die Vergleiche erschweren.

Corona verzerrt Bilanz

„So gab es einerseits Einsparungen durch Gebäudeschließungen, wie etwa der Schulen und Kindergärten, andererseits aber einen Mehrverbrauch durch verstärktes Lüften in den wiedergeöffneten Schulen und Kindergärten. In der Summe gleichen sich diese Effekte weitgehend aus“, so Staub-Abt.

CO2-Emissionen gestiegen

Die „witterungsbereinigten“ CO2-Emissionen sind 2020 wieder auf den Stand von 2018 gestiegen.

Der größte Anteil des kommunalen Wärme- und Stromverbrauchs entfällt auf städtische Schulen und Kindergärten.

Sanierungsstau

Das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg hat die verbindlichen Klimaziele im Oktober 2021 um zehn Jahre auf 2040 vorgezogen. Um die neuen Zielvorgaben erfüllen zu können, müssen in kürzerer Zeit deutlich mehr kommunale Gebäude saniert werden als bisher (wir berichteten ausführlich).

Die sieben größten CO2-Emittenten sollten vorrangig energetisch saniert werden. Damit könnten rund 600 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart und die CO2-Emissionen der kommunalen Gebäude um 33 Prozent reduziert werden.

Gleichzeitig würden diese Maßnahmen rund 19 Prozent des Energieverbrauchs der kommunalen Gebäude einsparen. Die Energiekosten könnten damit um rund 145 000 Euro jährlich gesenkt werden.

Weitere Maßnahmen

Weitere Maßnahmen zur Erreichung der Klimaziele sind einerseits der Ausbau des Biogasbezugs von derzeit fünf auf 100 Prozent bis 2040 – dies wurde vom Gemeinderat bereits beschlossen – sowie die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. Als dritte Maßnahme sind Neubauten grundsätzlich als Plusenergiegebäude gemäß den Energiestandards der Stadt Lörrach zu errichten.

Die Fraktionen

„Wir haben den Klimanotstand ausgerufen, aber in den vergangenen zweieinhalb Jahren praktisch nichts erreicht“, sagte Stephan Berg (Grüne). Auch Christiane Cyperrek (SPD) bezeichnete die aktuellen Zahlen als „komplett ernüchternd“. Die Stadt müsse dringend mehr tun. Die Frage sei aber: „Wie? Und wo setzen wir den Hebel an?“, sagte Cyperrek wohl auch mit Blick auf die zahlreichen Aufgaben und (finanziellen) Herausforderungen der Kommune.

In diesem Zusammenhang wies Petra Höfler (CDU) auf die Schwierigkeit hin, dass die Stadt zwar ernsthaft versuche, den Energieverbrauch zu senken, die Kosten aber gleichzeitig weiter steigen.

Thomas Denzer (Freie Wähler) betonte angesichts der hohen Auflagen bei Sanierungsvorhaben abermals: „Weniger wäre mehr.“ Das heißt: Wären die energetischen Auflagen für Sanierungen weniger rigide, könne die Stadt mehr, schneller und effektiver sanieren, so Denzers Signal an die Politik.

Matthias Koesler (FDP) regte an, dort tätig zu werden, wo die Stadt kurzfristig Einfluss nehmen könne, etwa bei Leuchtmitteln in Schulen. Die Umrüstung auf LED-Leuchten spare bis zu 80 Prozent Energie.

Jürgen Exner (CDU) empfahl, die Entwicklung von Werkstoffen bei Bau- und Sanierungsprojekten zu berücksichtugen. So biete etwa der Verbundwerkstoff „Textilbeton“ interessante Möglichkeitem. Staub-Abt bestätigte, dass sich dieses Feld dynamisch entwickle. Die Stadt beobachte dies genau.

Neuhöfer-Avdic unterstützte den Vorschlag Koeslers, insbesondere auch dort rasch zu handeln, wo zeitnah Effekte erzielt werden könnten. Darüber hinaus gelte es, die Förderoptionen für Sanierungen bestmöglich auszuschöpfen.

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