Lörrach Klinikum darf nicht aufs Abstellgleis

 Foto: Kristoff Meller

Lörrach -  Das neue Zentralklinikum im Entenbad bei Hauingen soll im Jahr 2025 betriebsbereit sein. Der geplante Anschluss an die Regio-S-Bahn soll allerdings erst zehn Jahre später erfolgen: ein unhaltbarer und unter allen Umständen zu vermeidender Zustand. Das war der allgemeine Tenor am Donnerstagabend im Lörracher Hauptausschuss.

Für die Stadtverwaltung steht nach dem Ergebnis mehrerer Expertisen fest: Der provisorische S-Bahn- Anschluss des Zentralklinikums zu dessen Inbetriebnahme im Jahr 2025 ist nicht machbar. Die Begründungen stellte Johannes Schneider vom Eigenbetrieb Stadtwerke in der Sitzung vor.

Danach müsste mindestens eine, eher zwei S-Bahn-Haltestellen im Stadtgebiet wegfallen, um einen zusätzlichen Halt am Klinikum fahrplantechnisch hinzubekommen. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Deutsche Bahn und erklärt, dass der Fahrplan für die S-Bahn „auf Kante genäht“ ist. Denkbar wären laut Schneider – wenn überhaupt – der Wegfall oder teilweise Wegfall der Haltestellen Schwarzwaldstraße und Museum/Burghof.

Betrachtet man allerdings die von Schneider vorgelegten Zahlen der Ein- und Aussteiger, dann ist das wohl keine Option. Werktags steigen am Halt Museum Burghof durchnittlich 3433 Fahrgäste ein und aus, am Halt Schwarzwaldstraße sind es 2079. Nach dem Hauptbahnhof ist der Halt Museum/Burghof die meistfrequentierte der sieben S-Bahn-Haltestellen auf dem Lörracher Stadtgebiet. Zur Veranschaulichung: 2079 Fahrgäste entsprechen 52 Linienbussen, wenn alle 40 Sitzplätze belegt sind.

Für das neue Zentralklinikum werden von der Firma „Park-Konzepte“ 1362 Fahrgäste (Patienten/Beschäftigte/Besucher) für den öffentlichen Nahverkehr prognostiziert, wobei nicht zwischen Werktagen und Wochenende unterschieden wird.

Als Lösung bleibt nur der zweigleisige Ausbau der S-Bahn bis Schopfheim. Dieser Ausbau ist allerdings bis zum Jahr 2025 utopisch. Für Oberbürgermeister Jörg Lutz ist deshalb nur die Anbindung des Zentralklinikums mit Shuttlebussen – und das für die Dauer von rund zehn Jahren – realistisch. Diese Lösung bezeichnete Lutz als „nicht außergewöhnlich“. In Städten wie Freiburg oder Tübingen sei der Umstieg von der Bahn in einen Bus zu den Universitätskliniken völlig normal und werde nicht in Frage gestellt. Das gelte auch für die Erreichbarkeit der Helios-Kliniken in Müllheim.

Das aber sehen die meisten Lörracher Stadträte anders. Auch der Grünen-Kreisrat Peter Schalajda aus Hasel, der in der Sitzung als Zuhörer das Wort ergriff, forderte den Lörracher Gemeinderat auf, die zunächst provisorische Anbindung des Klinikums an die S-Bahn nicht vorschnell ad acta zu legen. Er bezeichnete es als „undenkbar, wenn die S-Bahn zehn Jahre am Klinikum vorbei fährt.

Denkbar wäre beispielsweise, dass die S-Bahn an der Schwarzwaldstraße nur jedes zweite Mal halte. Das wäre den Fahrgästen „schwer zu vermitteln“ und problematisch für die zahlreichen Schüler, die hier ein- und aussteigen würden, entgegnete Lutz.

Gegenwind kam für die Verwaltung auch von den Fraktionen. Für Thomas Hengelage (Grüne) sind noch „längst nicht alle Fragen geklärt“. Deshalb plädierte er für eine Vertagung der Entscheidung bis Mai, um Zeit zu gewinnen.

Ein engagiertes Plädoyer für einen Anschluss des Zentralklinikums an die Regio-S-Bahn zum Betriebsstart in vier Jahren hielt Günter Schlecht (SPD). „Das muss ohne Wegfall eines Haltepunkts möglich sein“, betonte er.

Zeitlich Luft sieht Schlecht, selbst beruflich Bähnler, bei den Wendezeiten der S-Bahn im Badischen Bahnhof, in Schopfheim und Zell im Wiesental. Allein im Badischen Bahnhof betrage die Wendezeit sechs Minuten, während für den Halt am Zentralklinikum nur 30 Sekunden notwendig seien.

Laut Schlecht sollte auch nicht von einem provisorischen Haltepunkt gesprochen werden. Wenn überhaupt, dann handele es sich bei der Shuttlebus-Anbindung um ein Provisorium.

Schlecht forderte, mit allen Nachbarn zu reden, um Solidarität einzufordern, denn vom Zentralklinikum profitiere nicht nur die Stadt Lörrach, sondern der gesamte Landkreis. „Gemeinsam“, so Schlecht, „müssen wir alles Erdenkliche unternehmen, damit zur Eröffnung ein S-Bahn-Haltepunkt am Klinikum eingerichtet wird.“

Grundsätzlich ähnlich sieht dies auch Ulrich Lusche (CDU), erkennt aber „nur wenige Alternativen zum Shuttlebus“. Lusche räumt allerdings ein, dass er sich „auf den Sachverstand der Verwaltungsvorlage verlassen“ müsse. Kritik übt Lusche daran, „dass wir das erst jetzt diskutieren“ und an den Kosten für das Shuttlebus-Provisorium, das die Stadt in zehn Jahren 2,5 bis drei Millionen Euro koste. Deshalb müsse dieser Zeitraum verkürzt werden.

„Fehlende belastbare Zahlen“ bemängelte Jörg Müller (Freie Wähler). Für ihn gehört ans Klinikum ein S-Bahn-Halt, ohne dass andere Haltestellen wegfallen. Seine Kollegin Silke Herzog betonte, dass die Stadt Lörrach stets mit dem attraktiven Klinikstandort geworben habe, und dazu gehöre ein S-Bahn-Halt.

Der Oberbürgermeister warb dafür, dass alle Beteiligten – auch außerhalb Lörrachs – in Berlin und in Stuttgart vorstellig werden, um den S-Bahn-Halt möglichst schnell zu realisieren.

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