Lörrach Klopfzeichen in dunklen Zeiten

Andrea Haupt (l.) und Cornelia Kneser musizieren auf dem Balkon.Foto: Willi Vogl Foto: Die Oberbadische

Von Willi Vogl

Lörrach. „Kommen Sie näher“, begrüßte Andrea Haupt am Sonntagabend in luftiger Höhe vom Balkon aus die Konzertbesucher auf der Straße. Seit Beginn des Lockdowns im Frühjahr und unterbrochen durch eine große Sommerpause fand nun das inzwischen 17. Balkonkonzert in der Stettener Reihenhaussiedlung statt. Zusammen mit der Lörracher Geigerin Cornelia Kneser bildet die Stuttgarter Theaterlehrerin und Flötistin das Duo Robbenwolf.

Sie machen mit ihrer Balkonkonzert-Reihe aus der Not eine Tugend und sorgen in einer Zeit verordneter kultureller Stille für aufmunternde Klänge. Sowohl die Zaungäste auf der Straße als auch die Nachbarn auf den umliegenden Balkonen konnten dank der förderlichen Akustik zwischen den Häuserfassaden am Hang ein stilistisch breit angelegtes Duoprogramm genießen und einer gut verständlichen Moderation folgen.

Begleitung durch Bläsergruppe der Nachbarsfamilie

Von den inzwischen kühleren Außentemperaturen ließen sich die beiden Musikerinnen nicht abschrecken. Lediglich die sonst bevorzugten Barockinstrumente Traversflöte und darmbesaitete Geige wurden durch ihre etwas temperatur- und feuchtigkeitsbeständigeren moderneren Varianten ausgetauscht. Robbenwolf bot mit der Metallflöte und einer nylonbesaiteten Geige eine stilistisch breite Palette von Renaissancemusik bis Jazz. Musikgestalterisch mit von der Partie war auf dem Balkon nebenan auch die Bläsergruppe der Nachbarsfamilie.

Unmittelbar nach dem Stundenläuten der Kirchenglocken erklang von beiden Balkonen die Eröffnungsmelodie von „Freude schöner Götterfunken“. Passend zum Volkstrauertag folgten von der Bläsergruppe „Von guten Mächten treu und still umgeben“, „Näher mein Gott zu dir“ und ein klingender Segenswunsch aus Irland.

Robbenwolf setzte zunächst auf musikalischen Dialog in Form des Kanons. So konnten die aufmerksamen Zaungäste einem intimen Bicinium von Thomas Morley lauschen oder sich an der geistreichen Kanonsetzung eines Georg Philipp Telemann erfreuen. Mit dem Kanon „Freu‘ dich an Erde, an Sonne und Meer“ nach der Melodie eines Kirchenliedes hatte das Publikum die Möglichkeit, sich auch selber musikalisch einzubringen.

Eine Oper im Taschenformat gab es mit der Duovariante der Arie „Welche Wonne, welche Lust“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“. „Hier können Sie Ihr Tanzbein schwingen“, lud Andrea Haupt die Zuhörer mit Swing-Klängen von James Rae ein. Nach dem agogisch geschmeidig vorgetragenen Militärmarsch von Franz Schubert folgte die Frage zum beinahe schon obligaten Stück am Ende jedes Balkonkonzerts: „Sind Sie bereit?“ Damit lud das Duo die Zuhörer ein, Kieselsteine aufzulesen und den markanten Rhythmus von Ravels Bolero mitzuklopfen – gleichsam als klackendes Fanal in musikalisch dunkler Zeit.

Die beiden Musikerinnen setzen mit ihren Balkonkonzerten ein Zeichen für die Kultur und die Kulturschaffenden in schwierigen Zeiten. In einem Hut am Gartenzaun konnten sich die sichtlich berührten Zuhörer mit einem Obolus erkenntlich zeigen.  Ein weiteres Balkonkonzert des Duos findet am 29. November um 18 Uhr in Stetten, Minna-Vortisch-Straße, zwischen den Häuserzeilen 6 und 8 statt.

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