Lörrach Konstruktiv und kritisch

Ein Thema der Reihe war die Ethik der Algorithmen. Foto: zVg/Shutterstock

Lörrach - Nach acht Monaten beschließt der Werkraum Schöpflin seine Reihe „Maschine Macht Mensch“ zum Thema Digitalisierung heute mit zwei Vorstellungen der Theater-Compagnie Manufaktor und ihrer Pinocchio-Inszenierung sowie mit einer Finissage im Anschluss.

„Die Resonanz auf unsere Angebote hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, bilanziert Birgit Degenhardt vom Werkraum im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die Reihe brachte zum Thema Digitalisierung namhafte Redner nach Lörrach: mit Sascha Lobo, Holger Volland („Die kreative Macht der Maschinen“), Chaos-Computer-Club-Sprecher Frank Rieger, Digitalcourage-Gründerin Rena Tangens oder Edward Snowdens Rechtsanwalt Ben Wizner.

Im Werkraum diskutierten seit Oktober 2018 hunderte von Gästen intensiv mit Experten wie Mario Wolters (Alexander Bürkle, Freiburg) und Bernhard Demuth, David Baum (Trendone) und Raphael Gielgen (Vitra) über die Zukunft der Arbeit, mit Thomas Grazioli (Door2­Door, Berlin) über selbstfahrende Elektrobusse, mit der Lörracher Anwältin Angela Furmaniak über den Wunsch nach Selbstoptimierung bis hin zum „Homo deus“, über Verantwortung im Zeitalter algorithmischer statt von Menschen getroffener Entscheidungen oder über den Schutz ihrer persönlichen Daten.

„Wir haben diesmal viel Experimentelles gewagt, neue Formate ausprobiert, die es so noch nirgendwo gab. Das hat sich ausgezahlt. Es kam ein überraschend heterogenes Publikum. Und die Leute haben sich auf das Thema Digitalisierung wirklich eingelassen“, erklärt Degenhardt.

Von der Performance mit Turbo Pascal, die eine fremde und virtuelle Welt von Algorithmen in einen „Publikumsprozessor“ übersetzte, über Diskussionen per Live-Videocall oder szenisches Puppentheater bis zur Installation dreier Zeichenroboter: In verschiedensten Veranstaltungsformen sei die digitale Revolution im Werkraum Schöpflin zum ebenso konstruktiv wie kritischen Diskussionsgegenstand geworden. „Unsere geladenen Gäste waren total platt, wie diskussionsfreudig die Besucher waren, wie gut informiert. und wie intelligent viele Fragestellungen, die in die Tiefe gingen“, freut sich die künstlerische Leiterin der Reihe. So manche Diskussion sei auch nach Ende der Veranstaltung im Foyer weitergeführt worden.

Roboter-Porträts: heute letzte Gelegenheit

Dass auch Formate wie das Nähen von Funksignal-blockierende Handytaschen oder das kooperative Kartenspiel „Crackup“, um Digitalstress auf den Grund zu gehen, extrem gut angenommen wurden, hebt sie besonders hervor.

Die zur Reihe präsentierte Ausstellung „Human Study #1“ mit drei Robotern ist heute letztmals zu besuchen. Die Roboter zeichnen Porträts ihrer menschlichen Modelle. Jeder kann sich porträtieren lassen. Die Roboter-Körper sind alte Schulbänke, ihre Augen Digitalkameras oder Webcams, ihr linker Zeichenarm agiert im Spannungsfeld aus Algorithmus und Zufall. Hunderte Interessierte hätten dieses Angebot in Anspruch genommen. Heute ist letzte Gelegenheit (ebenso wie zum Nähen der Handy-Taschen oder „Crackup-Spiels“).

Der französische „Künstler-Wissenschaftler“ Patrick Tresset verwendet für seine Roboter-Installationen Computersysteme, die künstlerische, expressive und obsessive Aspekte in das Verhalten von Robotern einführen und damit (Wechsel-)Beziehungen zwischen Mensch und Maschine ermöglichen. Die Ergebnisse der Porträts – es sind inzwischen mehrere hundert – rufen immer wieder Erstaunen hervor.

Tressets Zeichenroboter waren zuvor in der Londoner Tate Modern oder im Pariser Centre Pompidou zu sehen.

Birgit Degenhardts Resümee: „Das Thema Digitalisierung lag ja quasi auf der Straße. Unsere Angebotsmischung –­ nicht zu Mainstream, nicht zu fachspezifisch – hat die Menschen erreicht.“

Letzter Termin ist heute ab 19.30 Uhr, Zeichen-Termine auf www.werkraum-schoepflin.de

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