Lörrach Konzert geht unter die Haut

Jürgen Scharf
Verstanden sich blendend: Der Pianist Ben Kim und das Concertgebouw Kammerorchester. Foto: Jürgen Scharf

Ein ergreifendes Konzert gab das Amsterdamer Concertgebouw Kammerorchester im Burghof. Das Programm war kontrastreich und spannend, eines des besten Konzerte im Klassikbereich.

Nachdem das feierliche „Locus iste“ von Anton Bruckner, eigentlich eine Motette, für Streicher arrangiert, verklungen war, verließ man den Saal erschüttert. Das hing auch mit der zuvor erklungenen Kammersinfonie-Fassung von Dimitri Schostakowitschs berühmtem achtem Streichquartett zusammen. Ein berührendes Werk, geschrieben 1960 beim Anblick der Trümmerstadt Dresden im Gedenken an die Opfer von Faschismus und Krieg.

Bestürzend eindringlich

Wie sehr diese Klage- und Trauermusik noch heute – gerade wieder! – unter die Haut geht, machte die Aufführung des Concertgebouw Kammerorchesters im gut gefüllten Saal deutlich. Die Streicher des weltberühmten niederländischen Orchesters hinterließen hier den Eindruck von geradezu bestürzender Eindringlichkeit. Mit größter Suggestion haben sie die ideologische Botschaft der Musik beschworen.

Ausgeprägter Klangsinn

Dank ihres ausgeprägten Klangsinns konnten sie die Trauer in dieser Musik ebenso eindringlich erschließen wie die jähen Ausbrüche und die Bitternis im zweiten Satz bei den heftigen Fortissimo-“Einschlägen“. Geradezu körperlich spürte man bei diesen Akkordschlägen die äußerste Klanghärte, das „Niederknüppeln“ und die Unterdrückung.

Dieser Schostakowitsch hinterließ einen geschärften, expressiven, sinfonischen Klangeindruck mit vielen subtilen Klangschattierungen. Der Zuhörer war sehr berührt von dieser sehr persönlichen Musik sowie von der differenzierten Emotionalität der Concertgebouw-Mitglieder - geradezu ein unfassbares Hörerlebnis.

Klangschönheit

Zuvor zeigten die Amsterdamer noch ihre andere Qualitätsseite, die Klangschönheit, den Wohlklang. Und welcher Komponist wäre dazu besser geeignet als der Engländer Edward Elgar, eine Ikone des Nobilmente, mit seiner sehr populären, leicht romantischen Streicherserenade, die das – im Stehen spielende Concertgebouw Kammerorchester – mit geradezu schönheitstrunkener Noblesse, Poesie und einiger „Englishness“ im Streichermelos aufführte.

Fulminantes Stück

Als weiteres fulminantes Stück des Briten erwies sich die seltener gehörte prächtige Introduktion und Allegro für die interessante Besetzung solistisches Streichquartett und Streichorchester. Da hörte man in der ausgedehnten Durchführung typische Elgar-Melodien, wieder dargeboten in einer nachgerade orchestralen Grandeur.

Souveräner Solist

Solist des Abends war der junge amerikanische Pianist mit südkoreanischen Wurzeln Ben Kim. Im C-Dur-Klavierkonzert r 415, einem sehr spielfreudigen Werk, erwies sich der Leon Fleisher-Schüler als souveräner Mozartspieler. Kim hat mit diesem Kammerorchester schon eine Reihe von Mozart-Konzerten eingespielt, und so verstand man sich blendend im Geben und Nehmen.

Der Solist hatte die Führung mit einem präzisen, animierten, apollinisch klaren und ausdrucksstarken Ton, feinem Klanggespür in den Kadenzen, Leichtigkeit und Lockerheit in den Händen, so dass sich nicht nur ein mozärtlicher Tonfall einstellte, sondern reines Mozartglück – noch versüßt durch eine poetische Debussy-Zugabe.

Reines Mozartglück

So war dieser Abend doch sehr ambivalent zwischen Schönheit und Schmerz, man könnte auch sagen: schmerzlich schön. Ein großer Abend, der sicher vielen in Erinnerung bleiben wird als eines der nachhaltigsten Klassikkonzerte im Burghof.

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