Das Ende des Ersten Weltkriegs markiert eine tief greifende Zäsur in Europa und den Beginn fundamentaler Veränderungen – auch im Dreiländereck. Im Ausstellungsprojekt „Zeitenwende 1918/19“ befassen sich knapp 30 Einrichtungen des „Netzwerks Museen“ mit diesem Thema. Die Überblicksausstellung findet vom 30. Juni bis 3. Februar 2019 im Dreiländermuseum statt.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Diese Zeitenwende in der Geschichte des Kontinents (und darüber hinaus) wirkt bis in die Gegenwart nach – noch heute lässt sich in der Beschäftigung mit dem Thema Neues entdecken, wie die Erläuterungen von Museumsleiter Markus Moehring gestern Nachmittag deutlich machten. Denn: Mitunter endet das Wissen über diese Periode an den Ländergrenzen – auch deshalb, weil manch ein Thema über Jahrzehnte hinweg zwischen den Staaten oder selbst innerhalb eines Landes nur zögernd angesprochen, geschweige denn aufgearbeitet wurde.

Etwa, dass über 120 000 deutschstämmige Bürger aus dem Elsass vertrieben und ihr Besitz beschlagnahmt wurde, nachdem die Region wieder französisch wurde. „Heute“, so Moehring, „können wir darüber reden.“ Gleichzeitig verlief die Re-Integration der Elsässer innerhalb Frankreichs weit weniger reibungslos, als es die anfängliche Euphorie erwarten ließ.

Unterdessen wurden Baden und Deutschland Republik, das Frauen-Wahlrecht wurde ebenso eingeführt wie der Acht-Stunden-Tag. Der Umbruch werde meist mit der deutschen Niederlage, wirtschaftlicher Not und Unsicherheit in Verbindung gebracht, sagte Moehring. Neuerdings rücke allerdings der Aufbruch in die Moderne – mit vielen positiven Facetten – stärker ins Zentrum der Debatte, so der Museumsleiter.

Die Schweiz entwickelte ihren europäischen Sonderweg und wurde durch einen Generalstreik erschüttert. Die für Grenzsicherung eingesetzten Bauern und Handwerker bekamen für ihre Dienste kaum einen Lohn. Ohne soziale Absicherung verarmten ganze Teile der Bevölkerung: „Die Schweiz stand kurz vor einem Bürgerkrieg“, sagte Moehring. Erst der Einsatz der Armee beendete den Landesstreik. Bis dahin hatten etliche Basler Industrielle als Kriegsgewinnler gut an der vorangegangenen Katastrophe verdient. Und: Erstmals wurden nun Grenzkontrollen auch in Friedenszeiten im Dreiländereck eingeführt.

Diese trinationale Perspektive wird die Ausstellung in Lörrach prägen. Kuratiert wird sie von Tobias Hebel, Historiker Hubert Bernnat verfasste zahlreiche Hintergrundtexte. Aurea Hardt gestaltete die Schau, die in fünf Abteilungen (Kriegsende, Aufbruch und Umbruch, Nordwestschweiz, Elsass, Baden) Plakate, Alltagsobjekte, zeitgenössische Kunst, Fotografien und etliches mehr zeigt.

Fast alle Exponate stammen aus dem Fundus der Museumssammlung, die Moehring ebenso wie Rainer Liebenow, Vorstandsmitglied der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, mit Blick auf Auswahl und Anzahl der Exponate als „herausragend“ bezeichnete. Die Sparkasse unterstützt auch diese Ausstellung wieder mit 10 000 Euro. Darüber hinaus steuert das Kreditinstitut jährlich einen Betrag in Höhe von 10 000 Euro für die allgemeine Museums- arbeit bei.

Zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen, der auch auf die anderen Offerten im Netzwerk Museen aufmerksam macht. Gruppen, die etwas zum Rahmenprogramm beitragen möchten, können sich ebenso im Dreiländermuseum melden wie Bürger, die der Einrichtung historisch bedeutende Schenkungen zum Thema machen möchten, so Moehring – womöglich würden einige sogar in der Ausstellung gezeigt.