Lörrach Kunst als Lichtschimmer im Dunkel

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„Kunst ist wie ein Tagebuch ohne Worte“, sagt Vianne Beauchoux. Sie will Kunstgeschichte studieren. Foto: Privat

Wenn man jemandem auf die Frage nach dem Hobby „Malen“ als Antwort gibt, wird man zunächst nicht wirklich ernst genommen. Unsere Praktikantin Vianne Beauchoux berichtet, was sie an Kunst fasziniert.

Lörrach. Ich persönlich war immer von einer möglichst naturgetreuen Abbildung von Objekten oder Lebewesen fasziniert. Hinter Künstlern, die es schaffen, etwas so exakt und formgerecht abzubilden, dass man meint, das Abgebildete regelrecht fühlen zu können, steckt meist jahrelange Übung und Aneignung verschiedenster Techniken.

In unserem digitalen Zeitalter verliert eine naturgetreue Abbildung immer mehr an Bedeutung. Fotoapparate und Smartphones können uns innerhalb weniger Sekunden das replizieren, was wir sehen wollen. Wo man früher ein gemaltes Portrait in Auftrag gab, reicht heute nur ein Klick. Und wir tragen tausende dieser kleinen naturgetreuen Gemälde tagtäglich mit uns herum. Wofür braucht es also noch die Kunst?

Es mag viele Antworten auf diese Frage geben, doch meine ist: Weil Kunst Gefühle ausdrücken kann. Dabei geht es einerseits um das, was der Maler während des Schaffensprozesses fühlt und wie er dieses Gefühl in sein Motiv mit einbindet. Andererseits ist es bedeutend, was es in dem Betrachter auslöst.

Kunst löst Gefühle aus

Kunst kann nahezu jedes Gefühl in uns auslösen, wenn man es zulässt: Freude, Hoffnung, Trauer, Bedrückung, Nostalgie, Schmerz, Wut, Entzückung, Verwirrung, Abneigung und Ekel. Mir selbst und anderen zeigen meine Gemälde wohl nach Jahren noch auf, was ich zu dem Zeitpunkt ihrer Entstehung gefühlt habe. Es ist wie wenn man ein Tagebuch liest, nur ohne Wörter. Sie erinnern mich an schöne Zeiten, aber auch an die schlechten, die ich lieber verdränge. Meine Bilder zeigen mir meine eigene Geschichte auf.

Da mich die Kunst sehr interessiert, strebe ich im nächsten Jahr ein Studium im Fach Kunstgeschichte an. Viele haben mich gefragt, wozu so ein Studium gut sein soll – vor allem wegen des unklaren Berufswegs, der sich daraus ergibt und meistens ohnehin in einem Lehrberuf endet. Was ich mir von einem solchen theoretischen Studium allerdings am meisten erhoffe, ist, fremde Kunst lesen zu können. Ich möchte ergründen, wieso dieses oder jenes Bild diese speziellen Gefühle in mir auslöst. In welchem historischen Kontext ein Werk steht und wie man so auf die allgemeine Stimmung zu dieser Zeit schließen kann. Mit welcher Technik man arbeiten kann, um seine eigene Kunst noch emotionsstärker zu machen. Jedes winzige Detail kann von Bedeutung sein, sei es die Achse des Bildes, die Farbpalette, Farb- oder Temperaturkontraste, Kompositionen oder die Entstehung selbst – alles bestimmt die Bedeutung eines Bildes mit und so auch unsere damit verbundenen Empfindungen.

Ich bin der Meinung, dass unsere Welt Künstler braucht, die die Welt mit anderen Augen sehen, die Schönheit selbst in den kleinen Dingen erkennen und die Menschen um sie herum mit ihren Werken bewegen können. Die Kunst kann uns bilden und uns Hoffnung schenken – ein kleiner Lichtschimmer in der Dunkelheit sein.

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