Lörrach Kunst als Zeitzeuge

Noch ist die Ausstellung im Aufbau (v.r.): Markus Moehring, Barabara Hauß und Rainer Liebenow (Vorstand Sparkasse Lörrach-Rheinfelden) Foto: Gabriele Hauger

Lörrach - Die Ausstellung „Kunst und Nationalsozialismus“ ist das größte und umfangreichste Projekt des Dreiländermuseums in diesem Jahr. Ursprünglich für Mitte Mai geplant, dann coronabedingt verschoben, wird die Ausstellung ab Mitte August zu sehen sein. Eine Vernissage und der Start des umfangreichen Begleitprogramms folgen im Oktober.

Rund 100 Werke prominenter badischer Künstler werden im Kontext der NS-Diktatur beleuchtet, war bei der gestrigen Pressekonferenz zu erfahren. Diese stammen größtenteils aus der umfangreichen museumseigenen Sammlung, ergänzt von einigen Schlüsselwerken aus Leihgaben. Die ganze Bandbreite wird ausgestellt: von der so genannten „entarteten Kunst“ bis hin zur „Blut-und-Boden-Malerei“, exemplarisch an zwölf Künstlerpersönlichkeiten und deren Vita.

Kuratiert wird die Schau von der Kunsthistorikerin Barbara Hauß, die sich in der badischen Kunstszene bestens auskennt, als Amerikanerin aber auch einen Blickwinkel von außen habe, betont Museumsleiter Markus Moehring. Stolz ist er auf den 200-seitigen Katalog, der parallel zur Ausstellung ab Ende August vorliegen wird.

In vielen deutschen Museen werden derzeit Bestände aus der NS-Zeit, die in den Depots schlummern, neu gesichtet und bewertet. Viele Häuser stellten sich die Frage, wie mit dieser Kunst umzugehen sei, erklärt Hauß. Soll man sie zeigen, und wenn ja, wie?

Nazi-Symbole wurden im Nachhinein übermalt

Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus der NS-Zeit werden in der hiesigen Schau mit Quellen und Dokumenten wie Zeitungsartikeln kombiniert und an Litfaßsäulen präsentiert. Sie sollen Aufschluss über den damaligen Kunstbetrieb und das Zeitgeschehen geben. „Die Kunst wird zum Zeitzeugen,“ so Hauß. Die Recherchen förderten dabei so manches spannende Detail zutage: So wurde Vieles im Nachhinein geglättet, vergessen oder schön geschrieben, Nazi-Symbole übermalt.

Die Ausstellung will auch Lücken in Künstlerbiografien schließen, Legendenbildungen sollen korrigiert werden. Auf Schwarz-Weiß-Malerei werde indes verzichtet, es gehe darum, ein differenziertes Bild zu zeichnen, so Moehring. Dabei bleibe die Frage, inwieweit sich Anpassung oder schweigende Teilnahme künstlerisch und ethisch vom Opportunismus und der Unterstützung des Nazi-Regimes unterscheiden. Dabei werde schnell deutlich: „Die Kunst und die politische Überzeugung lassen sich nicht einfach 1:1 setzen“, so die Kuratorin. Das Aufzeigen von Parallelen zu heutigen Entwicklungen sei erwünscht.

Es werden sechs Künstlerpaare unter verschiedenen Schlagwörtern gebildet. Da sind die Professoren Hans Adolf Bühler und August Babberger. Die auf den ersten Blick klar einzuordnenden politisch konträren Brüder Hermann Burte und Adolf Strübe. Die Secessionisten Emil Bizer und Adolf Riedlin. Die Alemannen Adolf Glattacker und Eugen Feger. Die Plastiker Max Laeuger und Philipp Flettner. Die Soldaten Rudolf Kreuter und Paul Ibenthaler.

Unterstützt wird die Ausstellung mit 10 000 Euro von der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden. Parallel gibt es ab August im Basler Historischen Museum „Grenzfälle – Basel 1933–1945“ mit Leihgaben aus dem Lörracher Museum sowie die Aufarbeitung der NS-Zeit in den Lörracher Ortsteilen zu sehen. Interessant zu werden verspricht auch das Rahmenprogramm mit seinen 40 Angeboten. Darunter Exkursionen, Lesungen und Vorträge, beispielsweise über die Pläne einer Thing-Stätte auf dem Tüllinger, NS-Architektur in Lörrach oder die Polarität zwischen Nazi-Lörrach und einem angeblich linken Basel.

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