Lörrach Laute von verführerischer Schönheit

Stargast der DiNi Jazzothek war im Nellie Nashorn die Jazzsängerin Neele Pfleiderer. Foto: Dorothee Philipp Foto: Die Oberbadische

Das neue Veranstaltungsformat „DiNi Jazzothek“ im Nellie Nashorn trifft genau den Geschmack des Publikums. Bei der zweiten Folge der Reihe hatten die Initiatoren Christian Dietkron (Gitarre) und Ulli Niedermüller (Drums) den Bassisten Roberto Koch und den Pianisten Simone Bollini eingeladen.

Von Dorothee Philipp

Lörrach. Hauptakteurin des Abends war als Special Guest die Jazzsängerin Neele Pfleiderer. In Lörrach geboren, eroberte sie nach dem Studium von Gesang, Musikpädagogik, Arrangement und Komposition in Luzern und Basel das Publikum als Jazzsängerin, zunächst als Solistin im Jazzchor Freiburg, dann als Sängerin in verschiedenen Jazzensembles und mit ihrer eigenen Band „Neele & the Sound Voyage“.

Tiefenentspannt fängt es an, die Musiker setzen sanfte Pulse und das Klavier lässt ein erstes Solo perlen, als Neele auf die Bühne kommt, getragen von den lyrischen Vibrati der Gitarre. „Das wollte ich schon immer, nach der Band auf die Bühne kommen“, meint sie verschmitzt nach dem ersten Lied. Da ist man schon gefangen vom Zauber ihrer Stimme, die lyrisch und expressiv sein kann, niemals aggressiv rüberkommt, aber bei aller Sanftheit auch energiegeladene Register ziehen kann. „Songs von mir und meine Lieblingssongs“ kündigt sie das Programm an, und sie hat sich nicht die schlechtesten Favoriten ausgesucht: Joni Mitchell, Nancy Wilson, Buddy Johnson, Tom Waits und andere Ikonen. Doch sie covert nicht, sondern hat ihre eigene musikalische Sprache gefunden. Dass sie selbst sich als Songwriterin nicht verstecken muss, zeigen ihre eigenen Lieder. „Noemi“ zum Beispiel hat sie einer Schülerin gewidmet, die die Idee hatte, die Zahlen auf einem Flaschenetikett als Intervalle zu deuten und daraus ein Motiv zu machen. Diesem Grundbaustein widmet der Bass seine ganze Zuwendung, präsentiert es in einer erzählerischen Gestik, lässt es aus dem Grundmuster ausbrechen, nimmt die anderen Instrumente mit. Neeles Gesang verlässt die Verbalität und artikuliert Laute von verführerischer Schönheit, die einen hypnotisieren und fortreißen in andere Gefilde. Die Instrumentalisten gehen mit großer Sensibilität auf diese Eskapaden ein, vor allem Drummer Niedermüller ist ein Meister des Understatements, wenn er mit dem Jazzbesen hauchfeine Nuancen in die filigranen Klangbilder strichelt. Dafür dreht er bei „I can’t help it“ von Michael Jackson mal richtig auf und lässt die Schlägel auf den Fellen tanzen. Die Instrumentalisten haben in allen Stücken viel Freiraum, immer wieder gibt es Beifall für die Soli, die zeigen, dass hier nicht nur große Kunst, sondern auch solides Handwerk beteiligt ist. Einmal schickt Neele alle bis auf den Bassisten von der Bühne, um mit diesem ein Duo zu präsentieren.“Schauen wir mal, was passiert“, meint sie neckisch, dann geht es „In your wild garden“, wo der Bass „under the magnolia tree“ vokale Qualitäten entfaltet, ein Duett, das zu Herzen geht. Natürlich fehlt auch ein veritabler Blues nicht in diesem facettenreichen Prisma: Ray Charles kommt zu Wort mit seiner „Lonely Avenue“, mit schönen Melismen, lässigen Klavier-Tremoli und einer Gitarre, die mit ihren Glissandi und angeschnittenen Tönen reine Hexerei betreibt. Romantisch ist der Grundton des ganzen Abends, es geht um Reisen, Sand, der durch die Hand rieselt, verletzte Gefühle, Einsamkeit und in der Zugabe um das romantische Motiv schlechthin: Die blaue Blume, die in diesem Fall sogar eine blaue Rose ist. Ein genussreicher Abend mit kultiviertem Jazz, aus dem man tiefenentspannt und glücklich entlassen wird.

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