Lörrach Lebensnah und menschlich

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In einer gehaltvollen Feierstunde im Rahmen des „Schatzkästlein“ verlieh der Hebelbund am Sonntag im Dreiländermuseum den Hebeldank an Friedel Scheer-Nahor. Die Freiburger Germanistin ist überregional bekannt aufgrund ihres Engagements für die alemannische Sprache.

Von Peter Ade

Lörrach. Die Geehrte bearbeitet unter anderem das „Alemannische Wörterbuch“ und wirkt seit über 15 Jahren als Geschäftsführerin der Muettersproch-Gsellschaft. Hebelbund-Präsident Volker Habermaier würdigte die Preisträgerin für ihren „aktiven Beitrag zu Erhaltung und Weiterentwicklung der Mundart und ihrer Etablierung als einer Sprachform eigenen Wertes und Reizes“.

Außerdem erinnerte Habermaier an Scheer-Nahors wissenschaftliche Erforschung von Hebraismen in den badischen Mundarten. Sie leiste damit einen „gewichtigen Beitrag“ zur Pflege deutsch-jüdischer Beziehungen in Südwestdeutschland und sehe die Sprache als Grundlage des Verständnisses von Neben-, Mit- und Gegeneinander an. Mit ihrem Leben und Wirken komme Scheer-Nahor dem Vermächtnis Johann Peter Hebels sehr nahe. Ihre Beiträge zeichneten sich neben beiläufigen Informationen über das literarische Leben in Mundart durch große Lebensnähe und intensive Menschlichkeit aus. Fast ein Neustart 2020 hatten die Hebel-Feierlichkeiten wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden müssen. In diesem Jahr konnte am Hebel-Sonntag in Lörrach wenigstens der traditionelle Hebel-Gottesdienst mit Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh stattfinden (wir berichteten). Wenig später ließen es die Verordnungen zu, dass der Hebelbund auch wieder sein „Schatzkästlein“ öffnen konnte.

„Hebels humanistisches Menschenbild als Kompass für die Menschen moderner Gesellschaften“ machte Klaus Leisinger, emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Basel, zum Inhalt seiner Festansprache. Der gebürtige Lörracher forscht und lehrt hauptsächlich über Fragen der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen und ihrer leitenden Führungspersönlichkeiten.

Zweifellos, so Leisinger, nehme Hebel eine Sonderstellung in der deutschen Literatur ein, um nicht zu sagen: eine sonderbare Stellung. Literaturwissenschaftler, Kritiker und andere kluge Köpfe seien sich einig: Hebel gehört zu den bedeutenden Gestalten der deutschen, ja der europäischen Literatur. Mehr als Information „Sprache transportiert mehr als Information“, würdigte Leisinger in einer fundierten Betrachtung das Wirken Hebels. Er rühmte die humanistische Wertewelt des Theologen und Literaten, dessen christliche Grundeinstellung und einen fundierten Optimismus, der den Menschen bis heute Orientierung und Leitbild sein könne.

Ausdrücklich bestätigte der Redner Hebels vehementen Einsatz für das Zusammenleben unterschiedlicher Glaubensrichtungen. Er habe die beiden Ausprägungen der evangelischen Kirche zusammengeführt und damit eine „ökumenische Glanzleistung“ vollbracht.

Auch in einer bisweilen ausufernden Konsumgesellschaft könne Hebel den Menschen Orientierung und Halt geben und vor allem das Bewusstsein dafür, dass es keine Rechte ohne Pflichten und keine Freiheit ohne Verantwortung gebe.

Die Pandemie und zuletzt die Hochwasserkatastrophe hätten in positiver Weise gezeigt, dass Menschen zu Toleranz und Hilfsbereitschaft fähig seien. Die vielfach beobachtende gegenseitige Unterstützung und Nächstenliebe sei ganz im Sinne Hebels.

Für die musikalische Umrahmung sorgten Anna Gehlhaar und Samano Altahir, die mit der Langhalslaute Saz und Gitarre Lieder aus dem Nahen Osten vortrugen.

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