Von Veronika Zettler

Lörrach. „Kommt näher, aber bewerft mich bitte nicht mit Fisch“, begrüßte Liam Gallagher das Publikum. Ein Fisch, der alles andere als frisch gewesen sein soll, war dieser Tage bei einem Festivalauftritt in Spanien neben ihm auf der Bühne gelandet.

Über das Lörracher Publikum konnte sich der frühere Oasis-Sänger aber nicht beklagen. Außer ein paar Bierbechern, die schon zu Oasis-Zeiten zum guten Ton gehörten, flog nichts durch die Gegend. Die rund 2000 Zuhörer waren auffallend nett zur divenhaft auftretenden Britpop-Ikone. Fast ein wenig besorgt fragte sich mancher Fan immer wieder: Macht Liam dieses Konzert Spaß?

Um 21.15 Uhr ging es los. Kurz darauf der wohl überlastungsbedingte Stromausfall. Lied Nummer drei – „Greedy Soul“ – war gerade zu Ende, Gallagher hatte das Tamburin (!) weggelegt und zwei Rasseln in die Hand genommen, da wurde es schlagartig still und dunkel auf der Bühne. Ein genervt aussehender Gallagher lief davon, gefolgt von seiner Band. Die Zwangspause dauerte fast 20 Minuten.

Kommt er wieder?

Das Publikum nahm das alles locker. Obwohl zunehmend Zweifel aufkamen, ob der Meister überhaupt zurückkehren würde. In den vorderen Reihen, wo immer wieder Fankurven-Atmosphäre herrschte, intonierte man spontan die passenden Oasis-Zeilen „So Sally Can Wait“ und skandierte, wie später noch mehrfach, „Liam“-Chöre.

Aber auch nach der Rückkehr schien Gallagher – trotz tropischer Temperaturen und weiterhin bis zum Kinn geschlossenen Parka seines eigenen Modelabels – nicht so richtig aufzutauen, mit dem Sound und der Welt an sich unzufrieden. Fehlte ihm der gehassliebte Bruder Noel, den er dieser Tage per Twitter zur Reunion aufforderte? Oder blieb der für seine unkonventionell-prolligen Auftritte berühmte 45-Jährige nur sich selber treu? Dass er ist, wie er halt ist, echt, kantig, unfein, dafür lieben ihn seine Fans schließlich. Wie auch immer: Bis zum abrupten Schluss um 22.30 Uhr wirkte Gallagher abwechselnd gut und schlecht gelaunt, insgesamt aber so, als sei er eher zufällig hier gelandet.

Die Musik: Kein Oasis, aber trotzdem Vollgas, auch in Sachen Lichtshow und Lautstärke. Die Setlist ein Mix aus Oasis-Hits nebst Material von Gallaghers 2017 erschienenem Soloalbum „As You Were“. Zwei der interessantesten, auch live, „Wall Of Glass“ und „I’ve All I Need“. „For What It’s Worth“ klang arg wie ein Zwilling von „Don’t Look Back In Anger“. Dagegen fuhr „You Better Run“ erfrischend punkig in die Menge. In „Cigarettes & Alcohol“ stimmten die Zuhörer textsicher ein, den Oasis-Megahit „Wonderwall“ steuerte das Publikum sogar über weite Strecken allein im Chorgesang bei.

Gallagher stand weitgehend in ein und derselben Pose vor dem Mikro: Hände hinterm Rücken, Kopf nach vorn gestreckt. Gelegentlich ein cooles Schlendern zum Drummer, gelegentlich ein akzentuierendes Klix-Klix mit den Maracas, das man jedoch bei der wuchtigen Gitarre-Bass-Dröhnung – schön hart, schön nüchtern und glasklar – nur mit maximal gespitzen Ohren hören konnte. Auch ließ sich aus den Zuschauerreihen heraus akustisch nicht differenzieren, was sich außer dem herauslugenden Hammond-Board noch hinter der Orgelummantelung mit der Aufschrift „Rock’n’Roll“ verbarg. Eine Zugabe gab es nicht. So plötzlich, wie der Strom ausgefallen war, ging das von den Fans ganz unterschiedlich bewertete Konzert zu Ende.

Nicht lumpen lassen hatte sich dagegen die Support-Band um den Basler Musiker und Ex-SRF-Moderator Christoph Baumgartner alias Baum, bereits zum dritten Mal bei „Stimmen“, aber zum ersten Mal auf der Marktplatzbühne, und vielen Stimmen-Stammgästen bereits ans Herz gewachsen. Die Jungs nahmen bei jedem Stück gehörig Fahrt auf und rockten den Marktplatz.