Lörrach Licht und Schatten am Engelplatz

Skizze des geplanten Hochhauses im Bereich „Nördlich Engelplatz“Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Mit der Bebauung des Bereichs „Nördlich Engelplatz“ können 90 Wohnungen in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt geschaffen werden. Nicht unumstritten ist jedoch der Bau eines bis zu 44 Meter hohen Hochhauses.

Von Guido Neidinger

Lörrach. „Das ist ein wirklich schönes und gut aufgegleistes Projekt mit einem transparenten Verfahren und einem baulichen Hochpunkt.“ Diese Worte von Oberbürgermeister Jörg Lutz waren kurz vor der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag wohl gesetzt. Sie waren geradezu ein Plädoyer für die Realisierung des Siegerentwurfs in einem Architektenwettbewerb, den das Konstanzer Büro „bächlemeid“ gewonnen hatte. Auf der Grundlage der Empfehlungen des Preisgerichts und des Gestaltungsbeirats fasste der Gemeinderat laut Lutz Mitte vergangenen Jahres einen Grundsatzbeschluss – samt Hochhaus.

Doch das Hochhaus wird von der Fraktion der Grünen im Gemeinderat jetzt in Frage gestellt (wir berichteten). Die Grünen fordern mehrheitlich stattdessen ein siebenstöckiges Gebäude in Holzbauweise.

Lutz und Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic bezeichneten diesen Sinneswandel der Grünen als legitim. Lutz: „Im Verlaufe eines Verfahrens kann man seine Meinung ändern.“ Allerdings, und darauf machte Neuhöfer-Avdic aufmerksam, würde eine solche Änderung „uns zeitlich um Längen zurückwerfen“.

Für Lutz und Neuhöfer-Avdic ist die Schaffung der geplanten 90 Wohneinheiten auf den Grundstücken der Firma Vukovic, der Firma Lasser und der Stadt Lörrach „ein bedeutender Beitrag zur Umsetzung der Ziele der Wohnraumoffensive“ mit 2500 neuen Wohnungen bis 2025. Zudem sei dieses Projekt ein weiterer Baustein für „eine Stadt der kurzen Wege“. Auch das sei aktiver Klimaschutz, wenn Verkehr vermieden werde.

Die Verschattung der umliegenden Bebauung wird von Lutz als unproblematisch eingeschätzt. Er bezieht sich hier vor allem auf eine Licht- und Schattenstudie des Büros „bächlemeid“. Die bestehenden Gebäude sollen danach von der Verschattung des schmalen, turmartigen Hauses „jeweils nur für kurze Zeit betroffen“ sein. Trotz der Verschattung stehe attraktivem Wohnraum durch die gute ost-west-orientierte Wohnungsplanung im Norden des Gebäudes nichts entgegen. Monika Neuhöfer-Avdic verweist in diesem Zusammenhang auf das Hochhaus am Chesterplatz. Die umliegenden Gebäude seien durch vorübergehenden Schattenwurf auch dort weder im Wert noch in ihrer Attraktivität gemindert.

Die am Engelplatz entstehenden barrierefreien Wohnungen seien insbesondere für ältere Menschen interessant, die diese Wohnortlagen präferieren und somit Wohnraum in Einfamilienhaus-Lagen – zum Beispiel am Hünerberg – frei machen würden. Diese Umverteilung sei wichtig für die Gesamtstadt, aber erst möglich, wenn neue Angebote wie mit diesem Projekt geschaffen würden, heißt es in einer Einschätzung der Verwaltung.

Hinzu kommt, dass im Zuge dieses Projekts der angrenzende Engelplatz als östlicher Stadteingang sowie als Treff- und Versorgungspunkt für die umliegenden Wohnquartiere aufgewertet werden könnte – ein lang gehegter und bisher nicht erfüllter Wunsch. Geplant seien neben Gebäuden für das Wohnen auch Läden in den Erdgeschosszonen am Engelplatz, um diesen entsprechend den Zielen des Märkte- und Zentrenkonzeptes als Aufenthalts- und Nahversorgungsbereich aufzuwerten.

Erreicht werden soll dies auch durch die Verlagerung von oberirdischen öffentlichen Stellplätzen in eine geplante Quartierstiefgagarge.

Der Gemeinderat ist in seiner Sitzung am Donnerstag aufgerufen, der Aufstellung eines Bebauungsplanes für den Bereich „Nördlich Engelplatz“ sowie die frühzeitige Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden zu beschließen.

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