Lörrach Lichtvolle und dämonische Kraftakte

Die Oberbadische
Das russische Nationalballett brachte den Klassiker „Schwanensee“ auf die Bühne des Burghofs. Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Von Ursula König Lörrach. Es ist der Klassiker für Ballettkompanien und gehört zum Standardrepertoire: Das Ballett „Schwanensee“ wurde 1877 im Moskauer Bolschoi Theater uraufgeführt. Bis zur heutigen Fassung wurde einiges an der Inszenierung geändert – vor allem zum Besseren. Die Musik von Tschaikowsky verbindet sich ideal mit dem farbenprächtigen Geschehen am Königshof sowie der melancholischen Stimmung am Schwanensee. Das Russische Nationalballett verzauberte am Sonntag im Burghof erneut mit einer Aufführung, die bis auf wenige Details vollkommene Körperbeherrschung, Schönheit und Anmut vermittelte.

Sie passt in die Adventszeit; die Sage von der verzauberten Schwanenprinzessin, die nur durch wahre Liebe erlöst werden kann. Die opulente Farbenpracht am Königshof steht in reizvollem Kontrast zur weißen Reinheit und Schlichtheit der Schwanenszenen, die vom tänzerischen Anspruch aus gesehen nicht weniger anspruchsvoll sind, im Gegenteil. Der weiße und der schwarze Schwan: die Doppelrolle der Odette und Odile gilt als eine der schwierigsten Rollen des klassischen Balletts.

Mit graziler Leichtigkeit und intensiver Ausdruckskraft meisterte Natalia Romanova diese Herausforderung als unbestrittener Star des Abends und führt vollendet die berühmteste Serie von „Fouettés“ in der Geschichte des Balletts aus. Die 32 Drehungen auf einem Bein sind schwierig auszuführende Bewegungen. Große Kunst also, die hier auf der Bühne mit Eleganz gemeistert wird. Diese lässt einige kleinere Unstimmigkeiten vergessen.

So hatte das Ensemble offensichtlich mit manchen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Schon der Beginn zögerte sich hinaus, und dass während einer etwas langen Umbaupause hinter dem Vorhang Stimmen zu hören waren, riss ungewollt aus einer märchenhaften Atmosphäre. Das ein oder andere Lächeln mancher Tänzerin wirkte womöglich aufgrund dieses nicht ganz reibungslosen Verlaufes etwas starr. Und doch war es eine Inszenierung, die darauf angelegt ist, den hohen Stellenwert des tänzerischen Ausdrucks in der Kunst sichtbar zu machen.

Es sind eben nicht die kleinen Schwächen, die für einen gelungenen Abend ausschlaggebend sind, sondern die Details, die das Bühnenbild bestimmen, die faszinierende Grazie der Tänzerinnen und die athletisch wirkende Körperbeherrschung der Tänzer. Das Lichtvolle neben dem Dämonischen, das Gute, das über die Dunkelheit siegt, wer möchte nicht daran glauben, so kurz vor Weihnachten. Da sind sie stimmig, die Worte der Produzenten: „Tanz spielt auch eine wesentliche Rolle für den Frieden.“

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