Lörrach Live ein echtes Erlebnis

Tonio Paßlick
Jake Isaac trat mit seiner Band im Burghof auf. Foto: Paßlick

Von Tonio Paßlick

Lörrach. Soulige Balladen im Wechsel mit treibenden Popsongs, samtig gehauchte Titel mit einer funky Kopfstimme: Jake Isaac hat den Ruf als hoch gehandeltes Talent schon seit fünf Jahren mit seinem unverwechselbaren Groove und einer ausgeprägten Authentizität überwunden und den Sprung zu den Headlinershows geschafft. Am Sonntagabend begeisterte er sein Publikum beim Stimmen-Festival im Burghof.

Jake und seine Gitarre bleiben die ganzen 70 Minuten des Konzerts im Mittelpunkt der Schweinwerfer. Im Hintergrund sorgen Robert Junior Kirton (Schlagzeug), Charles Thornton (Bass), Paul Kirby (Keyboards) und Priscilla Danso (Gesang) für das jeweils stimmige Setting. Denn der Südlondoner mit den karibischen Wurzeln kann zwischen einem raumfüllenden Timbre mit rockiger Begleitung und Aufforderung zum rhythmischen Händeklatschen und einer faszinierenden Tiefen-Entspanntheit wechseln. Er nimmt einen mit seinen spontanen, leichten Erzählungen und eingestreuten Fragen wie ein alter Bekannter mit auf seine Seelen-Reise, erzählt entspannt von den Flughafen-Nöten unterwegs, um einen Song über die Abgründe des Trennungsschmerzes folgen zu lassen. Und kurz darauf hymnisch floatende Songs über die Verheißung einer neuen Liebe oder Probleme, die ihn – und eigentlich uns alle – peinigen. Sein erster Hit „Long Road“ ist genauso auf der Setlist wie neue spannende Titel aus der LP, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Jake lässt keine Distanz aufkommen.

Mitten auf dem Dancefloor

Denn beim vertrauten Gespräch von der Bühnenkante herab belässt er es nicht. Nach dem dritten Song lockt er die Back-Up-Sängerin Priscilla Danso von der Bühne und befindet sich mitten auf dem Dancefloor. Jake zum Anfassen. „Wenn es voll wäre, hätte ich das nicht tun können“, scherzt er, bevor er berührend innig „New York“ singt, und seine Kusine Priscilla ein betörend schönes, souliges Echo haucht.

Die Setlist wechselt zwischen packenden Songs mit treibenden, in die Beine fahrenden Beats, einem mitunter leicht funkig oder in Slap-Technik gespielten Bass und viel Rhythmus wie in seinem Youtube-Erfolg „Remember“. Jake’s Einflüsse sind ungewohnt vielseitig: Pop, Reggae, Soul und Funk, sogar ein bisschen Folk, prägen seinen Sound. Seine Erfahrungen als Drummer in diversen Rockbands und Ausflüge zu frühem Grime und Jungle prägten seinen Sound ebenfalls.

Millionenfach gestreamt

Seine Lieder wurden millionenfach gestreamt, und um den Multi-Instrumentalisten entstand spätestens seit seiner LP „Honesty“ ein riesiger Hype. Diese Mischung aus Singer-Songwriter und Soul-Pop Elementen, die Jake Isaac harmonisch vereint, bringt Veranstalter zum Grübeln. Die eine Fan-Gruppe will tanzen, die andere träumen. Der Burghof löste diesen Zwiespalt diplomatisch. Auf dem Balkon durfte man sitzen, unten im Parkett wartete der Dancefloor nur auf die Einladung des Musikers: „Wenn ihr tanzen könnt, dann tut es! Wenn nicht, dann tanzt trotzdem!“ Denn Jake Isaac sucht immer wieder die Versicherung, dass alle Spaß haben. Viele hielt es denn auch nicht lange auf den Stühlen. Kein Wunder, dass seine Streaming-Fans gierig auf Live-Acts des Ausnahme-Künstlers sind. Wer am Sonntag in den Burghof gekommen ist, kann dies wärmstens bestätigen.

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