Lörrach Lust auf mehr geweckt

Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Auf dieses Konzert hat Lörrach gewartet. Beethovens Klavierkonzert Nr. 5, eines der bekanntesten Klavierwerke überhaupt, steht auf dem Programm. Es musizieren das Sinfonieorchester Basel und mit dem österreichischen Pianisten Ingolf Wunder ein Shooting-Star der Klavierszene. Gespannt sitzen die Zuhörer im voll besetzten Burghof.

Der Beginn ist eine Wucht: Schon in der Intensität der Anfangstakte wird die überragende Virtuosität des Solisten deutlich – zwischen aberwitzig schnellen Läufen und ergreifender Innigkeit legt er in seiner einführenden Kadenz den Raum fest, in dem sich abspielen wird, was kommt. Das Basler Sinfonieorchester nimmt den Faden auf, reagiert unter seinem Dirigenten Dennis Russell Davis auf kleinste Impulse in Dynamik und Volumen und ergänzt so souverän das entstehende Klanggebäude.

Sanftesten Streicherpassagen und Klavieranschlägen, leise wie das Murmeln eines Bächleins, stehen im ersten Satz Momente größtmöglicher musikalischer Fülle entgegen, in denen Orchester und Pianist in sattem Tutti-Klang schwelgen. Spannend interpretieren beide die rhythmische Brechung, mit der der erste Satz in sein Finale mündet.

Betont langsam dann der zweite Satz, in dem Wunder nach dem Beginn durch die Streicher am Klavier mit sanften Dehnungen im Tempo die Führung übernimmt und spannende melodische Akzente setzt. Passagenweise scheint er mit dem Stück zu „atmen“, so eng ist er an Beethovens Komposition – und übrigens auch an seinem Instrument, dessen Tastatur er bisweilen fast komplett verdeckt. Erneut wird er souverän unterstützt vom Orchester, das sich wie schon zuvor in jedem Moment mit ihm musikalisch auf einer Augenhöhe bewegt.

Das abschließende Rondo Allegro stellt, gerade weil das immer wiederkehrende Thema bekannt ist wie ein Gassenhauer zum Mitpfeifen, höchste Ansprüche an die Musizierenden. Wunder und die Basler Sinfoniker meistern die Herausforderung spritzig und mit angezogenem Tempo mit steigender Intensität bis hin zum triumphalen Schluss. Die Zuhörer reagieren begeistert.

In der zweiten Konzerthälfte wartet das Orchester mit einem weiteren Highlight auf: Der Sinfonie Nr. 2 in D-Dur von Brahms. Üppig orchestriert und mit reizvollen Schwerpunkten in den tiefen Stimmgruppen entwickelt die Sinfonie einen ganz eigenen, vielfarbigen Charakter innerhalb des Brahms’schen Werks. Überraschungen in der Form wie etwa dem schwungvollen Dreiertakt im ersten Satz oder der tragenden Rolle der Celli, aber auch der Hörner und tiefen Bläser, steht der eingängige Gesamtklang entgegen, der von Anfang an eine idyllische, bukolische Stimmung erweckt und mit seinen spannungssteigernden Aufgängen immer wieder an eine Filmmusik erinnert.

Das Sinfonieorchester musiziert in perfekter Harmonie. Nahtlos wandert das Thema durch die verschiedenen Stimmgruppen, erst die Holzbläser, dann die Streicher, bevor die Stimmen wieder zu einem wogenden Meer von Klang zusammenfinden. Auch im zweiten, dem nachdenklichen und langsamen Satz entwickelt sich aus dem faszinierenden Einstieg der Violoncelli nach und nach ein eng gewobenes musikalisches Band heraus, typisch für Brahms. Die Sinfonie bringt geradezu idealtypisch die Klangfarben der einzelnen Instrumentengruppen zur Geltung, keine wird, bis hin zum rasanten, fast ausgelassenen Schlussgalopp, über die anderen herausgehoben. Beim Hinausgehen sind sich die Zuhörer durchweg gemischten Alters einig: Dies war ein Konzerterlebnis, das Lust macht auf mehr große Orchestermusik im Burghof.

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