Lörrach Magnolie wird doch geschützt

Kristoff Meller
Die Magnolie im Frühjahr 2021 in voller Blüte Foto: Kristoff Meller

Zwei Platanen im Hebelpark und die Magnolie am Aicheleknoten stehen künftig unter besonderem Schutz. Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich für eine Ausweisung der Bäume als Naturdenkmäler ausgesprochen – obwohl laut Stadtverwaltung fachliche Gründe gegen die Unterschutzstellung der Magnolie sprechen.

Von Kristoff Meller

Lörrach. „Mein Herzblut hängt auch an der Magnolie, und wir wollen sie nicht anfassen, aber aus fachlichen Gründen lehnen wir eine Ausweisung als Naturdenkmal ab“, erklärte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic. Und Britta Staub-Abt, Fachbereichsleiterin Umwelt und Klimaschutz, warnte: „In dieser Gemengelage mit vielen Leitungen im Boden und künftigen Sanierungsarbeiten werden wir Probleme bekommen.“ Zudem werde bei einem Ausbau des Radstreifens an der Kreuzung Weinbrennerstraße/Basler Straße noch mehr in die Grünfläche gebaut werden müssen, was ebenfalls „nicht förderlich für den Baum“ sei.

Der „Großstrauch“, so Staub-Abt in der Beschlussvorlage, sei „aufgrund des exponierten Standortes stadtbildprägend und vor allem zum Zeitpunkt der Blüte eine besondere Attraktion.“ Sein Alter sei nicht bekannt, es wird auf etwa 80 bis 100 Jahre geschätzt. Magnolien könnten grundsätzlich bis zu 200 Jahre alt werden, jedoch nur an einem idealen Standort. „Das haben wir hier seit vielen Jahren nicht mehr“, betonte Staub-Abt, die in der Nachbarschaft aufgewachsen ist.

Anders als die beiden unstrittigen, gesunden Platanen im Hebelpark verfügt die Magnole über eine „reduzierte Vitalität aufgrund verschiedener Schäden“, schreibt der Technische Leiter des Eigenbetriebs Stadtgrün, Steffen Vogel, in der Vorlage. Sämtliche Stämme des Großstrauches wiesen Faulstellen auf, an vielen Stellen seien abgestorbene Rindenteile vorhanden, zudem seien Teile des Feinastbereichs abgestorben.

Vogel schätzt die Lebenserwartung des Baums noch auf etwa 20 Jahre. „Allerdings ist es aufgrund der klimatischen Veränderungen sehr schwierig, Prognosen über die Reststandzeit von Bäumen abzugeben. Zudem können Krankheiten oder Schädlinge starken Einfluss auf die Vitalität von Bäumen haben.“ Vogel sprach sich in der Vorlage deswegen gegen eine Ausweisung als Naturdenkmal aus.

„Wir sollten nicht gegen die Fachleute stimmen“, regte Petra Höfler (CDU) daraufhin an. Im Ausschuss für Umwelt und Technik eine Woche zuvor hatte sich jedoch bereits eine Mehrheit für die Ausweisung der Magnolie ausgesprochen.

Oberbürgermeister Jörg Lutz schlug vor, statt einer formalen Unterschutzstellung im Beschlussvorschlag den Zusatz „Die Stadtverwaltung wird die Magnolie so gut wie möglich schützen und erhalten“ zu ergänzen.

Fördermittel für Baumaßnahmen?

Doch Claudia Salach (Grüne) argumentierte: „Auch eine angegriffene Magnolie sollte unter Naturschutz gestellt werden.“ Zumal durch den neuen Rechtsstatus auch Fördermittel bei Baumaßnahmen beantragbar seien. So ließen sich die Mehrkosten, die durch die besonders vorsichtige Arbeitsweise entstehen dürften, komplett oder zumindest teilweise erstatten lassen, sagte Salach.

Staub-Abt erklärte dazu: „Wir haben bis zum Regierungspräsidium nach diesen Fördermitteln nachgefragt, aber niemand konnte uns sagen, ob es wirklich welche gibt.“ Darum sei dies ein „sehr fraglicher Grund“ für die Ausweisung der Magnolie.

Dieses Gegenargument konnte die Mehrheit im Ratsrund jedoch ebenfalls nicht überzeugen: Unter Applaus der Grünen folgten nur zehn Stadträte dem Vorschlag der Verwaltung, und die große Mehrheit sprach sich für die Ausweisung aller drei Bäume aus.

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