Lörrach Malweiber – voller Stolz

Lörrach - Malweiber als Schimpfwort? Von wegen! Sabine Stolz und Kathrin Messerschmidt bezeichnen sich ganz bewusst als Malweiber – und das voller Stolz! Die beiden Künstlerinnen haben ein Label gegründet, das sich diesen frechen Titel gibt.

Als Malweiber wurden herablassend um 1900 herum Frauen bezeichnet, die an den Kunstakademien nicht zugelassen wurden, die aber trotzdem zu Pinsel und Palette griffen.

Vergangenen Sonntag präsentierten die beiden Lörracherinnen ihre erste „Malweiber“-Ausstellung mit eigenen Werken in den wunderbar lichten, frisch renovierten Atelierräumen von Kathrin Messerschmidt in der Basler Straße 49, in denen auch Workshops angeboten werden. Rund 100 Kunstinteressierte kamen.

Wichtig ist den Künstlerinnen, die schon vielfach in der Regio, aber auch international ausstellten, natürlich ihre Kunst – aber auch das Wohl anderer. Und so haben sie sich entschlossen, 20 Prozent der Einnahmen ihrer Ausstellungsverkäufe jeweils einer sozialen Einrichtung zugute kommen zu lassen. Dieses Mal wurde das Frauenhaus Lörrach bedacht. Messerschmidt kritisiert die Bedingungen für regionale Künstler generell, aber auch manche Künstlerorganisation. „Den Galeristen geht es nur ums Abkassieren. Da wollten wir nicht mehr mitmachen.“

Die frisch gegründeten Malweiber freuen sich über weitere gleichgesinnte Künstlerinnen, auch Kunsthandwerkerinnen sind willkommen. „Das kann auch eine Fotografin, Goldschmiedin oder Steinbildhauerin sein – wir sind da offen. Hauptsache die Chemie und die Qualität stimmen“, erklärt sie weiter. Mehr als zehn Künstlerinnen sollten es allerdings nicht sein. Geplant sind zwei Ausstellungen pro Jahr, gerne auch an ungewöhnlichen Orten, sowie einmal im Jahr eine Malreise und regelmäßiger gegenseitiger Austausch.

Hommage an die Großtante, ein echtes Malweib

Auf die Idee der Malweiber kam Kathrin Messerschmidt durch das Erbe ihrer 1885 geborenen Großtante Helene Wallrath-Haasbauer, einer Basler Künstlerin, die damals zu den so genannten „Malweibern“ zählte. Sie ist daher posthum zum Ehrenmitglied der Malweiber ernannt worden. Als Hommage an diese bemerkenswerte Frau werden stets auch Arbeiten von ihr ausgestellt. „Aus dem Nachlass haben wir Ölbilder, Skizzenbücher und Radierungen“, erzählt Messerschmidt. Diese bewiesen das große Talent ihrer Großtante, die zwar nicht Kunst studieren durfte, aber mehrere Kurse in Karlsruhe absolvierte. Sie heiratete und nachdem ihr Mann im Ersten Weltkrieg gefallen war, kehrte sie schwanger nach Basel zurück. Dort hielt sie sich alleinerziehend über Wasser, gab Kinderkurse, entwarf Plakate für die Mustermesse, erledigte Porträtauftragsarbeiten, entwarf Schriftzüge – setzte sich dank ihres Talents in einer Männerdomäne durch, erhielt Preise und stellte auch im Ausland aus. Für Messerschmidt ist ihre Großtante bis heute ein großes Vorbild. Sie versucht, in Basel eine Ausstellung über ihre Großtante auf die Beine zu stellen.

Kathrin Messerschmidt kennen viele von ihren charakteristischen Köpfen her. Die studierte Theologin und Mutter von vier Kindern unterrichtete viele Jahre an der Waldorfschule, bevor sie sich 2013 ganz der Kunst und der Musik widmete. „Ich kann nicht ohne“. Der Mensch, Gesichter, Köpfe – schon früh konzentrierte sie sich auf dieses Thema. „Wenn ich einen Wald malen wollte, kam trotzdem ein Kopf heraus“, erinnert sie sich an ihre Kindheit. Menschen seien eben faszinierend und spannend.

Ihre charakteristischen Köpfe entstehen in einem aufwändigen, fast meditativen Arbeitsprozess. Aus Zeitungen köchelt und püriert sie Pappmaché, das anschließend geformt und bearbeitet wird. Ist es getrocknet, lässt es sich wie Holz schleifen oder bohren, erzählt Messerschmidt.

Die individuellen Köpfe haben eine sympathische Ausstrahlung, kaum sind die Augen aufgemalt, bekommen sie von Messerschmidt auch einen Namen. „Die Arbeit damit ist etwas für die Seele.“ Das versucht sie auch bei ihren Workshops zu vermitteln (www.kopfskulptur.de).

Sabine Stolz wiederum malt bevorzugt in Acryl, abstrakt und sehr farbig, legt sich aber auf keinen bestimmten Stil fest. Immer wieder verwendet sie Puring- Effekte, mischt Farben direkt auf der Leinwand. Bei einem Workshop lernten sich die beiden kennen. Aus dieser produktiven Künstlerfreundschaft sind nun echte Malweiber geworden.

www.malweiber-loerrach.de

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