Lörrach Mehr Skepsis als Zuversicht

Bernhard Konrad
Der Einsatz von Fotovoltaik soll intensiviert werden, fordern mehrere Stadträte. Foto: Pixabay

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Der kommunale Klimaschutzbericht skizziert die Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Stadt Lörrach seit 1990. Die aktuellen Daten belegen: Lörrach ist gut – aber längst nicht gut genug. Große Einsparpotenziale bieten der Verkehr und die Haushalte (wir berichteten ausführlich).

Die Kommune senke ihre Treibhausgasemissionen zwar kontinuierlich, „aber nicht in ausreichendem Maß, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen“, fasste Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic die Ergebnisse im Mediengespräch zusammen.

Seit dem Basisjahr 1990 konnten diese Emissionen von etwa 640 500 Tonnen CO2eq (Tonnen CO2-Äquivalent) um fast die Hälfte gesenkt werden. Die CO2-Emissionen pro Person haben sich seit 1990 von über 15 Tonnen auf sieben Tonnen im Jahr 2018 mehr als halbiert.

Der Gemeinderat nahm den Bericht am Donnerstagabend mit mehr Skepsis als Anerkennung zur Kenntnis. Fritz Böhler (Grüne) sagte: „Wir haben sehr schlechte Zahlen vorliegen und treten auf der Stelle.“ Negativ falle insbesondere der Verkehr auf. Der motorisierte Individualverkehr müsse deutlich vermindert werden. Zudem forderte er die Stadt auf, dort, wo sie Einfluss nehmen könne, intensiver tätig zu werden, etwa bei der Sanierung von Gebäuden. Auch die Nutzung von Nahwärmenetzen und Solarenergie solle mit Nachdruck verfolgt werden.

Lindemer: „Habe das Gefühl, der RVL will gar keine Fahrgäste“

Als „ernüchternd“ bezeichnete Christa Rufer (SPD) die neusten Daten. So werde die Stadt ihre Klimaziele nicht erreichen – zumal der Pfad zum Erreichen dieser Ziele derzeit ja noch auf das Jahr 2050 ausgelegt sei. Mittlerweile wurde die Zeitspanne bis zur erwünschten Klimaneutralität bis 2040 verkürzt.

Das Zurückdrängen des motorisierten Individualverkehrs, den Ausbau des ÖPNV und Solarenergie nannte die Sozialdemokratin als wichtige Elemente weiterer CO2-Reduktion. Darüber hinaus ermunterte sie die Stadt, die Beratung der Bürger in Energiefragen zu intensivieren.

Jürgen Exner (CDU) bezeichnete die Klimaschutzleistung der Stadt in den vergangenen Jahrzehnten als insgesamt „beeindruckend“. Er bestärkte die Stadtverwaltung darin „mutige Vorschläge zu machen“ und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass „die Stadträte diese Vorschläge unterstützen werden.“

Auch Matthias Lindemer (Freie Wähler) würdigte die Arbeit der Kommune für den Klimaschutz. In vielen anderen Länder werde wesentlich weniger erreicht. Gleichwohl nannte er aus seiner Sicht wichtige Stellschrauben, die für das Erreichen der Ziele justiert werden müssten. So hoffe er, dass künftig „kleiner gebaut wird“. Die Quadratmeterzahl pro Kopf steige seit Jahren deutlich an: Diese Entwicklung müsse umgekehrt werden. Zudem übte er Kritik am RVL, der aus seiner Sicht Entwicklungen blockiere. Er habe das Gefühl, so Lindemer, der RVL „will im Grunde gar keine Fahrgäste“.

Klimafonds Lörrach

Thomas Hengelage (Grüne) wies noch auf die Gründung des Klimafonds Lörrach hin: „ein Kind des Runden Tischs Klima.“

Auf dessen Homepage wird das Projekt so beschrieben: „Wir vom Runden Tisch Klima wollen ebenfalls eine Kompensationsmöglichkeit schaffen: Dazu gründen wir den Klimafonds Lörrach. Hier kann jede und jeder seine ’überschüssigen’ CO2-Tonnen mit einem bestimmten Betrag kompensieren. Der Klimafonds fördert damit Maßnahmen, die CO2 reduzieren oder CO2 binden – allerdings nicht irgendwo auf der Welt, sondern in der Region.“

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