Lörrach Meisterhaftes Miteinander

Die Oberbadische, 09.11.2015 23:03 Uhr

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Es ist ein Werk der Fülle göttlicher Verheißung und der Freude über den Glauben: Fast drei Stunden lang füllte Georg Friedrich Händels festliches Oratorium „Messiah“ die Kirche Sankt Peter mit festlichem Klang. Damit hat der konfessionsübergreifende „Goldene Herbst“ der Kirchenmusik einen weiteren Höhepunkt erreicht.

Die über 800 Zuhörer in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche bewiesen ein weiteres Mal, welch breiten Anklang ein solches Angebot in Lörrach findet. Mit langanhaltendem Applaus würdigte das Publikum die hervorragende Leistung der Solisten, des Motettenchors und des begleitenden Orchesters „L’arpa festante”.

Händels „Messiah“ folgt keinem Handlungsablauf mit festen Rollen, so dass der musikalische „rote Faden“ an Wichtigkeit gewinnt, um einen Spannungsbogen aufzubauen, der die Ausführenden und ihre Zuhörer bis zum letzten Ton des Oratoriums einbindet. Dies ist Stefan Böllhoff mit seinem versierten und bestens vorbereiteten Chor sowie den Solisten meisterhaft gelungen. Die glänzend interpretierten und vom Orchester einfühlsam gestützten Arien und Chorpartien griffen fließend ineinander, so dass die dramaturgische Spannung stets erhalten blieb.

Der riesige, hallenartige Raum der Kirche Sankt Peter stellte insbesondere an die Solisten große Herausforderungen. Hervorragend gelang dies Saskia Klumpp, die mit ihrer großartigen, tragenden Altstimme im ersten Teil des Oratoriums bemerkenswerte Akzente setzte. Im zweiten Teil erfüllte sie die Arie „He was despised and rejected of men“, unterlegt von „höllischen“ Tremoli der Streicher, mit Expressivität und Ausdruck.

Ihr Widerhall findet sich später in der von Manfred Bittner mit aufrüttelnder Emphase interpretierten Bass-Arie „Why do the nations so furiously rage together“. Damit erfährt der Mittelteil, der die vorausgesagte Leidensgeschichte des Messias zum Thema hat, aufregend Farbe.

Nachdem der Szenenapplaus verklungen ist, den sich die Zuhörer nach dem berühmten Hallelujah-Choral nicht haben nehmen lassen, hat die Sopranistin Petra Hoffmann ihren großen Moment mit der bezaubernden Arie „I know that my Redeemer liveth“, die den dritten, von Hoffnung und Gottvertrauen geprägten Teil des Werks einleitet. Besonders aus der Nähe werden die Feinheiten des ausdifferenzierten Klangs und die klare Stimmführung deutlich. Ein klein wenig blasser blieb Tenor Hans Jörg Mammel, der allerdings auch wenig Gelegenheiten hatte, in den Vordergrund zu treten.

Eine Meisterleistung vollbrachte der Motettenchor, der das Werk hochkonzentriert, mit präziser Artikulation des biblischen Englisch aus der Zeit Händels und dabei stets aufmerksam für die Impulse des Dirigenten in seiner ganzen Fülle entfaltet. Transparent, dabei leicht und lebendig, ist es durchgehend gelungen, die feierliche Grundstimmung zu transportieren, niemals gewichtig daherzukommen.

Das Orchester „L’arpa festante“ tat ein Übriges mit seinem professionellen Musizieren an historischen Instrumenten. Den Beteiligten gelang es überzeugend zu zeigen: Der Messias – ein ganz großes Werk der Kirchenmusik.