Lörrach Menschen nehmen, wie sie sind

Auch Musik gab es zur zweitägigen Eröffnung des sozio-kulturellen Zentrums an der Teichstraße. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Lörrach - Der Verein Diakonische Stadtarbeit Kreuzweg hat am Wochenende sein Gratiscafé mit soziokulturellem Zentrum in der Teichstraße eröffnet (wir berichteten). Es soll ein Treffpunkt für Menschen werden, die am Rande der Gesellschaft stehen, willkommen sind aber alle.

Lörrach brauche als Stadt die Vielfalt. Man müsse alle Menschen annehmen, wie sie sind, sagte Oberbürgermeister Jörg Lutz am Freitag vor geladenen Gästen. Als wichtiges Zeichen wertete er, dass das Gratiscafé mitten in der Stadt entstanden ist.

Der Verein Diakonische Stadtarbeit Kreuzweg betreibt in Lörrach vier Wohnprojekte für suchtkranke, haftentlassene, obdachlose und andere Menschen, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben. Seit 2018 gibt es auch zwei Wohnhäuser an der Teichstraße.

Im Erdgeschoss des Vorderhauses hat nun das Gratiscafé eröffnet. Der Raum mit der großen Fensterfront und mit einer vom Putz befreiten Bruchsteinmauer verbreitet ein angenehmes Flair. Es gibt auch ein rollstuhlgängiges WC. Im Keller befindet sich ein Bandprobenraum, ein Tonstudio ist im Aufbau. Im ersten Stock sind Büros für den Leiter und Motor des Projektes, Robby Horvath, und für Sozialarbeiter.

Im Gratiscafé sind auch musikalische Live-Events geplant, Nachwuchsbands sollen dort auftreten können. Ehrenamtliche aus Kirchengemeinden und Privatpersonen werden das Café abends unter Leitung der Gastrofachfrau Karin Stauß betreiben. Tagsüber sind soziale Aktivitäten wie Hausaufgabenbetreuung und Deutschkurse geplant, außerdem kunsttherapeutische Kurse und kleine Vernissagen.

„Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Robby Horvath“, sagte Guido Neidinger, bisher Vorsitzender der Aktion „Leser helfen notleidenden Menschen“ unserer Zeitung. Bei einem Spendenmarathon von „Leser helfen“ kamen 57 000 Euro für das Gratiscafé zusammen, allein die Sparkasse spendete 10 000 Euro.

Robert Horvath dankte zahlreichen Unterstützern und Kooperationspartnern, so auch der Stadt und dem Gemeinderat. Er dankte der „Aktion Mensch“, die fünf Jahre eine 60-Prozentstelle finanzieren wird. Andere Unterstützer wie die Firma Hieber und die Bäckerei Seeger aus Höllstein spenden Lebensmittel. Viele Menschen werden ehrenamtlich mitarbeiten.

Frank Meissner vom Arbeitskreis Rauschmittel (AKRM) würdigte den Verein „Kreuzweg“ als wichtige Anlaufstelle, um obdachlose Jugendliche unterzubringen. Jürgen Exner von der evangelischen Allianz Lörrach drückte seine Verbundenheit aus. Auch Hanna Scheinker, die Vorsitzende der benachbarten jüdischen Gemeinde, kam zur Eröffnung.

Die christliche Nächstenliebe ist die Grundlage, auf der sich Robby Horvath und der Verein Kreuzweg für Außenseiter engagieren. Daran erinnerte die Vorsitzende Ellen Müller. Im Jahr 1979 formierte sich die christliche Rockband „Kreuzweg“. Junge Leute gründeten auf dem Salzert eine christliche Wohngemeinschaft, die auch suchtkranke und notleidende Menschen aufnahm und in Therapie vermittelte.

Am Samstag beim Tag der offenen Tür heizte die Band „Kreuzweg“ vor dem Café mit Rocksound ein. Weggefährten von früher schauten vorbei, aber auch Menschen, die helfen wollen. „Ich werde im Café im Freitagsteam mitarbeiten“, erzählte die 15-jährige Annette Schmidt. Als Horvath in ihrer Gemeinde G5 in Eimeldingen um Helfer für sein Gratiscafé warb, habe sie gedacht: „Ja, dazu hätte ich Lust.“

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