Lörrach Mini-Bibliothek neu eröffnet

Die Oberbadische, 17.04.2018 04:00 Uhr

Die Mini-Bibliothek auf dem Senigallia Platz ist wieder geöffnet – jederzeit und für jedermann. Nachdem der öffentliche Bücherschrank in der Nacht vom Schmutzigen Donnerstag auf Freitag angezündet und schwer beschädigt worden war, konnte er nach seiner Instandsetzung gestern wieder offiziell in Betrieb genommen werden.

Von Bernhard Konrad

Lörrach. Unbekannte setzten in jener Nacht Bücher in der Vitrine in Flammen, der Literaturfreunde rund um die Uhr kostenlos Werke entnehmen oder hinzufügen können. Der Schrank wurde massiv beschädigt, das Glas zerbarst in der Hitze.

Von Bürgern genutzt, von Bürgern betreut

Die beiden öffentlichen Bücherschränke an der Stettener Hauptstraße und auf dem Senigallia Platz sind ein Projekt der Bürgerstiftung Lörrach. Sie werden rege genutzt und von engagierten Bürgern betreut, darunter das Team der Haagener Buchschachtel um Inge Gula.

Gebaut wurden sie nach den Plänen von Architekt Fritz Wilhelm. Ein Entwurf übrigens, der mittlerweile von etlichen Städten in Deutschland nachgefragt werde. Das Büro „Wilhelm und Hovenbitzer“ stelle die Pläne interessierten Kommunen kostenlos zur Verfügung – sofern diese hierfür einen Betrag für einen guten Zweck in deren Raumschaft spenden, sagte Frank Hovenbitzer, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerstiftung Lörrach.

Obergildenmeister Jörg Roßkopf zeigte sich im Februar bereits am Tag nach dem Vorfall in einer E-Mail an die Vorsitzende der Bürgerstiftung, Ute Lusche, schockiert von dem „sinnlosen Akt der Zerstörung“. Natürlich müsse man davon ausgehen, dass es „im Umfeld der Fasnacht passiert“ sei. „Ich vermute allerdings eher, dass es eine Randerscheinung ist, die von Personen verursacht wurden, die ebenfalls nicht direkt an der Fasnacht mitmachen, sondern am Rand ihr eigenes Ding durchziehen“, erklärte Roßkopf damals. Nun freute er sich gemeinsam mit Lusche über die Instandsetzung.

Narrengilde organisierte Spendenaktion beim Heringsessen

Die Narrengilde hatte wenige Tage nach dem Vorfall beim Heringsessen eine Sammlung unter ihren Gästen veranstaltet. 400 Euro kamen bei der spontanen Aktion zusammen. Den gleichen Betrag steuerte Kai Hecksteden bei, der in der Nachbarschaft des Bücherschranks eine Praxis für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde betreibt. Hecksteden hatte das Projekt bereits bei der ersten Einweihung dieses Literaturangebots finanziell unterstützt.

Ralph Fritz von der Firma Glas Fritz hat Material im Wert von 1000 Euro gespendet. Auch die gegenüber ansässige Sparkasse hat sich an Säuberung und Instandsetzung beteiligt.

Übrigens konnten die Flammen die Begeisterung der Bevölkerung für dieses Angebot nicht zerstören. Der Bücherschrank wurde zwischenzeitlich selbst ohne Verkleidung genutzt.

 
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