Lörrach Mischquartier mit Potenzial

Lörrach - Wohnen, Gewerbe und Bildung. Die Nordstadt ist ein Mischgebiet mit verschiedenen Schwerpunkten. Das zeigte der erste Stadtspaziergang im Rahmen des Dialogsommers mit Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und weiteren Experten. Die angestrebte Diskussion mit den Bürgern fiel aufgrund der geringen Teilnehmerzahl hingegen fast komplett aus.

Vielleicht lag es am Schmuddelwetter, vielleicht an der Anmeldepflicht, vielleicht daran, dass es der erste von sechs Spaziergängen mit der Verwaltungsspitze war. Auf jeden Fall wurden am Montag bei Dauerregen lediglich ein Bürger und zwei Journalisten durch das Gebiet zwischen Gretherstraße und Grüttpark geführt. Diese erfuhren aber viel Interessantes über das Quartier, in dem fast 4500 Menschen leben. „Ein richtig starker Stadtteil in toller Lage“, sagte Neuhöfer-Avdic.

Mehr Autos als gedacht

Vor allem der Bereich zwischen Haagener- und Wintersbuckstraße ist geprägt durch eine drei bis viergeschossige Wohnbebauung, die teilweise noch aus den 50er Jahren stammt. Doch auch in den 70er Jahren wurden hier noch viele Freiflächen um die Mehrfamilienhäuser belassen. Nur entlang der Wintersbuckstraße wurden diese nachträglich mit Stellplätzen überplant: „Man hatte nicht mit der Menge Autos gerechnet“, erklärte Alexander Nöltner, Fachbereichsleitung Stadtentwicklung und Stadtplanung.

Die übrig gebliebenen Freiräume wie an der Albert-Hitzig-Straße wurden bis heute kaum belebt. Wie könnten diese künftig besser genutzt werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich laut Nöltner gerade viele Städte. Denn die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig „wohnortnahe Freiflächen“ sind. Grünflächen erfüllten zudem eine Kühlungsfunktion in der Stadt, die durch den Klimawandel ebenfalls an Bedeutung gewinne.

Ein Stadion auf dem ehemaligen Kickplatz

Ein markantes Quartier im Quartier bildet die in den 90er Jahren erbaute Wohnanlage „Stadion“ auf dem ehemaligen Platz des FV Lörrach mit 220 Wohneinheiten der Wohnbau Lörrach. Diese grenzt wiederum an die „Bildungsmeile“ entlang der Wintersbuckstraße. Hier investiert die Stadt in den kommenden Jahren im Rahmen des Schulentwicklungsplanungsprozesses 17 Millionen Euro in die Erweiterung der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule.

Doch neben Schülern und Familien gibt es auch viele ältere Menschen in der Nordstadt. Diese schätzen laut SPD-Stadträtin Christa Rufer vor allem die Nähe zur Innenstadt und die gute Anbindung. Lediglich die über die Jahre weggefallene Nahversorgung sei ein Problem.

Supermarkt oder zumindest ein Bäcker?

„Die Leute stimmen beim Handel mit den Füßen ab“, erklärte dazu Neuhöfer-Avdic und betonte: „Ein Supermarkt ist hier planungsrechtlich nicht verboten.“ Eventuell benötigte es dafür aber „mehr Fleisch am Knochen“ in Form von zusätzlichen Einwohnern im Quartier. Indes gebe es durch die Schulen schon jetzt zumindest für einen Bäcker „ganz viel Publikum“.

Eine deutlich stärkere Durchmischung aus Wohnen und Arbeiten gibt es entlang der Schwarzwaldstraße. Dort wurden in den vergangenen Jahren aber einige Grundstücke von Gewerbebetrieben, die auf die grüne Wiese abgewandert sind oder keinen Nachfolger gefunden haben, mit Wohnhäusern bebaut. Die entsprechenden Investoren stehen laut Neuhöfer-Avdic Schlange, und für die Grundstückseigentümer sei eine Veräußerung für Wohnbebauung lukrativer. Neuer Wohnraum wird in Lörrach schließlich dringend benötigt und laut der Bürgermeisterin gibt es in der Nordstadt noch Potenzial für rund 380 weitere Wohneinheiten – vor allem durch Aufstockungen und Kopfbauten.

Schoko-Tafeln für ganz Europa

Gleichzeitig versucht die Wirtschaftsförderung Lörrach (WFL) den Mischcharakter gerade im Bereich Schwarzwaldstraße/Güterbahnhof zu erhalten. An diesen grenzt auch der mittlerweile größte produzierende Betrieb in der Lerchenstadt: der Lebensmittelkonzern Mondelez. Dort werden von rund 600 Beschäftigten in erster Linie die 100-Gramm-Tafeln von Milka für den europäischen Markt hergestellt, wie Burkhard Jorg von der WFL ausführte.

Nicht mehr ganz Teil der Nordstadt ist das St. Elisabethen-Krankenhaus. Dennoch ist das Wandelareal laut Neuhöfer-Avdic „eine ganz interessante Fläche“. Denn wenn 2025 das Zentralklinikum im Entenbad eröffnet, zieht auch das „Eli“ um. Damit biete sich an dieser Stelle „eine tolle Chance, um die Stadt ein Stück weiter zu bauen“. Das müsse aber nicht bedeuten, dass alle Gebäude abgerissen werden.

Und auch an der Nansenstraße gebe es „interessante Flächen“ – sowohl versiegelte als auch begrünte – für die im Rathaus gerade Ideen ausgebrütet werden. Neuhöfer-Avdic: „Wir machen uns zu fast jeder Ecke in der Stadt Gedanken.“

Die nächsten Stadtspaziergänge: 5. August „Die Südstadt Stetten“, 10. August „Entlang der Wiese“, 11. August „Wandelareale und Innenstadt“. Beginn jeweils 16 Uhr. Anmeldung unter www.zusammen.loerrach.de

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