Lörrach Mit Bus und Bahn für einen Euro

   Foto: Kristoff Meller  

Lörrach - Das Ein-Euro-Ticket für Bus und Bahn in der gesamten Stadt Lörrach kommt – ab 1. August. Der Gemeinderat gab dafür am Donnerstag einstimmig grünes Licht.

Die Initiative für das Ein-Euro-Ticket geht auf eine hartnäckige Initiative der SPD-Fraktion zurück. In der Sitzung des Gemeinderats erhoben aber auch andere Fraktionen andeutungsweise diesen Anspruch. Einig waren sich alle Fraktionen, dass dieses Ticket viele Vorteile hat und sinnvoll ist. Trotzdem entwickelte sich noch einmal eine lange Diskussion.

Unterschiedliche Auffassungen

In dieser Debatte wurden trotz der anschließend einstimmigen Abstimmung für das Ein-Euro-Ticket unterschiedliche Auffassungen deutlich. So bezweifelte Ulrich Lusche (CDU) die Entscheidungsreife. Für Lusche ist die Einführung dieses Tickets mit großen finanziellen Unwägbarkeiten verbunden. Der Regio Verkehrsverbund Lörrach (RVL) als Betreiber des Nahverkehrs in der Kreisstadt beziffert die zusätzlichen Kosten für die Stadt mit fast 400 000 Euro pro Jahr. Die Stadtverwaltung und auch das Gros der Stadträte halten diesen Betrag für deutlich überzogen. „Das Ein-Euro-Ticket ist für die Stadt kein Ein-Euro-Ticket“, mahnte Lusche und begrüßte eine zeitnahe Überprüfung der Kosten für die Stadt. Das aber wollen auch die Sozialdemokraten und beantragten einen ersten Erfahrungsbericht schon nach einem halben Jahr. Diesem Zusatzantrag wurde stattgegeben.

Stephan Berg (Grüne) bezeichnete das Ein-Euro-Ticket nicht als vordringlich und schon gar nicht als Lösung der Probleme des Nahverkehrs. „Da haben wir ganz andere Probleme“, betonte er und bemängelte übervolle S-Bahn-Züge oder im Verkehrsstau stehende Busse.

Zeitliche Einschränkung

Völlige Einigkeit herrschte auch nicht bei der zeitlichen Einschränkung. Das Ticket gilt werktags erst ab 9 Uhr. Für Oberbürgermeister Jörg Lutz ist das Ein-Euro-Ticket trotz dieser zeitlichen Begrenzung „eine Stellschraube, an der wir drehen können“, um den Nahverkehr in Lörrach attraktiver zu machen. Lutz ist von einem positiven Anreiz überzeugt, bezeichnete das Ein-Euro-Ticket allerdings auch nur als einen Schritt auf dem Weg zu einem insgesamt attraktiveren öffentlichen Nahverkehr: „Der Preis allein macht es nicht, auch das Angebot muss besser und vor allem komfortabler nutzbar werden.“

Ähnlich sieht das auch Günter Schlecht (SPD). Er bezeichnete dieses Angebot als „überlebenswichtig für eine zukunftsfähige Mobilität“. Das von der SPD geforderte Ticket sei einfach, transparent und sozial. Schlecht verspricht sich davon neue Fahrgäste und Mehreinnahmen. Dies wiederum entlaste die Parkstituation in der Stadt und helfe, Verkehrsstaus zu vermeiden. Überdies sei das Ticket ein Betrag zur Klimaschutzpolitik der Stadt. Bei einem Anteil von acht Prozent des öffentlichen Nahverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen sei „noch viel Luft nach oben“.

Wie die anderen Fraktionen, so dankte auch CDU-Sprecher Bernhard Escher der SPD für ihren „hartnäckigen Anstoß in dieser Sache“ und zeigte sich „unglücklich über die zeitliche Beschränkung“. Dem widersprach Gerd Wernthaler (Grüne). Die Gültigkeit des Tickets ab 9 Uhr reiche völlig aus. „Wir brauchen Restriktionen, nicht nur Angebote“, forderte Wernthaler. Damit meinte er vor allem Maßnahmen, um den Individualverkehr in der Stadt unattraktiver zu machen.

Der verschiedentlich geäußerten Kritik, der Zeitpunkt der Abstimmung wenige Tage vor der Kommunalwahl sei unglücklich, widersprach Matthias Lindemer (Freie Wähler): „Wahlkampf hin oder her, dies ist unterstützenswert.“

Hoffnung auf Entlastung

Matthias Koesler (FDP) hofft mit dem Ein-Euro-Ticket auf eine Entlastung des Individualverkehrs, sieht aber in den nur wenigen Stellen, an denen das Ticket gekauft werden kann, „ein Manko, das abschreckt“. Kritik übte Koesler am RVL, der die Einführung lange verhindert habe und mit der zeitlichen Beschränkung deutlich gemacht habe, dass er „nicht daran interessiert ist, neue Kunden zu gewinnen“.

„Überhaupt keine Probleme“ sieht Hans-Peter Pichlhöfer (Freie Wähler). Er drängte, das Ticket endlich einzuführen und die Diskussionen zu beenden. Auch sein Fraktionskollege Uwe Claassen mahnte, sich nicht vom RVL auf eine falsche Fährte führen zu lassen. Allerdings müsse die Stadt die Kosten im Blick behalten. Sobald belastbare Zahlen vorlägen, müsse die Frage beantwortet werden: „Ist es uns das wert?“

Neben der Einführung des Tickets zum 1. August soll mit dem RVL weiter verhandelt werden, um den Wegfall der zeitlichen Beschränkung zu erreichen. Der Ticketverkauf soll zügig auch in Bussen, an Automaten und per Handy möglich werden. An der Namensfindung für das Ticket soll der Gemeinderat beteiligt werden.

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