Lörrach Mit der Kamera bei der EM

Mirko Bähr
Mit professioneller Ausstattung, feinem Händchen und herzlicher Ausstrahlung: Grant Hubbs, passionierter Sportfotograf Foto: Daniela Porcelli

Grant Hubbs aus Lörrach ist bei der Fußball-Europameisterschaft als Fotograf dabei – immer auf der Suche nach dem richtigen Augenblick: Einst war er als Lkw-Fahrer auf Achse, währenddessen begann seine Karriere als Fotograf – sie ist noch nicht zu Ende.

„Ganz oder gar nicht“ ist das Motto des 64-Jährigen. Seine Leidenschaft ist die Fotografie: Die Suche nach dem richtigen Augenblick hat es ihm angetan. In diesen Tagen lebt er seinen Traum: Er fotografiert direkt vom Spielfeldrand bei der Europameisterschaft.

In Toronto geboren, im Markgräflerland Zuhause

Action, Dynamik, die Magie des Moments – dieses Zusammenspiel erzeugt den gelungenen Schnappschuss. Das Fotografieren hat der ehemalige Lkw-Fahrer von der Pike auf gelernt. Erst rund neun Jahre nebenberuflich, seit seinem Ruhestand in diesem Jahr sogar hauptberuflich.

Der Sport- und Pressefotograf, der in Toronto geboren wurde und Doppelstaatsbürger von Deutschland und Kanada ist, arbeitet seit 2016 für die drei Ausgaben des Verlagshauses Jaumann – die Oberbadische, Weiler Zeitung und Markgräfler Tagblatt –, und er ist seither aus den Sporthallen und von den Fußballplätzen der Region nicht mehr wegzudenken: Handball in Schopfheim, Fußball in Lörrach, Turnen in Inzlingen, Tennis in Grenzach oder Tischtennis in Weil am Rhein – Hubbs ist immer mittendrin statt nur dabei.

Anfänge bei den Fußballern des TuS Stetten

Mit einer analogen Kamera, einer Minolta XD5 1978, fing alles an. Seine erste Digitalkamera war im Jahr 2005 eine Canon EOS 350D. Die Ausrüstung wurde immer professioneller und die Objektive feiner. Derzeit nennt er eine EOS R5 und eine EOS R3 sein Eigen. Diese Kameras hütet er wie einen Schatz. „Das ist mein Werkzeug, das muss ich pfleglich behandeln und besonders darauf aufpassen“, sagt er.

Seit 2016 fester Bestandteil des Regionalsport-Ressorts

Dass der Lörracher einmal bei einer Fußball-EM dem erlauchten Kreis der Fotografen angehört, davon konnte er 2014 nur träumen, als er seine ersten Gehversuche bei den Fußballern des TuS Stetten unternahm. „Learning by Doing“ war angesagt. Alles, was das Fotografieren ausmacht, alles, was für das perfekte Motiv wichtig ist, hat sich Hubbs selbst beigebracht. Mit jedem Klick wurde er sicherer, mit jedem Auslöser fand er sich besser zurecht.

Nachdem er beim FV Lörrach-Brombach als Vereinsfotograf weitere Erfahrungen sammelte und seine Bilder immer mehr Anerkennung fanden, wurden auch die hiesigen Zeitungen auf den Mann mit der Kamera und dem breiten Grinsen aufmerksam: Seit 2016 ist Hubbs fester Bestandteil des Regionalsport-Ressorts. Dort gehört er quasi schon zum Inventar. Wochenende für Wochenende, Sommer wie Winter, ist er mit von der Partie, wenn es um Punkte, Noten und Zeiten geht. Immer nah dran, immer parat, um den richtigen Moment festzuhalten.

Doch bei aller Fokussierung auf seinen fotografischen Auftrag kommt beim 64-Jährigen auch der Plausch mit den Sportlern, Vereinsverantwortlichen der Vereine oder auch den Fans nicht zu kurz. Dann zündet er sich genüsslich eine Zigarette an und ist ganz Ohr.

„Ich will den perfekten Moment einfangen“

Seit 2024 fotografiert Hubbs auch für die Steinsiek media + press GmbH. Mit großem Engagement geht er seiner Passion nach: Dabei macht er keinen Unterschied, ob er ein Spiel der Kreisliga A vor der Linse hat oder ein Länderspiel, ein Bundesligamatch, eine Partie der Super League, der 3. Liga oder der Frauen-Bundesliga.

„Ich will den perfekten Moment einfangen. Die Sportlerinnen und Sportler ins richtige Licht rücken. Egal, ob es Amateure sind oder Profis. Wichtig ist, dass sie sich richtig reinhängen und alles geben“, meint Hubbs.

Sieben Begegnungen bei der EM

Ein Höhepunkt im Sportjahr, für das er, als er noch bei einem Transportunternehmen angestellt war, extra eine Woche Urlaub nahm, sind die Swiss Indoors in Basel. Das Tennisturnier der Extraklasse verpasst Hubbs nie, ebenso das Reitspektakel an gleicher Stelle in der St. Jakobshalle oder die Heimspiele des EHC Freiburg. Eishockey ist seine heimliche Liebe: „Das ist ja auch kein Wunder als halber Kanadier mit Wurzeln in Toronto“, sagt er.

Konzentriert und fokussiert: Grant Hubbs bei der Arbeit Foto: Daniela Porcelli

Derzeit haben die Puckjäger Pause, sein Fokus gilt den 22 Spielern, die sich um einen einzigen Ball streiten. Und das auf höchstem Niveau. Sieben EM-Begegnungen bestreitet Hubbs, die ihn nach München, Köln, Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt führen.

Seine EM-Premiere feierte er anlässlich des Eröffnungsspiels Deutschland gegen Schottland, dann war er beim Match zwischen Ungarn und der Schweiz mit von der Partie, ehe er die Slowenen gegen die Dänen und die Österreicher gegen die Franzosen vor der Linse hatte. Schottland gegen die Schweiz, Dänemark gegen England und zum Abschluss die Begegnung Schweiz gegen Deutschland runden seinen EM-Auftritt ab. „Ein tolles Erlebnis!“, schwärmt Hubbs. Die Stimmung in den Stadien sei fantastisch, da mache das Fotografieren gerade doppelt so viel Spaß. Und auch der Austausch mit den Kollegen aus der ganzen Welt bereite ihm immer große Freude.

Seine Geschichte geht weiter

„Man kennt natürlich viele Gesichter, aber man lernt auch so einige neue Leute kennen. Alle haben sie die gleiche Leidenschaft. Fotografieren verbindet“, sagt Hubbs lächelnd und freut sich darüber, dass seine Schnappschüsse schon in so manchen Sportportalen im Internet, in den Online-Ausgaben von Zeitungen und dem einen oder anderen Printprodukt zu finden waren.

Für Hubbs ist die EM sein bisheriges Karrierehighlight. Das Ende der Fahnenstange will er damit aber noch nicht erreicht haben. „Es geht immer weiter. Diese Arbeit macht mir riesigen Spaß.“ Weitere Sportarten sollen nun noch folgen – etwa DTM-Rennen –, denn: „Man lernt nie aus. Ich liebe die Herausforderung.“

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