Lörrach Mit einem großen Drachen fing alles an

Lörrach - Mit seinem stark tätowierten Körper, der Glatze und den großen Ohrringen wirkt Marcel Straube auf den ersten Blick etwas beängstigend. Dementsprechend reagieren auch Passanten in der Innenstadt auf ihn. Doch eigentlich ist er ganz friedlich, wie sich im Gespräch für den dritten Teil unserer Serie „Lörracher und ihre Tattoos“ gezeigt hat.

Marcel Straube war 17 Jahre alt, als seine Haut zum ersten Mal mit einer Tätowiernadel in Kontakt kam. Sein Vater – selbst ein Tattoo-Fan – hatte es ihm erlaubt. Vor seiner Mutter musste er den großen Drachen auf seiner Wade hingegen verstecken. „Bis heute ist sie nicht begeistert von meinen Tattoos“, erklärt Straube. Als er sich aber „mom“ und „dad“ stechen lies, brach sie fast in Tränen aus. Ansonsten reagieren die Menschen nur auf den ersten Blick mit Abneigung, sagt Straube. In seinem Beruf, anfangs auf dem Bau, dann als Bauleiter und jetzt im Büro, hat er viel Kundenkontakt: „Dann muss ich beweisen, dass ich was auf dem Kasten habe.“

Straube mag bei den Tattoos vor allem den sogenannten „Old School Stil“. Straube neigt zu stark gestochenen Tattoos, da die aufwendigen Arbeiten ansonsten zu schnell „wegbruzzeln“ würden.

Teile seiner Geschichte lies er sich auf seinem rechten Arm tätowieren: Das Wappen seiner ostdeutschen Heimatstadt, das Zimmermann-Symbol und eine Abbildung seiner Arbeit mit Grundstein, Mauer und Überdachung. „Diese Motive habe ich mir gut überlegt“, der linke Arm hingegen sei mehr ein „Spaß-Arm“. Dort hat er sich beispielsweise ein Zippo stechen lassen, weil es das beste Feuerzeug sei.

Er selbst bezeichnet sich als „tattoosüchtig“

Auf seinem Bein hat er ein Symbol, dass er sich mit seiner Ex-Verlobten stechen lies. Er bereue es aber nicht: „Mit einem Symbol kann man besser umgehen, als mit einem Namen.“

Das einzige Tattoo auf seinem Körper, das ihm nicht mehr gefällt, wurde ihm von einem unerfahrenen Freund auf der Couch Zuhause gestochen. Sonst lässt er sich immer im Tattoo- und Piercingstudio „Skinart“ gegenüber des Stettener Bahnhofs, oder gerne auf einer seiner vielen Reisen tätowieren.

Ganz ohne Schmerzen gibt es allerdings keinen Körperschmuck: Vor allem sein jüngstes Tattoo am Hals und Kiefer habe ihm einige Qualen bereitet. „Gegen die Schmerzen helfen Musik und vor allem genügend Schlaf im Vorfeld“, empfiehlt Straube.

Er selbst bezeichnet sich als „tattoosüchtig“, gerade weil er sich oft spontan etwas Neues stechen lasse. Grundsätzlich rät Straube allen an der Körperkunst Interessierten aber, sich Tattoos nur an Stellen zu stechen, die man abdecken kann: „Man kann sich durch Tattoos an den falschen Stellen schon bestimmte Berufe und Lebenswege verbauen.“

Vor allem in der Schweiz, meint Straube, werde er oftmals sehr genau angeschaut, wenn er sich an einem See das T-Shirt ausziehe. Generell seien Tattoos in der Schweiz „noch nicht so sichtbar“ wie in Deutschland.

Straube kennt sich gut aus in der Tattoo-Szene. Er empfiehlt das „TätowierMagazin“ und die „Kaiserstadt Tattoo Expo“ in Aachen, zu der die besten Tätowierer aus der ganzen Welt kommen.

Außerdem berichtet er, dass Tattoos in Japan nicht gut angesehen sind. Tätowierte dürften oft nicht in öffentlichen Gewässern baden. Grund für das schlechte Tattoo-Image in Japan: Die japanische Mafia „Yakuza“ kennzeichnet sich vor allem durch großflächige Tätowierungen. Dennoch will Straube gerne mal nach Japan reisen. Doch diesen Sommer stehen erstmal Kanada, die USA und Kolumbien auf dem Programm. Er wird sicherlich mit dem ein oder anderen Tattoo zurückkommen.

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