Lörrach Mit geballter Frauen-Kraft durch die Pandemie

, aktualisiert am 21.05.2021 - 09:50 Uhr
Stehen Frauen in Not zur Seite (v.l.): Christina Seeland, Julia Geiger, Maike Behringer und Stephanie Lais-Maier. Foto: Beatrice Ehrlich

Lörrach - Bedroht in den eigenen vier Wänden: Während der Pandemie ist die Nachfrage nach Beratung bei häuslicher Gewalt und Folgen sexualisierter Gewalt stark gestiegen. Mit Beharrlichkeit und Improvisationsvermögen stellt sich das Team der Frauenberatungsstelle der steigenden Zahl von Hilfesuchenden, obwohl die Zuschüsse des Landkreises stark gekürzt wurden.

In ihrem Jahresbericht 2020 gibt die Frauenberatung Einblick in die Herausforderungen eines turbulenten Jahrs. So fanden 1270 Beratungsgespräche statt, vor Ort oder während des Lockdowns übergangsweise auch online oder am Telefon.

Erlittene körperliche Gewalt macht den weitaus größten Teil der Beratungsgespräche aus, 304 dieser 402 Fälle stehen im Zusammenhang mit akuter körperlicher Gewalt. An zweiter Stelle folgen Beratungen nach sexualisierter Gewalt. Beraten wurden in erster Linie betroffene Frauen und Mädchen – insgesamt 242 – aber auch Bezugspersonen und Fachpersonal.

Ausweitung der Anrufzeiten

Durch die Ausweitung der Anrufzeiten habe man die Frauen zeitnah und angemessen beraten können, freut sich Stephanie Lais-Maier vom geschäftsführenden Team beim Pressegespräch. Die Zahl der Beratungsgespräche sei seit dem Vorjahr deutlich angestiegen, um 65 Prozent.

Zwei neue Mitarbeiterinnen im Team, Julia Geiger und Maike Behringer, hätten mit neuen Impulsen ganz wesentlich dazu beigetragen, dass man die vielen unvorhersehbaren Herausforderungen gut habe meistern können. Hilfreich war dabei auch die neue, vom Landkreis finanzierte Projektstelle zur akuten häuslichen Gewalt, die allerdings mittlerweile auf eine 0,7-Prozent-Stelle reduziert wurde. So konnte auch hier die Erreichbarkeit und Beratungstätigkeit auch in digitalen Formaten ausgeweitet werden, was sich insbesondere während des Lockdowns als hilfreich erwies.

Neu wöchentliche Sprechzeiten  in Bad Bellingen und Todtnau

Mit neuen, wöchentlichen Außensprechzeiten in Bad Bellingen und Todtnau sollen Betroffene auch im ländlichen Raum besser erreicht werden.

Sorgen bereiten dem Team und dem Vorstand die finanziellen Kürzungen im laufenden Jahr. Denn mit dem Ende des Lockdowns und seit die Kinder wieder Kitas und Schulen besuchen können, steigt die Zahl der hilfesuchenden Frauen, aber auch der von Mitarbeitern in Kitas und Schulen gemeldeten Verdachtsfälle bei Kindern wieder stark an.

Kaum noch öffentliche Mittel gibt es für die ebenfalls durchgeführten Präventionsprojekte an Schulen unter dem Titel „Mut tut gut“  zur Prävention von sexualisierter Gewalt.  Hier konnte durch das finanzielle Engagement der Fritz-Berger-Stiftung und genehmigte Corona-Soforthilfen zumindest teilweise Abhilfe geschaffen werden.

Kompetente Hilfe seit 25 Jahren

Seit 25 Jahren unterstützt die Frauenberatungsstelle betroffene Mädchen und Frauen auf ihrem Weg. Hier wird ihre Anonymität gewahrt und ihnen kompetent geholfen bei der Klärung des Verdachts auf sexuellen Missbrauch und der daraus folgenden Interventionsplanung.

Auch bei körperlicher und psychischer Gewalt und weiteren Krisensituationen können Frauen und Mädchen ab 14 Jahren sowie Angehörige, Bezugspersonen und Fachkräfte das Beratungsangebot der Frauenberatungsstelle nutzen.

An der Spitze des gemeinnützigen Vereins steht ein ehrenamtlicher Vorstand, bestehend aus Christina Seeland, Linda Leitner und Monika Mareis. Neben der Grundfinanzierung durch den Landkreis müssen 30 Prozent der Kosten durch Eigenmittel erbracht werden.

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