Lörrach Mit Holz in goldene Zeiten

 Foto: Guido Neidinger   

Lörrach - Das Vorhaben ist sehr ehrgeizig: Die Stadtverwaltung will das Lauffenmühle-Areal zum ersten deutschen Null-Emission-Gewerbegebiet in Holzbauweise ausbauen. Hier sollen CO2-neutrale Arbeitsplätze in den Bereichen Produktion und Dienstleistung entstehen.

„Ich bin optimistisch, dass wir das Lauffenmühle-Areal in eine goldene Zukunft führen werden“, freute sich Oberbürgermeister Jörg Lutz bei der Vorstellung dieses anspruchsvollen Vorhabens. Anspruchsvoll deshalb, weil es kein Vorbild gibt und dieses Gewerbegebiet laut Monika Neuhöfer-Avdic „wirtschaftlich konkurrieren können“ muss. Die Bürgermeisterin verspricht sich davon ein „Leuchtturmprojekt des Südens“.

Die Stadtverwaltung hat sich für dieses Konzept sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus klimatischen Gründen entschieden. So verfügt die Stadt Lörrach über großen Waldreichtum. Allerdings sind die Preise für diesen nachwachsenden Rohstoff am Boden. Holz könnte somit direkt vor Ort und für die eigenen Zwecke optimal genutzt werden. Hinzu kommt laut Neuhöfer-Avdic, dass der Wald in doppeltem Sinne klimaschonend genutzt werden kann. Zum einen binde er wie kein anderer Rohstoff CO2. Zum anderen werde kein zusätzliches CO2 freigesetzt, wenn er als Baustoff verwendet werde.

Erste Rückmeldungen aus dem Wirtschaftsministerium des Landes sind nicht nur positiv, auch finanzielle Zuschüsse wird es geben. „Das Lauffenmühle-Projekt wird im Rahmen des Landessanierungsprogramms vom Wirtschaftsministerium substanziell gefördert“, betonte Neuhöfer-Avdic.

Im nächsten Jahr soll das Projekt auf seine Tauglichkeit überprüft und gemeinsam mit dem Gemeinderat und der städtischen Kommission für Wirtschafts- und Standortentwicklung weiterentwickelt werden, um ein tragfähiges Konzept zu verabschieden. Auch die Öffentlichkeit soll im Rahmen des Tags der Städtebauförderung im Mai die Möglichkeit erhalten, sich an dem Gestaltungsprozess zu beteiligen.

„Die Vergangenheit in Lörrach ist die Textilindustrie gewesen. Das waren früher ganz moderne Fabriken und Arbeitsplätze. Wir fragen uns jetzt: Was sind die Arbeitsplätze der Zukunft, womit verdienen die Menschen ihr Geld und wie schaffen wir nachhaltige Arbeitsplätze mit sicheren Gewerbesteuereinnahmen?“, fragte der Oberbürgermeister und betonte die Wichtigkeit des Areals für die wirtschaftliche Entwicklung des Gewerbestandorts Lörrach.

Holz soll im Lauffenmühle-Areal künftig nicht nur als Baustoff, sondern auch für die Energieversorgung eine zentrale Rolle spielen und kann auch der Rohstoff für die Wirtschaftsmodelle der zukünftigen Betriebe sein.

Lutz und Neuhöfer-Avdic versprechen sich davon, dass regionale Wirtschaftskreisläufe wie der Stadtwald und die lokale Forstwirtschaft unterstützt werden. Das vorliegende Grobkonzept sieht einen Campus-Charakter mit hoher Aufenthaltsqualität vor, auf dem nachhaltige, innovative und digitale Produkte und Dienstleistungen entwickelt, produziert und angeboten werden.

Für die Ansiedlung von Betrieben soll ein multidimensionaler Ansatz bei der Vergabe von Grundstücken verfolgt werden, zum Beispiel die Anzahl der Arbeitsplätze, eine nachvollziehbare Null-Emission-Strategie, die Erfüllung von Nachhaltigkeitsfaktoren und gezahlte Gewerbesteuern.

Der Bürgermeisterin schwebt ein ambitionierter Fahrplan vor: „Wir haben uns vorgenommen, 2026 neue Gebäude und neues Leben in das Lauffenmühle-Areal einziehen zu lassen.“ Unterstützt wird die Stadt dabei von der Kölner Firma „MUST Städtebau“. Deren Geschäftsführer Robert Broesi betont: „In vielen Städten werden Strategien diskutiert, wie klimaangepasster Städtebau angewendet werden kann. Die Stadtverwaltung traut sich als erste Stadt einen großen Schritt weiterzugehen und will die Klimaneutralität als Leitidee für einen konkreten Gewerbestandort formulieren.“

Der Gemeinderat beschäftigt sich in seiner Sitzung am Donnerstag mit dem Thema. Dann werden dem Gremium auch zwei kurze Filme vorgeführt, die das ehrgeizige Projekt visualisierend erläutern.

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