Lörrach Mit Klangsinn und Sinnlichkeit

Traumbesetzung für die Rollen der Kleopatra: die Schweizer Sopranistin Regula Mühlemann und das La Folia Barockorchester im Burghof. Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Vergessen Sie Asterix und Elizabeth Taylor: Wenn Regula Mühlemann sich gazellengleich aus der hinteren Bühne durch die Orchesterreihen bewegt, ist sie ganz Kleopatra, eine schöne Erscheinung mit aristokratischer Eleganz.

Die Schweizer Sängerin war bei ihrem Auftritt im Lörracher Burghof als Protagonistin in barocken Cleopatra-Rollen allerdings nicht ganz so auffallend auf ägyptische Königin gestylt wie auf dem Titel des Burghof-Magazins oder dem Cover ihrer neuen CD. Aber mit symbolischem Kopfschmuck und Armreifen trägt sie doch einige Insignien der Pharaonin und erregt damit erotische Fantasien. Wenn die Sopranistin die erste Arie aus Carl Heinrich Grauns „Cleopatra e Cesare“ anstimmt, einer pompösen Oper, ist sie stimmlich rollendeckend und koloraturfest. Ihre Kleopatra lässt die inneren Seelenzustände auf den Zuhörer überspringen.

Regula Mühlemann kommt bald als Leidende und Liebende auf die Bühne, bald als stolze Frau, mal mehr nach innen gekehrt mit melancholischem Gestus, mal leidenschaftlich und aufbrausend. Abgesehen von der majestätischen Ausstrahlung, fasziniert die Klangschönheit ihres makellos geführten Soprans (eigentlich eine wunderschöne Mozartstimme!) gepaart mit Klangsinn und -sinnlichkeit.

Ob sie nun das hochvirtuose Koloraturfeuerwerk eines Graun ins Publikum schleudert oder eine mehr schlichtere Arie von Giovanni Legrenzi zu kleiner Continuo-Begleitung singt, in Rezitativ und Arie aus Alessandro Scarlattis „Marc Antonio e Cleopatra“ einen zärtlichen Tonfall von privatem Glück wählt, passend zu der Kammerbesetzung oder sich in Affekte stürzt wie in einer Arie aus Vivaldis „Il Tigrane“ - stets ist ihre Figurendarstellung voller Reiz und Emotion.

Regula Mühlemann lässt sich - und das war besonders schön bei Georg Friedrich Händels „Giulio Cesare“ zu hören, wo sie sich um ihren geliebten Cäsar sorgt -, auf die Affekte von Text und Musik ein, so dass ihre Gestaltung immer warm und herzlich klingt. Ebenso kann Mühlemann in zwei verzierten Arien von Johann Adolf Hasse die geforderte Stimmakrobatik perfekt realisieren, was ein Erlebnis für sich ist. Dabei spart sie nicht mit Auszierungen, dosiert aber die Affekte angemessen und setzt sie nicht übertrieben theatralisch ein.

Diese stilistisch versierte Sängerin baut die Größe der legendären mystischen Figur der Kleopatra von innen her, von ihrer privaten, menschliche Seite und Gefühlswelt auf, und das war vokal emotionell stark.

Das La Folia Barockorchester unter seinem Gründer und Leiter Robin Peter Müller am Konzertmeisterpult unterstützt sie in dieser subtilen Spannung, selbst noch in dem reduzierten klassischen Rezitativ-Continuo. Es versteht sich für dieses historisch informierte Ensemble von selbst, dass es in einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi und dem barocken „La Follia“-Hit von Francesco Geminiani mit frischem, spritzigem und fein artikulierendem Orchesterspiel aufwartet.

Mit prächtig dialogisierendem Spiel haben sie die barocke Cleopatra auf Augenhöhe begleitet und bis in die beiden heftig beklatschten Zugaben ihre Gesangssolistin geradezu auf Händen getragen!

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