Lörrach Mit Lernhilfe zum Abschluss

Regine Ounas-Kräusel
Lerngebleiterin Anja Reiss bereitet mit Zarah Muzahwie ihre Prüfungsaufgaben vor. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Najib Köllhofer und Zarah Muzahwie kamen vor sechs Jahren aus Afghanistan und dem Iran nach Deutschland. Heute machen sie eine Ausbildung als Elektroniker und als Kinderpflegerin. Zwei Lernbegleiter vom Projekt TANDEM der Schubert-Durant-Stiftung unterstützen sie.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Najib Köllhofer kam vor sechs Jahren aus Afghanistan nach Deutschland. In Afghanistan hatte er keine Schule besucht, in seiner Muttersprache Persisch trotzdem etwas Schreiben und Lesen gelernt, außerdem ein wenig Englisch. In Deutschland ergriff er die Chance, die ihm Schulbildung hier bot: Hauptschulabschluss in einer eigens auf Jugendliche mit nicht-deutscher Muttersprache spezialisierten Klasse an der Gewerbeschule, danach die Berufsfachschule „Elektrotechnik“, 2018 schließlich ein Lehrvertrag bei Mondelez in Lörrach.

Seinen Lernbegleiter Hermann Rakov traf Najib Köllhofer bei einem Besuch bei seiner Tante in Haagen. Najib Köllhofer bat Hermann Rakow um Nachhilfe in Deutsch, Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde sowie in Mathematik. „Egal wie – ich wollte meine Ausbildung schaffen“, sagt Köllhofer – und das hat geklappt: Im November hat Najib die schriftliche Prüfung bestanden. Am 26. Januar wird er seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik mit der praktischen Prüfung endgültig abschließen. Darauf ist er stolz.

Hermann Rakow, pensionierter Gewerbeschullehrer, weiß: Vor allem der umfangreiche Lernstoff in der Schule und die schriftliche Abschlussprüfung stellen junge Migranten, die eine Ausbildung machen, vor große Schwierigkeiten. Da Deutsch für sie ja Fremdsprache sei, bräuchten sie einfach länger, um Prüfungsaufgaben zu lesen, zu verstehen und zu lösen, sagt er. Da gerieten sie oft unter Zeitdruck.

Rakow trifft Najib Kollhöfer etwa zweimal pro Woche zum Lernen. Doch längst ist er für den jungen Mann auch Vertrauensperson geworden. Wenn der junge Mann einmal aufgeben will, ermutigt er ihn. Erinnert ihn daran, was er schon gemeistert hat, etwa auf der langen Flucht nach Deutschland.

Was er nach der Ausbildung machen will, weiß Najib Köllhofer noch nicht. Vielleicht das Abitur und ein Studium? Mit Lernbegleiter Hermann Rakow will er sich jedenfalls weiterhin treffen, um Kurzgeschichten zu lesen und sein Deutsch zu verbessern.

Ebenfalls vom Projekt der Lernbegleitung profitiert Zarah Muzahwie. Sie lebt allein mit ihrer Tochter Reyhane und ihrem kleinen Sohn Moeen in Lörrach und steckt mittlerweile im Endspurt ihrer Ausbildung zur Kinderpflegerin: Im April 2022 steht die Abschlussprüfung an.

Zarah Muzahwies Tage sind straff durchgeplant: Vormittags besucht sie Schule oder Praktikum. Nachmittags sorgt sie für ihre Kinder – und lernt gleichzeitig. Auch Zahra Muzahwie muss umfangreichen Stoff in der Fremdsprache Deutsch bewältigen: Pädagogik, Psychologie, Kinderpflege oder die Ausarbeitung eines Beschäftigungsangebotes, das bis ins Detail auf den Bildungsplan in Baden-Württemberg abgestimmt ist.

Besonders schwierig sei das Lernen gewesen, als die Schule wegen Corona nur online stattfand, erzählt die junge Frau. Daher ist sie froh, dass ihr Lernbegleiterin Anja Reiss hilft.

Auch Zarah Muzahwie will ihre Ausbildung unbedingt schaffen: „Ich mache das für meine Zukunft und die meiner Kinder.“

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