Lörrach Mit links durch’s Leben

 Foto: Die Oberbadische

Lörrach - Heute ist Internationaler Linkshändertag. Wer mit der linken Hand schreibt oder ein Instrument spielt, gehört in Deutschland zur Minderheit. Auch heute noch stoßen Linkshänder in einer auf Rechtshändigkeit ausgelegten Gesellschaft auf etliche Probleme. Allerdings kann die Linkshändigkeit auch Vorteile haben – zum Beispiel im Sport.

Bis in die siebziger Jahre wurden Linkshänder zu Rechtshändern umerzogen. „Heute wird sowas nicht mehr gemacht“, sagt die Haagener Ergotherapeutin Birgit Charlotte Maier. Sie behandelt hauptsächlich Kinder, die sich über ihre bevorzugte Hand unsicher sind, und gibt Tipps zur Bewältigung von Alltagsbetätigungen an Linkshänder oder motorisch eingeschränkte Patienten.

Bis in die siebziger Jahre wurden Linkshänder umerzogen

„Menschen haben in ihrem Körper grundsätzlich immer eine Lateralität. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Ausprägung einer Handpräferenz kann von 100 Prozent links oder rechts bis zur beinahe Beidhändigkeit sehr unterschiedlich sein“, erklärt Maier. Das Verwenden der falschen Hand bei feinmotorischen Aufgaben könne eine große mentale Belastung sein und bei Kindern zu Konzentrationsschwierigkeiten führen.  Aber auch bei Erwachsenen, die in ihrer Kindheit auf Rechtshändigkeit umerzogen wurden, würde diese „extra Lage Stress“ zu psychischen Problemen wie Burn-out beitragen.

Aus diesem Grund findet Maier auch, dass Linkshänder im Alltag benachteiligt sind: „Gegenstände wie Scheren, Reißverschlüsse, Messbecher oder auch die Gewinde von Schrauben sind alle auf Rechtshänder ausgelegt. Deswegen erarbeiten wir in der Praxis Techniken für Linkshänder, um diese Probleme zu bewältigen.“

Auch das Schreiben funktioniert in Deutschland von links nach rechts. War das in der Vergangenheit noch einer der Hauptgründe für Umerziehungen, so spielt die Handpräferenz heutzutage in den Grundschulen keine Rolle mehr, sagt Thomas Schmitt, Konrektor der Hellbergschule in Brombach: „Unsere Lehrer geben den Schülern höchstens ein paar Tipps zur Stifthaltung und sagen, dass sie das Heft beim Schreiben ein wenig drehen sollen, um nicht über die Schrift zu wischen.“

Auch in der Musikwelt ein "heißes Thema"

In der Musikwelt sind Linkshänder ebenfalls ein „heißes Thema“, verrät Geigenlehrer Martin Kruck von der Städtischen Musikschule Lörrach. Obwohl es viele Verfechter dafür gebe, dass Linkshänder mit einer umgebauten Linkshänder-Geige spielen sollten, ist Kruck anderer Meinung: „Mit dieser Geige könnten die Musiker nicht mehr in einem Orchester spielen. Nicht nur weil es ästhetisch innerhalb der Gruppe nicht schön anzusehen wäre, sondern vor allem, weil man als Linkshänder seinem Nachbarn mit dem Bogen die Augen ausstechen würde.“

Aus diesem Grund empfiehlt Kruck seinen linkshändigen Schülern von Anfang an zu lernen, die Geige rechtshändig zu spielen, um ihnen die Option, im Orchester zu spielen, offenzulassen. Darüber hinaus findet er, dass Linkshänder beim Musizieren mit einer Geige ohnehin im Vorteil seien, da für ihn die linke Hand die weitaus wichtigere Rolle spielt: „Die linke Hand kontrolliert die emotionale Ebene. Deshalb denke ich, dass Linkshänder es einfacher haben, Gefühl in ihr Spiel zu legen.“

Linkshändige Sportler sind im Vorteil

Sportlern, die mit links werfen, schlagen oder schwingen, wird oft nachgesagt, Rechtshändern etwas voraus zu haben. „Im Handball stimmt das auf jeden Fall“, bestätigt Philip Müller, der für die HSG Dreiland spielt. Er ist Linkshänder und hat schon als Kind gemerkt, dass er früher als seine ähnlich talentierten Mitspieler in die höheren Mannschaften hochgezogen wurde.

„Das liegt daran, dass Linkshänder auf der rechten Flügelseite einfach extrem wertvoll sind, da man von dort mit links einen viel besseren Wurfwinkel hat.“ Dass Spieler aus diesem Grund zum Werfen mit links gedrängt worden wären, habe er noch nie miterlebt.

Er könne sich aber vorstellen, dass Anfängern, die sich über ihre Wurfhand unsicher sind, dazu geraten wird. Auch bei Vereinswechseln seien Linkshänder gefragter, meint Müller: „Meine Freunde ziehen mich oft auf mit der Behauptung, dass Linkshänder immer zwei Ligen höher spielen als ihr Talent. Ich glaube, damit haben sie sogar recht.“

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