Lörrach Mit makelloser Schönheit

Mit exzellentem Spiel fiel das renommierte Fauré Quartett im Burghof auf. Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Eine noble Aufführung! Wer sich nach Gabriel Fauré benennt, wie das renommierte Fauré Quartett, der muss ja in die Musik seines Namensgebers verliebt sein. Was für eine intime Beziehung diese namhafte Klavier-Streicher-Formation zu Fauré hat, hörte man am Mittwochabend im Lörracher Burghof.

Man hätte auch nichts anderes erwartet von diesem vielgelobten Starensemble als makellose Schönheit. Ihre Darstellung des ersten Klavierquartetts von Fauré hatte Esprit und Noblesse, gelassene Ruhe und Poesie, war voller Elan und Leichtigkeit.

Schon der Kopfsatz dieses grandiosen Meisterwerks wird unglaublich fein ausgehört, das elfenhafte Scherzo mit dem federzarten Pizzicato-Beginn unerhört filigran durchgezeichnet, duftig und durchsichtig gespielt, das Adagio wirklich mystisch interpretiert: eine klanglich schwerelose Darstellung, mit innerer Erregung. Und dann erst der wunderbare Beginn des Finalsatzes: ein brillantes Tonfeuerwerk!

Mit unvergleichlichem Geschmack spielen Erika Geldsetzer (Violine), Sascha Frömbling (Bratsche), Konstantin Heidrich (Cello) und der mit subtilstem Anschlag als echter Primus inter pares nobel in den Gesamtklang integrierte Dirk Mommertz am Klavier diesen Kammermusiksolitär des „französischen Brahms“. Über die melodischen Perioden hinweg wird die Musik Faurés höchst lebendig gehalten. Klanglich alles im Verhältnis von Klavier und Streichern hervorragend austariert.

Die gleiche Exzellenz des Spiels lassen die Faurés auch Brahms angedeihen. Dieses Mal nicht einem seiner furiosen Klavierquartette, sondern dem mittleren in A-Dur op. 26, das im Schatten seiner beiden Schwesterwerke steht und sicher auch wegen seiner gut 50-minütigen Spieldauer seltener auf den Programmen erscheint. Ein eher unbekannter Brahms, aber eine gestalterisch anspruchsvolle Kammermusik, der die Fauré-Mitglieder mit großer dynamischer Spannbreite und hochsensibler, wendiger Ensembleleistung begegnen. Im ersten Satz arbeiten sie den post-schubertschen Tonfall heraus, im Adagio fällt besonders das Raunen des Klaviers ins Ohr und die Ruhe der Vollkommenheit.

Eingeleitet wurde der Auftritt vor hundert Zuhörern im großen Saal mit dem kostbaren Klavierquartettsatz in a-Moll des jungen Gustav Mahler, dem ersten Satz eines verlorengegangenen Quartetts, und bis heute eine Repertoire-Rarität. Kongenial die Wiedergabe, zwischen hochenergetisch und lyrisch gespannt.

Das Ensemble fängt Mahlers melancholische Stimmung und die leisen elegischen Passagen dieses Einzelsatzes ein, zeichnet die Melodielinien mit höchster Ausdrucksintensität nach bis hin zur Schlusskadenz der Violine, die unter den Händen von Erika Geldsetzer fast schon wie ein Violinkonzert klingt. Unglaublich schön!

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