Lörrach Mit Rhythmus und Farbigkeit

Lörrach - Helle Farben, psychologische Tricks: Die Fußgängerunterführung zwischen dem Rathaus Lörrach und der Bundesagentur für Arbeit wird aktuell aufgewertet. Das Konzept des Basler Künstlers Daniel Göttin soll den Durchgang freundlicher gestalten und mit geometrischen Formen strukturieren.

Zwei Wochen sollten die am 24. Juni begonnenen Arbeiten dauern. Ingo Stamm, Abteilungsleiter beim durchführenden Malerfachbetrieb Orth und Schöpflin, erklärt, wieso dieser Zeitplan nicht eingehalten werden konnte: „Die gelbe Farbe musste öfter überstrichen werden als geplant, und der andauernde Publikumsverkehr in der Unterführung sowie einige Gewitter haben uns ein wenig ausgebremst. Außerdem erfordert das Kunstkonzept sehr exakte Abklebearbeiten, die äußerst zeitraubend sind.“

Helle freundliche Farben gewählt

Gemäß Göttins Entwurf wurden die Wände auf beiden Seiten des Tunnels neu bemalt und in regelmäßige farbige und weiße Dreiecke unterteilt. „Dadurch wollte ich die Unterführung in visuell fassbare Teile gliedern, um eine klar ablesbare Orientierung zu ermöglichen“, erklärt Göttin. Bei einem ersten Besuch des Fußgängertunnels sei dieser ihm „überaus lang und unheimlich“ vorgekommen. „Die Dreiecke können gezählt werden. Sie geben Anhaltspunkte zu Distanz und Ort, rhythmisieren das Gehen und verkürzen damit psychologisch Weg und Zeit eines Durchgangs“, erläutert Göttin seine Motivwahl.

Mit Gelb, Blau und Weiß wurden außerdem helle freundliche Farben gewählt. Somit sollen Fußgänger vor allem auch nachts ein Gefühl von Sicherheit erhalten. Zusätzliche rot gefärbte Elemente des Tunnels zeigen einen neuen Abschnitt oder einen Richtungswechsel an und strukturieren die Unterführung zusätzlich.

Projektauftrag durch Wettbewerb erhalten

Die verwendeten Farben sind standardisierte Verkehrsfarben, so Göttin. Diese seien vielfach vorteilhaft, da sie bis zu acht Jahre lang ihre Qualität beibehalten und Passanten durch ihre Verwendung im Straßenverkehr vertraut sind. Außerdem seien die exakten Farbtöne einfach zu besorgen, um mögliche Graffiti zu überstreichen.

Der Schweizer Künstler, der bereits an vielen Projekten im öffentlichen Raum gearbeitet hat, wurde bei seinen Projekten bis jetzt indes weitestgehend von Schmierereien verschont, wie er selbst berichtet: „Bei meinen Werken achte ich darauf, dass sie sich so gut es geht an ihre Umgebung anpassen. Sie sollen beinahe selbstverständlich erscheinen. Ich habe das Gefühl, dass sie dann eher unversehrt bleiben, weil sie in den Augen der Menschen vor Ort einfach Sinn ergeben.“

„Ich mag es, in architektonisch schwierigen Situationen zu arbeiten"

Der Projektort hatte den Gewinner des Ideenwettbewerbs der Stadt Lörrach und der Internationalen Bauausstellung IBA Basel 2020 – durch den er den Umgestaltungsauftrag erhielt – von Anfang an gereizt: „Ich mag es, in architektonisch schwierigen Situationen zu arbeiten. Die vielen Ecken und der Zusammenschluss der verschiedenen Abschnitte haben mich herausgefordert.“

Die inzwischen über 100 Jahre alten Sandsteinwände des hinteren Teils der Unterführung können nicht beschichtet werden und wurden daher nur gereinigt. Die Decke dieses Abschnitts soll jedoch im Sinne der Rhythmisierung Schwarz-weiß gestrichen werden und möglicherweise Gelb und Blau als Akzentfarben erhalten.

Grüne: Ästhetik allein reicht nicht

Die Fraktion der Grünen betonte indes jüngst in einer Mitteilung, dass Ästhetik alleine zur nötigen Aufwertung des Verbindungstunnels nicht ausreiche. Durch den Bau des Wohn- und Geschäftshauses „LÖ“ sowie den Erweiterungsbau des Landratsamtes und die Wohnbebauung auf dem Areal „Weberei Conrad“, würde die Unterführung als Bindeglied stark an Bedeutung gewinnen. In der Kritik steht vor allem der steile Treppenaufgang zur Belchenstraße hin.

Anfrage an die Deutsche Bahn gestellt

Mit einer kürzlichen Anfrage an die Deutsche Bahn – Eigentümerin dieses Unterführungsabschnittes – versuchte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, die Gespräche für eine Aufwertung wiederaufzunehmen. Die konkrete Planung beinhaltet laut Neuhöfer-Avdic eine sogenannte „X-Rampe“ beim Belchenboulevard, wodurch die Barrierefreiheit erreicht werden soll.

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