Lörrach Mit strahlender Klasse

Die Oberbadische, 09.07.2017 23:01 Uhr

Wiewohl vorwiegend geistliches Liedgut erklang, verbreitete das Gastkonzert des Prager Chores „Piccolo Coro“ und Kammerorchesters „Piccola Orchestra“ am Samstag in der Stadtkirche viel Serenaden-Flair.

Von Walter Bronner

Lörrach. Die singenden und musizieren Gäste aus Tschechiens Hauptstadt waren einer Einladung des Motettenchors gefolgt und erfreuten unter der straffen Leitung von Marek Valásek die stattliche Hörergemeinde mit Werken bedeutender Tonschöpfer, aber auch hierzulande völlig unbekannter Komponisten. Intonationsreinheit und eine frische, lebendige Gestaltung kennzeichneten die sorgsam gepflegte A-cappella-Kultur der zehn Sängerinnen und neun Sänger.

In klarer Wiedergabe erfuhren so die „unbegleiteten“ geistlichen Chorwerke bewundernswerte Darstellungen, wobei nicht zuletzt die Deutlichkeit der Aussprache auffiel. Bei den Altmeistern waren dies die Psalm-Vertonung des „Exsultate Deo“ (Jubelt Gott zu) des führenden italienischen Renaissance-Tonschöpfers Giovanni Pierluigi da Palestrina und das mit räumlich verteilten Stimmgruppen dargebotene „Magnificat super chorale melos gemanicum“ von Michael Praetorius (bürgerlich: Schultheiß oder Schulze), der aufbauend auf der italienischen Renaissance-Musik an der Schwelle zum Barock in Braunschweig und Dresden die Entwicklung deutscher Tonkunst maßgeblich beeinflusste.

Durchaus Anklänge an diese alte Kirchenmusik wies auch das moderne geistliche Liedgut des vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds geförderten Abends auf. Die eigenwilligen rhythmischen Strukturen und der individuelle Deklamationston dieser Chorwerke stellten vor allem hinsichtlich Präzision des Vortrags hohe Anforderungen an den Chor. Überzeugend gelöst wurden solche pointierten Herausforderungen mit einem „Laudate Dominum“ (Lobet den Herren) des heute 67jährigen Jan Bernátek, der in seiner Heimat zu den beliebtesten „Neutönern“ zählt, ebenso mit Kompositionen der beiden 2007 verstorbenen Zeitgenossen Zdenek Lukás („Pater Noster“) und von Petr Eben (Vertonung von Franz von Assisis Tierpredigt). Viel melodische Anmut verströmten nicht zuletzt die kurzen Marienlieder des bekannten tschechischen Klassikers der Moderne und 1959 im nahen schweizerischen Liestal verstorbenen Bohuslav Martinu.

Instrumentale Beiträge des 16köpfigen Piccola Orchestra waren eingangs die „Messias-Ouvertüre“ von Georg Friedrich Händel und die muntere dritte Streichersinfonie, die der Wunderknabe Felix Mendelssohn-Bartholdi als Zwölfjähriger kreierte. Die Wiedergabe beider Werke gefiel durch eine unsentimentale, spieltechnisch saubere und intonatorisch kernige bis robuste Wiedergabe.

Zum Abschluss interpretierten Chor und Orchester noch das (auch solistisch vorzüglich besetzte) strahlende „Magnificat“ des böhmischen Barockmeisters Jan Dismas Zelenka, der im frühen 18. Jahrhundert am sächsischen Hof reüssierte und seit seiner Wiederentdeckung im vorigen Jahrhundert als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der tschechischen Barockmusik gilt. Zuvor noch bezauberten die Prager Gäste und ihr Lörracher Gastgeberchor das Auditorium gemeinsam mit Mozarts vielgeliebtem „Ave verum corpus“.

Und in die ganz diesseitigen Regionen böhmischer Lebensart und musikantischen Humors entführte dann noch die Zugabe des vitalen „Kirchweih-Chores“ aus Bedrich Smetanas komischer Oper „Die verkaufte Braut“.