Lörrach Mit zwei hochkarätigen Solisten

Jürgen Scharf
Viel Beifall gab es für den eingesprungenen Gastdirigenten Erik Nielsen (Mitte) und den berühmten Tenor Mark Padmore beim Konzert des Basler Sinfonieorchesters. Foto: Jürgen Scharf

Konzert: Basler Sinfonieorchester überzeugt im Burghof / Amerikanischer Dirigent Erik Nielsen springt ein

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Mit einer schlechten und einer guten Nachricht trat Hans-Georg Hofmann, künstlerischer Direktor des Basler Sinfonieorchesters, am Mittwochabend vor das Publikum im Burghof.

Für den erkrankten Chefdirigenten Ivor Bolton musste kurzfristig der amerikanische Dirigent Erik Nielsen einspringen, der das Orchester gut kennt und oft dirigiert hat, da er von 2016 bis 2018 Musikdirektor am Theater Basel war. Nielsen rettete das Konzert, bei dem zwei hochkarätige Solisten aus den Sparten Gesang und Klavier auftraten.

Eine willkommene Repertoire-Entdeckung war die Weihnachtskantate „Dies Natalis“ für Solostimme und Streichorchester des Londoner Komponisten Gerald Finzi, der immer im Schatten seines Landsmanns und Zeitgenossen Benjamin Britten stand und außerhalb der Insel auf dem Kontinent kaum bekannt ist.

Ein idealer Interpret

Umso wertvoller war die Aufführung, zumal mit dem britischen Sängerstar Mark Padmore ein idealer Interpret für diese Vertonung der Texte des englischen Dichters Thomas Traherne gewonnen wurde. Der Tenor führte seine Stimme geschmeidig und mit plastischer Wirkungskraft durch die Kantatensätze, sang mit vorbildlicher Textverständlichkeit und immer genau an der Gesangsmelodie orientiert. So wirkten die Texte bildhaft in ihrem kindlich staunenden Entzücken. Padmores wortbetonender, erzählender Gesang mit innerer Dramatik wurde zu einer eindrücklichen Beschwörung von Himmel, Sternen, Licht, Engeln, irdischen und überirdischem Glanz und Freudenfeuer.

Das Orchester trug den Gesang des Solisten mit fein nuanciertem Spiel, so dass sich eine harmonische Symbiose aus Wort und Klang, Stimme und Streicherwärme ergab. Darin zeigte sich das hohe Aufführungsniveau bei dieser stimmungsvollen, etwas anderen Weihnachtsmusik, die zum echten Finzi-Memorial wurde.

Leichthändige Brillanz

Das Eröffnungsstück war Mozarts Klavierkonzert B-Dur KV 450, ein Werk, mit dem Mozart einen neuen Maßstab und Meilenstein setzte. In Yeol Eum Son hatte man eine Solistin, die mit leichthändiger Brillanz und klarer Anschlagskultur hervortrat.

Die südkoreanische Pianistin ging die Allegro-Sätze mit Schwung, Eleganz und Detailgenauigkeit an, gestochen exakt in den schnellen Läufen, gepaart mit einer lyrischen Leichtigkeit. Den Mittelsatz horchte sie feinsinnig aus, so zart, als berührten ihre Finger kaum die Tasten.

Auch die bravourösen Passagen im Finalsatz klangen spielerisch-leicht und unangestrengt. Gleiches gilt für das Spiel und die feine Mozartkultur des Orchesters unter Nielsens umsichtigem Dirigat.

Der Höhepunkt

Höhepunkt war Schumanns zweite Sinfonie, die als seine „klassischste“, aber auch sprödeste und am seltensten gespielte gilt. Klassisch war auch die Herangehensweise des Basler Sinfonieorchesters, mit schlankem, transparentem Klang. Die rhythmische Monotonie des ersten Satzes dieser problematischen Zweiten, der mystisch und mysteriös verhalten, wie verschleiert beginnt, bevor der Schleier in einer strahlenden Fanfare dramatisch aufreißt, wurde überlegen und präzise gemeistert.

Das Scherzo glich einem Perpetuum mobile, einem geisterhaften Spuk, kapriziös und sprunghaft. Im choralartigen Motiv dieses zweiten Satzes und im Adagio mit ruhigen Bläserstimmen und entrückter Stimmung achtete der mit dem Orchester hörbar vertraute Gastdirigent auf eine in Proportion, Tempo und Dynamik schlüssige, differenziert abgestufte Schumann-Interpretation.

Im Finalsatz mündete sie mit einer hervorragenden Ökonomie der Steigerungen in einen strahlenden, aufgelichteten Orchesterklang voller Bewegung und Energie. Großer, lang anhaltender Beifall, aber keine Zugabe.

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