Von Veronika Zettler

Lörrach. Basspedale, Zugriegel, Leslie-Lautsprecher: Liebhaber des Hammond-Sounds erlebten am Donnerstag eine Sternstunde im Burghof. Was Reinhold Hettich aus seiner Hammond-Schönheit herausholte, bekommt man so nur selten zu hören. Der Schramberger Orgelvirtuose produzierte in sich immer höher schraubenden Bögen eine mitreißende Dynamik und fegte mitunter orkanartig über die beiden Manuale. Mal im Stil von Urvater Jimmy Smith volltönend wie eine Bigband, mal mit davongaloppierenden Glissando-Effekten, dann wieder wie Larry Young hauchzarte Pianissimo-Gefilde gefühlvoll auslotend.

Überhaupt war das ein Abend der Vielschichtigkeit, ein Geflecht filigraner Kunststücke, das der Schopfheimer Gitarrist Hary de Ville und seine drei Kollegen unter dem Titel „A Saxy Hammond Night“ servierten. Mit dabei der viel gefragte Saxofonist Arno Haas, ein langjähriger Weggefährte de Villes, der schon zu Zeiten der Roten-Hahn-Sessions häufig in Lörrach spielte, außerdem Organist Reinhold Hettich und Schlagzeugvirtuose Jörg Bach (Balingen) – in dieser Besetzung wurde das Quartett schon früher im Burghof gefeiert.

Meisterhafte Arbeit leistete Haas am Saxofon, so kraftvoll und ausdauernd wie einfallsreich und vielseitig. Das harmonische Gegengewicht legte de Ville mit Fender Stratocaster, Gibson, Mundharmonika und – obwohl erkältet wie das halbe Publikum – guten Gesangseinlagen. Auch Schlagwerker Jörg Bach, ein gefragter Lehrer seines Fachs, bewies technische Brillanz nicht nur in seinen explosiven und fintenreichen Soli.

Sowohl in den komplexen Arrangements als auch in der stilistischen Bandbreite mit Blues, Bluesrock, Jazz, Latin, vereinzelten Prisen Funk sowie dem Walzer „Bluesette“ von Toots Thielemans genossen die über 100 Zuhörer im ausverkauften Foyer einen so hochkarätigen wie stimmungsvollen Abend. Zwischen dem Opener „Splanky“ und der Zugabe „Rainy Night in Georgia“ offerierte das Quartett einen ausgewogenen Mix aus majestätisch groovenden Nummern und soften Balladen.

Gut aufeinander eingespielt, kamen alle ausgiebig zum Zuge. Standards und Klassiker polierten die vier mit raffinierten Soli zu neuem Glanz auf, was die Zuhörer mit Zwischenapplaus honorierten. Auch ein paar Kompositionen von Hary de Ville waren im Programm, so „Down Below Zero“ oder die Latin-Nummer „Calypso“ – letztere versehen mit „ein paar besonders fiesen Stellen“ speziell für Haas, wie de Ville schmunzelnd verriet. Die große Spielfreude und der mitreißende Drive überzeugten das Publikum.