Lörrach "Dialogsommer" ruft zum "Montagabendgespräch"

Gesprächsrunde mit Reimar Molitor (r.), Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic und Jörg Lutz.                                              Foto: Markus Greiß

Lörrach - Stände in der Fußgängerzone, Stadtrundgänge und nun Vorträge vor begrenztem Publikum: Die Stadtverwaltung setzt in dem von ihr ausgerufenen „Dialogsommer“ coronabedingt auf alternative Formate, um mit der Zivilgesellschaft über Lörrachs Zielbild 2025 und das Integrierte Stadt- und Verkehrsentwicklungskonzept (ISEK) 2030/2040 zu diskutieren.

Mit Reimar Molitor präsentierte sie beim ersten „Montagabendgespräch“ im Burghof einen ausgewiesenen Stadt- und Regionalplaner als Referenten. Er setzt sich als Vorstandsmitglied des Vereins „Region Köln/Bonn“ seit vielen Jahren für die kommunenübergreifende strategische Zusammenarbeit ein. In seinem Impulsvortrag beschrieb er, wie die Großstädte Köln, Bonn und Leverkusen, fünf Landkreise, 61 Kommunalparlamente und fünf Kreistage mit insgesamt 3500 Mandatsträgern kooperieren, um die Region gemeinsam zu gestalten. Dies gelinge nur, wenn man „ambitioniert ist und eine Haltung zur Umsetzung einer Idee einnimmt“ so Molitor.

Von der Fragestellung des Abends „Baukultur in Zeiten knapper Kassen – eine gute Investition in die Zukunft?“ zeigte er sich denn auch verwirrt: „Die vielen Transformationsaufgaben erledigen sich ja nicht von selbst“, so Molitor. Und die Planung sei mit einem Anteil von ungefähr zwei Prozent an den Projektgesamtkosten verhältnismäßig billig und im Grunde unverzichtbar.

Molitor führte unter anderem den Rheinboulevard in Köln sowie den Stadthafen Senftenberg in einem ehemaligen Tagebauareal als Beispiele für gelungene Regionalplanung an. Nach Molitors Worten lief die Arbeit seines Vereins in vier Phasen ab: Zuerst sei es darum gegangen, ein Strukturprogramm aufzulegen und Wettbewerbe zu organisieren, die nicht überall auf Gegenliebe stießen. Dass Letztere ein Mittel zur gemeinschaftlichen Diskussion von Entwicklungsprojekten sind, erkannte aber auch die Landesregierung – und unterstützte das Vorgehen konsequent.

In einer zweiten Phase sei es das Ziel gewesen, die verschiedene Städte zu „operativen Akteuren“ zu machen. Dann folgte die Erarbeitung eines Agglomerationskonzepts und einer handlungsorientierten Strategie. Aufgrund der Qualität der Vorarbeiten sei die Akzeptanz in der Bevölkerung bereits sehr groß gewesen. Der Verein durfte nun viel bewegen und die Dinge „vom Ende her denken“ – mit einem Zeithorizont bis 2080. In der vierten Phase orientiere sich die Region nun an der Frage, was „State-of-the-Art“, also wegweisende Technologie, sei.

Die Frage nach den nötigen Kapazitäten

In der Gesprächsrunde stellte Oberbürgermeister Jörg Lutz die Frage nach den nötigen Kapazitäten. Entwicklungsgesellschaften gebe es in Baden-Württemberg nicht. Molitor betonte, „nichts anzupacken, wenn ich nicht die nötigen Leute habe“. Er plädierte dafür, Verwaltungen so umzubauen, dass sie die großen Querschnittsaufgaben durch integriertes kommunales Handeln gut lösen können.

Das komplette Montagabendgespräch ist in einigen Tagen auch unter www. zusammen.loerrach.de abrufbar.

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