Lörrach Mozart geht unter die Haut

Tonio Paßlick
 Foto: Tonio Paßlick

Mit Meilensteinen des immensen kompositorischen Schaffens von Wolfgang Amadeus Mozart begeisterte das Freiburger Barockorchester ein fasziniertes Publikum im fast gefüllten Burghof am Dienstagabend.

Von Tonio Paßlick

Lörrach. Historisch informierte Aufführungspraxis bedeutet alles andere als betuliche Zurückhaltung. Das Freiburger Barockorchester hat sich seinen international hervorragenden Ruf durch äußerst differenzierte, transparente Klangbilder und einen Mut zur erfrischend freien Auslegung der musikalischen Ideen erworben.

Das konnte im Burghof eindrucksvoll an Werken belegt werden, die zu ihrer Zeit durchaus als avantgardistisch gelten mussten. Der erst 17-jährige Mozart hatte nach der dritten Italien-Reise im Jahr 1773 mit der „kleinen g-moll-Symphonie KV 183“ ein neues sinfonisches Zeitalter eingeläutet.

Neues sinfonisches Zeitalter eingeläutet

Der markante viertönige Einstieg in das Allegro con brio, von einer Synkope eingeleitet und mit vier Hörnern unisono mit den Streichern mit unheimlicher Leidenschaft vorgetragen, war spätestens seit der Amadeus-Verfilmung breiten Massen unter die Haut gefahren. Die g-moll-Symphonie wühlt auf mit ihrer dunklen Grundtonart in den Ecksätzen, den retardierenden Momenten, in denen die Oboe wie eine suchende, seufzende Seele einsame und sehnsüchtige Piano-Einsätze spielt.

Konzertmeister Gottfried von der Goltz trieb die packenden melodischen Bögen in düstere Dynamik, die in den ruhigen kantablen Passagen nichts von ihrer Spannung einbüßte. Mozart hatte mitten in diese Stimmungswogen eine bukolische Pastoralszene des Trios im Menuett eingebaut, wie eine musikalische Referenz an die Gegensätze des Lebens.

Ein weiterer „Evolutionssprung“ war das in der Legende beim Kegeln mit leichter Hand entworfene „Kegelstatt-Trio“ KV 498 des 30-jährigen Familienvaters, der seinen Freunden einen amüsanten Dialog zwischen Hammerklavier, Klarinette und Bratsche auf den Leib schrieb. Zum ersten mal in dieser Besetzung, zum ersten mal als Zusammenspiel gleichberechtigter Instrumente.

Mit neckischer Attitüde ausgekostet

Der italienische Klarinettist Lorenzo Coppola, die moldawische Bratscherin Corina Golomoz und Kristiaan Bezuidenhout, der südafrikanische Spezialist für authentisches Spiel auf dem Hammerklavier, kosteten diese Gesprächsstimmung mit neckischer Attitüde und höchstem Einfühlungsvermögen aus. Auf geniale Weise verband das Trio konzertierenden Satz, Kontrapunkt und Tanzrhythmen zu einer sublimen Synthese.

Gar als „Wunder musikalischer Originalität“ ist Mozarts Klavierkonzert in Es-Dur KV 271 „Jenamy“ in die Musikgeschichte eingegangen. Bezuidenhout schaffte es am Hammerflügel trotz eines rasanten Tempos, seinen Part mit raffinierter Artikulation und reicher Agogik zu gestalten und vor allem betörend schöne Kadenzen mit atemberaubenden Ruhepolen zu spielen. Formale Überraschungen verschafften einer hinlänglich bekannten Komposition eine erfrischend neue Strahlkraft. Jede Phrase wurde anders beleuchtet, jede Wiederholung neu artikuliert.

Mit einer zauberhaften „Allemande“ bedankte sich der künstlerische Leiter des Barockorchesters beim restlos beglückten Publikum.

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