Mit Flüchtlingen kochen: Für einen Monat steht die mobile Küche „Kitchen on the run“ (wir berichteten) auf dem Rathausplatz in Lörrach. Katharina Ohm und Lara Hackmann sprachen mit den Verantwortlichen: Ina Peppersack, Agnes Disselkamp und Daniel Schoon.

Was ist die Motivation hinter „Kitchen on the Run“?

Wie finanziert sich das Projekt?

Was bedeutet es für Flüchtlinge, Gastgeber sein zu können?

Ist es schwierig die Sprachbarriere zu überwinden, wenn so viele unterschiedliche Nationalitäten miteinander kochen?

Sie machen in nur vier Städten bundesweit Station. Was hat an der Lörracher Bewerbung überzeugt?

Momentan feiern die Muslime Ramadan. Dadurch entstehen für deutsche Gäste späte Essenszeiten. Ist das gewollt so?

Welche Gerichte werden hauptsächlich gekocht?

Wie ist es, mit Flüchtlingen einzukaufen?

Kommen auch Lörracher, die mit Flüchtlingen nicht so viel am Hut haben?

Wer kann kochen, wer kann essen?

Sie sind bereits durch Europa getourt: Nehmen Sie etwas Besonderes aus Lörrach mit?

PEPPERSACK: „Wir wollen Menschen zusammenbringen und einen Raum für Begegnung schaffen. In unserem bisherigen Engagement für den Berliner Verein „Über den Tellerrand“ ist uns aufgefallen, dass Geflüchtete und Menschen ohne Fluchterfahrung in Parallelgesellschaften leben und sich gar nicht begegnen. Kochen kann dabei eine niederschwellige Möglichkeit sein sich zu treffen.

PEPPERSACK: „Gegründet wurde Kitchen on the Run von Jule Schröder, Rabea Haß und Andreas Reinhard. Dafür hatten sie den mit 50 000 Euro dotierten Ideenwettbewerb „advocate Europe“ gewonnen, wovon der Containerbau finanziert wurde. Die vielseitig nutzbaren Möbel haben Architekturstudierende der Technischen Universität Berlin gebaut. Finanziert werden wir als Modellprojekt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Lokal unterstützen uns hier die Schöpflin Stiftung, Badenova, die Sparkasse und der Heimathafen.“

DISSELKAMP: „Während der Europareise war es für Geflüchtete etwas ganz Besonderes. Diese sind oft in Massenunterkünften untergebracht und werden meist durch Caterer versorgt. Da schafft der Container einen Raum, in den man jemanden einladen kann oder selbst wieder das essen und kochen, was man gerne mag.

Auf der Deutschlandtour ist das nicht mehr ganz so wichtig, weil viele Geflüchtete schon in Anschlussunterkünften oder Wohnungen leben und sich selbst versorgen.

Der Fokus liegt jetzt mehr auf der Begegnung.“

SCHOON: „Eigentlich nicht. Die Sprache steht nicht so im Vordergrund. Kommuniziert wird vor allem über das Kochen. Die meisten Geflüchteten haben zudem schon den ersten oder zweiten Deutschkurs hinter sich.“

DISSELKAMP: „Die Erfahrung hat auch gezeigt, dass es nicht unbedingt Sprache braucht, weil der Container eine sehr offene Struktur hat und man auf viele Dinge zeigen kann.“

PEPPERSACK: „Lörrach hat mit der Lage im Dreiländereck alleine schon symbolischen Wert, weil die Leute hier alltäglich Grenzen überschreiten. In der Bewerbung schimmerte viel Motivation und ehrenamtliches Engagement durch. Das ist insofern für uns wichtig, weil wir auf ein funktionierendes Netzwerk vor Ort zurückgreifen müssen. Andererseits soll es auch keine Übersättigung an Begegnungsprojekten geben.“

SCHOON: „Das ist für uns kein Problem.Wir haben uns entschieden dreimal die Woche ein späteres „Ramadan-Essen“ zu machen und mittwochs früher um 17 Uhr, sodass alles abgedeckt ist. Von den Anmeldungen her gibt es kaum einen Unterschied.“

DISSELKAMP: „Der Ramadan ist auch etwas Besonderes: Das Fastenbrechen haben viele Gäste bisher noch nicht erlebt. Allein schon das Kochen ist anders: Die Personen, die Ramadan machen, bitten dann, andere die Speisen zu probieren.“

PEPPERSACK: „Kürzlich meinte eine Familie, dass es schön ist, das Fastenbrechen gemeinsam mit vielen Menschen zu zelebrieren. In Syrien ist das jeden Abend ein Riesenfest.“

SCHOON: „Wir haben so ungefähr alles da: Gambisch, syrisch und deutsch am gleichen Abend. In Frankfurt gab es vor allem afghanisch und eritreisch –­ gemischt mit Frankfurter grüner Soße. Die Rezepte sind jeden Abend anders. Da gibt es etwa zuerst syrische Fatteh, mit frittiertem Brot und anschließend Fanta-Apfelkuchen.“

SCHOON: „Das ist eine meiner Lieblingsaktivitäten, weil es eine andere Art des Einkaufens ist. Man betritt Läden, die man sonst nicht anläuft. Weil man nur mit wenigen unterwegs ist, lernt man die Menschen auch nochmals intensiver kennen.“

PEPPERSACK: „Dadurch dass wir hier so zentral und sichtbar in der Innenstadt stehen, entwickelt der Container eine Magnetwirkung. Hinzu kommt, dass der Container, im Gegensatz zum Flüchtlingsheim, emotional anders belegt ist. Das lockt ganz andere Zielgruppen an.“

DISSELKAMP: „Es ist offen für alle. Jeder, egal ob geflüchtet oder nicht, meldet sich als Gast oder als Gastgeber an. Letztere bringen dann ein Rezept mit und zeigen den anderen die Zubereitung.“

PEPPERSACK: „Die badische Küche ist schon mal sehr gut. (lacht). Es ist auf jeden Fall ein Unterschied, ob man in einer Kleinstadt steht, oder in Frankfurt in einem Stadtteil.“

DISSELKAMP: Hier gefällt uns besonders, dass alles zentral und gut erreichbar ist. Es ist schön, dass man die Leute ständig zufällig wieder trifft und immer im Austausch bleibt.“

PEPPERSACK: „Dadurch, dass die Lörracher ständig am Container vorbeilaufen und auch spontan Menschen dazustoßen, bildet sich eine ganz andere Art von Begegnungsstätte als in Großstädten, in denen der Container ein isoliertes Projekt ist und vielleicht sogar verpufft.“

n  Weitere Kochabende finden statt bis 30. Juni: dienstags, donnerstags, freitags, jeweils um 18.30 Uhr, mittwochs um 17 Uhr, Anmeldungen sind erforderlich. Infos  unter   www.kitchen-ontherun.org.