Lörrach Musikalisches Zeichen gegen Rechts

Heinz Ratz (rechts) und Gitarrist Ingo von der Band „Strom & Wasser“. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Lörrach - Wilde Gitarrensounds, tanzbare Rhythmen und ein Sänger mit frechen Texten: Die Band „Strom & Wasser“ verbreitete bei ihrem Konzert am Freitag im Alten Wasserwerk gute Laune. Doch sie hatte auch eine Mission.

Die Band will auf ihrer Benefiztournee „Eine Million gegen Rechts“ Spenden für gefährdete selbstverwaltete Jugend- und Kulturzentren in Sachsen, Thüringen und Brandenburg sammeln. Man wolle diese Regionen nicht den rechten Rattenfängern überlassen, sagte Bandleader Heinz Ratz.

Der SAK und das Bündnis für Demokratie mit Vertretern von Caritas, Diakonie, Stadtjugendring und mit anderen engagierten Bürgern, hatten das Konzert organisiert. „Wir sind ein offenes Haus, ein Begegnungsort“, sagte Sam Klink, Kulturverantwortlicher beim SAK. Man wolle Menschen, die für eine offene Gesellschaft eintreten, vernetzen.

Tatsächlich warben zahlreiche lokale Organisationen an Infoständen für bürgerschaftliches Engagement, für Menschenrechte und Toleranz, etwa die Bürgerplattform „FairNetzt“, Amnesty International und die Jusos der SPD. Die evangelische Bezirksjugend zeigte die Ausstellung „Gesichter der Flucht“. Dort erzählten Flüchtlinge aus Afghanistan, Sri Lanka und anderen Ländern von ihrem Schicksal, aber auch Barbara Gediehn, die 1944 aus Westpreußen floh. Eine Gruppe afghanischer Männer bewirtete die Besucher mit köstlichem Reis.

Insgesamt blieb der Saal vor der Bühne aber halbleer, nur wenige Jugendliche kamen. Wer da war, ließ sich vom energiegeladenen Rap von Dasnoop aus Rheinfelden gerne zum Tanzen animieren.

„Strom & Wasser“ verbreiteten mit druckvollem Ska, Punk und Liedermachersound gute Laune. Frontmann Heinz Ratz wollte mit seinen Songs den Leuten Mut machen, sich einzumischen für mehr Menschlichkeit. Der Song „Leise treten die Leisetreter“ war eine pointierte Attacke auf maßlose Firmenbosse, auf all die Moralapostel und allzu besorgten Bürger, die sich um eine menschliche Gesellschaft nicht scheren. „Die Demokratie ist in manchen Regionen gefährdet“, sagte der Sänger. Mit dem Liedermacher Konstantin Wecker hat er daher das Büro für Offensivkultur gegründet. Damit wollen sie Musiker und Kulturschaffende vernetzen und als Unterstützer losschicken können, falls engagierte Bürger irgendwo ein Zeichen gegen rechte Umtriebe setzen wollen.

Ratz: Jugend- und Kulturzentren nicht den rechten Gruppen überlassen

Bei ihrer Konzerttournee will „Strom & Wasser“ eine Million Euro für selbstverwaltete Jugend- und Kulturzentren in Brandenburg, Thüringen und Sachsen sammeln. Würden diese verschwinden, sei die Jugend vollständig rechten Gruppen ausgeliefert, warnte Ratz. Diese böten selbst Jugendhäuser und Freizeiten an, die sie als garantiert ausländerfrei und frei von Genderdiskussionen bewerben.

Bislang hat „Strom & Wasser“ 35 000 Euro gesammelt. Damit unterstützen sie ein Jugendzentrum in Thüringen, das ohne teuren Brandschutz keine Konzerte mehr geben darf. In einem Jugendzentrum in Sachsen bezahlen sie für zwei Monate den gekündigten Sozialarbeiter. Offen ließ Ratz, ob er auch im Raum Lörrach die Demokratie gefährdet sieht, wo Pegida nicht Fuß fassen konnte, die AfD aber in den Landtag gewählt wurde. Mit fröhlichen Latinrhythmen von „Atole Loco“ klang der Abend aus.

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