Lörrach Nach der Trauer um KBC: Den Blick nach vorne richten

Die Oberbadische, 16.04.2018 17:42 Uhr

Wie geht es weiter mit dem KBC-Gelände, wenn das Textilunternehmen im Laufe dieses Jahres weite Teile seiner Produktion in Lörrach aufgibt (wir berichteten)? Von den neuen Eigentümern, zwei Schweizer Geschäftsleute, hat Wirtschaftsförderin Marion Ziegler-Jung jedenfalls einen positiven Eindruck.

Von Guido Neidinger

Lörrach. „KBC war etwas Besonderes für Lörrach. Was jetzt geschieht, ist vor allem für die Mitarbeiter sehr bedauerlich und tut sehr weh“, betonte Marion Ziegler-Jung gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch hat sich für die erfahrene Wirtschaftsförderin seit Längerem „abgezeichnet, dass hier Veränderungen anstehen.“ Diese gelte es jetzt anzunehmen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Die zentrale Frage, die zu beantworten sei, laute: „Wie geht es weiter?“

Ziegler-Jung verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass dies „schon einmal gelungen ist“, als die KBC 1999 in existenziellen Nöten steckte. „Damals konnte die Stadt mit dem Sanierungsgebiet und dem Aufbau des Innocel reagieren“, erinnert sie sich.

Auch jetzt möchte sie so schnell wie möglich den Prozess der Veränderung auf diesem wichtigen Grundstück für die Stadt gemeinsam mit den neuen Investoren begleiten. Ein erstes Gespräch wurde mit den Grundstückseigentümern bereits geführt. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, betont die Wirtschaftsförderin. In diesem hat sie „einen kompetenten Eindruck gewonnen“. Ziegler-Jung ist zuversichtlich, dass die Investoren „nicht darauf angewiesen sind, mit dem Gelände schnell Geld zu verdienen.“ Aber sie seien durchaus an einer Entwicklung des 80 000 Quadratmeter großen Geländes interessiert.

Klar sei, dass dieses Areal nicht für den Wohnungsbau umgewidmet werden soll, sondern, wie im Bebauungsplan festgeschrieben, Gewerbefläche bleiben soll. „Wir wollen keine reine Wohnstadt werden“, bekräftigte Ziegler-Jung. Dies sei auch den neuen Eigentürmern mitgeteilt worden.

Die KBC-Fläche sei für Betriebe aufgrund ihrer Nähe zur Innenstadt und ihrer guten Verkehrsanbindung an die B 317 sehr interessant. Das Problem sei nur, dass Firmen, die sich in Lörrach ansiedeln oder ihr Unternehmen hier erweitern möchten, in aller Regel Gelände kaufen und nicht anmieten wollten.

Perspektivisch kann sich Ziegler-Jung vorstellen, dass das unmittelbar an das jetzt verkaufte KBC-Areal bereits vorhandene Innovationsquartier weiter ausgebaut wird. Die Ansiedlung von Betrieben mit Zukunftstechnologien wäre nach ihrer Ansicht wünschenswert: „Da kann es um neue Branchen gehen, die wir heute noch gar nicht im Blick haben.“ Der Verbleib der wertvollsten KBC-Teile in Lörrach mit der Produktion von Segeltuch, dem digitalen Ink-Jet-Druck und der Kreativabteilung „passt als Baustein gut in dieses Konzept“. Abschließend betonte die Wirtschaftsförderin: „Ich bin nicht so pessimistisch.“

Immer wieder werden Stimmen laut, die Stadt hätte dieses Filetstück unter allen Umständen kaufen und damit für die Entwicklung Lörrachs sichern müssen. Diesen Überlegungen hat Oberbürgermeister Jörg Lutz schon vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Zeitung widersprochen. Finanziell, so Lutz, sei dies nicht darstellbar gewesen, auch nicht gegenüber der Aufsichtsbehörde, dem Regierungspräsidium. Auch für Wirtschaftsförderin Marion Ziegler-Jung war der Kauf nicht zu realisieren, zumal die Stadtverwaltung – losgelöst vom immensen Kaufpreis – innerhalb von nur zwei Monaten von ihrem Vorkaufsrecht hätte Gebrauch machen müssen.

Sie verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Stadt 1999 beim Ankauf von 40 000 Quadratmetern der KBC-Fläche viel mehr Zeit gehabt habe, hier ein Sanierungsgebiet auszuweisen.

Erschwerend komme hinzu, dass man von Altlasten auf dem Gelände ausgehen müsse und von unwägbaren Investitionen in den Brandschutz bei einer Nachnutzung der bestehenden Gebäude. Diese noch nicht zu beziffernden Summen wären zu dem Kaufpreis dazu gekommen.